Archiv der Kategorie ‘Medien’

Ohne Zukunft

Freitag, 12. August 2011

“Spiegel Online” mach sich Sorgen um die Zukunft der Jugend in Europa. Mehr als 20 Prozent der 15 bis 24jährigen hätten keinen Job, in Spanien sei sogar fast jeder Zweite arbeitslos. Das klingt in der Tat bedrohlich - stimmt aber gar nicht.

Bezugsgröße für die Jugendarbeitslosenquote ist nämlich nicht die Gesamtzahl der Jugendlichen, sondern die Zahl der Jugendlichen Erwerbspersonen, die sich wiederum aus Erwerbstätigen und Erwerbslosen zusammensetzen. Die Erwerbspersonen beziffern mithin das Arbeitskräfteangebot. Personen, die ihre Arbeitskraft nicht anbieten - zum Beispiel weil sie studieren - sind gar nicht erfasst.

Würde man tatsächlich den Anteil der arbeitslosen Jugendlichen an allen Jugendlichen errechnen, käme man für die Europäische Union nur auf rund 9 Prozent, in Spanien wären es rund 18 Prozent (siehe Tabelle). Das klingt schon weniger aufregend. Und dann hätte Frau El-Sharif von Spiegel Online, die den Artikel verbrochen hat, ja keine Alarmmeldung verbreiten können. Und das wäre doch schade.

Anteil der Arbeitslosen von 15 bis 24 Jahren an allen Personen von 15 bis 24 Jahren

Erwerbslose in Prozent der Bevölkerung

Europäische Union (25 Länder)

9,1%

Belgien

6,0%

Tschechische Republik

5,1%

Dänemark

9,4%

Deutschland

4,8%

Estland

7,8%

Irland

10,7%

Griechenland

11,6%

Spanien

18,4%

Frankreich

8,7%

Italien

8,3%

Zypern

8,2%

Lettland

11,0%

Litauen

10,1%

Luxemburg

4,1%

Ungarn

6,5%

Malta

7,0%

Niederlande

5,4%

Österreich

5,2%

Polen

8,6%

Portugal

10,8%

Slowenien

6,6%

Slowakei

10,1%

Finnland

10,2%

Schweden

12,5%

Vereinigtes Königreich

11,1%

Island

10,9%

Quelle: Eurostat, eigene Berechnungen

Gute Arbeit?

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland sind unzufrieden mit ihrem Job, schreibt heute die “Süddeutsche Zeitung” unter wie gewohnt vollkommen unkritischer Berufung auf eine Umfrage des DGB. Nur 15 Prozent beurteilen ihre Arbeit als “gute Arbeit”. Das lässt aufhorchen, weiß man doch aus Untersuchungen wie dem European Working Conditions Survey, dem International Social Survey Programme oder dem Sozio-ökonomischen Panel, dass die meisten Arbeitnehmer gerade in Deutschland in hohem Maße mit ihrer Arbeit zufrieden sind.

Das Rätsel klärt sich dann aber doch recht schnell: Erstens unterliegt die DGB-Befragung einem so genannten sample selection bias. Das heißt, an einer solchen nicht-repräsentativen Umfrage zum Thema Arbeitszufriedenheit nehmen vor allen diejenigen Arbeitnehmer teil, die ein besonderes Interesse daran haben. Und das sind nicht die Zufriedenen, sondern die Unzufriedenen, die ihren Ärger der Welt mitteilen möchten.

Zweitens ist der Arbeitszufriedenheitsindex, den der DGB aus den Antworten auf 31 Fragen zusammenbastelt, in höchsten Maße manipulativ. Wer will, kann das gerne selbst überprüfen. Auf Fragen wie “Können Sie Ihre Arbeit selbständig planen und einteilen?” kann man in vier Abstufungen antworten, von “in sehr hohem Maße” bis “gar nicht”. Teilweise muss man noch zusätzlich angeben, wie sehr etwas belastet. Am Ende bekommt man anhand eines Indexes, der von 0 bis 100 reicht angezeigt, wie “gut” man seine Arbeit einstuft.

Selbst wenn man bei allen Fragen konsequent die jeweils zweitbeste Antwort wählt (”in hohem Maße”) und jeweils angibt, dass einen etwas “mäßig” belastet, landet man bei einem Indexwert von 57, was nach DGB-Sichtweise so gerade noch eine mittelmäßige, aber fast schon eine schlechte Arbeit ist. “Gut” ist eine Arbeit nämlich erst ab einem Indexwert von 80, der aber äußerst schwer erreichbar ist.

Der Index und seine Berechnung ist ein einziger Treppenwitz. Es stellt sich die Frage, wer sich mehr schämen müsste - der DGB, der so ein Machwerk veröffentlicht, oder die “Süddeutsche Zeitung”, die die Ergebnisse ohne auch nur eine einzige kritische Nachfrage widergibt.

Preisverdächtig

Freitag, 1. Oktober 2010

Das lawblog hat auf einen Artikel des Portals “nordbayern” aufmerksam gemacht, der einem fast die Tränen in die Augen treibt. Da hört eine 47-jährige Würzburgerin auf einer Versammlung rechtradikale Hetzparolen und verständigt daraufhin die Polizei, die sich des Problems annimmt. Dafür erhält sie einen Preis des ZDF für ihre Zivilcourage: 10.000 Euro. Soweit, so gut.

Weil aber die Würzburgerin Empfängerin von Arbeitslosengeld II ist, werden ihr die Leistungen gestrichen. Das ist soweit konsequent. Wer Einnahmen hat, mit denen der Lebensunterhalt bestritten werden kann, hat keinen Anspruch mehr darauf, dass andere den Lebensunterhalt doppelt finanzieren. Wäre ja noch schöner. Im Falle der fränkischen Preisträgerin aber gerät das gleich zum Drama.

Mit dem Geldpreis wollte Caroline Maas ihrem Sohn und ihrer Tochter ein Studium ermöglichen. “Ich fühle mich wie jemand, dem man den Lorbeerkranz wegnimmt”, sagte sie.

Das ist nun wirklich schlimm. Besonders wenn man bedenkt, dass ihre Einnahmen aus dem Preisgeld zunächst lediglich den ALG II-Anspruch für einen Monat aufheben. Sollte danach noch etwas übrig sein, gälte der Restbetrag als Vermögen. Hier wiederum gibt es großzügige Freibeträge. Die 47-jährige würde auf ein Schonvermögen von insgesamt 11.650 Euro kommen, d.h. das Preisgeld bliebe voll erhalten. Hinzu käme ggf. Vermögen zur Altersvorsorge sowie selbst genutztes Wohneigentum. Der Preisträgerin wird somit nicht der Lorbeerkranz genommen, allenfalls wird ihre monatliche Lorbeerblattration einmal ausgesetzt.

kläglich versagt

Mittwoch, 30. Juni 2010

Leiharbeit hat als Brücke in die Festanstellung kläglich versagt,

meint Thomas Öchsner, Kommentator der “Süddeutschen Zeitung”, aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ablesen zu können. Es mag ja sein, dass sich die Süddeutsche den Befund so wünscht, aber leider deckt sich das mit den Ergebnissen der Nürnberger Forscher nicht. Diese schreiben vielmehr:

Gerade für die Problemgruppe der Langzeitarbeitslosen stellt die Leiharbeit in Hinblick auf ihren künftigen Erwerbsverlauf die bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit dar.

Langzeitarbeitslose, die eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufnehmen - so heißt es in dem Teil der Studie, der in der “Süddeutschen” und “Frankfurter Rundschau” unter den Tisch fiel gekehrt wurde, haben eine um 17 Prozentpunkte erhöhte Wahrscheinlichkeit, nach der Zeitarbeit außerhalb der Zeitarbeit beschäftigt zu sein als Langzeitarbeitslose, die weiterhin arbeitslos blieben. Mithin ist die Zeitarbeit ein effektives arbeitsmarktpolitisches Instrument - was man vom Lieblingsinstrument der Gewerkschaften, den Beschäftigung schaffenden Maßnahmen nun wahrlich nicht behaupten kann.

Schlimm genug, dass die Linkspresse die Resultate der Untersuchung schief darstellt. Aber auch der Ansatz der Studie an sich wirft Fragen auf. So untersuchen die IAB-Forscher den Werdegang von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wirtschaftszweig “Arbeitnehmerüberlassung”. Dabei bleiben einerseits alle Zeitarbeitnehmer unberücksichtigt, die in Betrieben arbeiten, deren wirtschaftlichen Schwerpunkt nicht die Arbeitnehmerüberlassung ist. Andererseits werden auch Beschäftigte betrachtet, die nicht überlassen werden, etwa die Disponenten und die Verwaltung der Zeitarbeitsunternehmen. Wer etwa als Arbeitsloser zu einem Zeitarbeitsunternehmen geht und dort als Buchhalter arbeitet, gilt in der Studie als jemand, der in der Zeitarbeit hängen geblieben ist - für die Gewerkschaften automatisch ein sozialer Problemfall.

Damit ist auch das implizite Wertesystem in Frage zu stellen. Der arbeitsmarktpolitische Erfolg bemisst sich in der Studie als Übergang in Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeitsbranche. Warum? Zeitarbeit ist eine überwiegend sozialversicherungspflichtige, unbefristete Vollzeitbeschäftigung mit einem sehr hohen Grad der Tarifbindung. Sie ist zwar stark konjunkturabhängig, aber das trifft für viele andere Branchen auch zu. Zeitarbeitnehmer unterliegen den gleichen Regelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes sowie des Küpndigungsschutzgesetzes wie Arbeitnehmer anderer Branchen. Sie sind keineswegs Arbeitnehmer zweiter Klasse. Zeitarbeit ist in der Tat keine Brücke in Beschäftigung - sie ist Beschäftigung per se.

Männer, Frauen, Singles und das Statistische Bundesamt

Dienstag, 8. Juni 2010

“Junge Frauen leben häufiger in Partnerschaften”, titelt unter anderem stern.de unter Berufung auf eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Das lässt aufhorchen - ist doch vom gleichen Amt errechnet worden, dass sich die Zahl junger Männer und Frauen in Deutschland nur geringfügig unterscheidet.

Es stellt sich somit die Frage, mit wem denn die jungen Frauen da in einer Partnerschaft leben, wenn es schon nicht die jungen Männer sind. Schön, es könnte ja sein dass junge Frauen ältere Männer bevorzugen. Doch auch hier klärt sich das Mysterium nicht, denn auch die Männer im mittleren Alter sind weitaus häufiger Singles als Frauen mittleren Alters. Nun wäre es noch möglich,

  • dass die Frauen mittleren Alters bevorzugt mit Männern im Greisenalter in Partnerschaften leben (glaube ich nicht),
  • die Frauen häufiger mit Frauen eine Partnerschaft bilden (glaube ich auch nicht),
  • oder viele Frauen glauben, in einer Partnerschaft zu leben, ihre vermeintlichen Partner das aber anders sehen (wer weiss).

Meine Vermutung ist aber eher, dass das Statische Bundesamt hier die Begriffe “Single” und “Alleinlebender”  durcheinanderwirft und die abschreibende Presse es nicht merkt. Die einzige sinnvolle Erklärung für den vermeintlichen Partnerschaftsüberschuss der Frauen ist, dass Alleinerziehende nicht als Singles klassifiziert wurden - auch wenn sie keinen Partner haben.

Befristungen, wohin man sieht

Mittwoch, 17. März 2010

.. so jedenfalls ist der Eindruck, den man aus der Lektüre der Titelseite der “Süddeutschen Zeitung” mitnimmt (leider nur in der Printausgabe, Zusammenfassung hier). Da wird unter Berufung auf eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes behauptet, dass die Zahl der Arbeitnehmer mit Zeitverträge im Vergleich zu 1991 deutlich zugenommen habe. Doch vielleicht hätte man den Artikel des Bundesamtes mal etwas genauer lesen sollen. Wer sich die Mühe macht, findet nämlich schnell heraus, dass die aktuellen Daten mit denen aus dem Jahr 1991 gar nicht vergleichbar sind. Warum ist das so?

Grundlage der Daten zur befristeten Beschäftigung ist der Mikrozensus, eine Befragung von einem Prozent aller bundesdeutschen Haushalte, die vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird. Bis zum Jahr 2004 wurde diese Befragung einmal jährlich im Frühjahr durchgeführt. Im Jahr 2005 wurde die Erfassungsweise jedoch umgestellt. Nunmehr wird die Befragung über das ganze Jahr verteilt und ein Jahresdurchschnitt errechnet.

Die Umstellung hatte einen dramatischen Effekt auf die Erfassung befristeter Beschäftigung. Da Zeitverträge in starkem Maße saisonal auftreten - etwa in Form von Arbeitnehmern beim Ernteeinsatz im Herbst oder in der Gastwirtschaft im Sommer - wurde bis 2004 ein Teil der Befristungen gar nicht erfasst, da nur die Berichtswoche im Mai ausschlaggebend war. Ab 2005 konnten demgegenüber auch Befristungen erfasst werden, die im Juli oder im Oktober stattfanden.

In der Folge der Umstellung der Erfassungsmethode stieg die Zahl der Befristungen stark an, nämlich von 2,5 Millionen im Jahr 2004 auf 3,1 Millionen im Jahr 2005. Die Befristungsquote stieg von 8,3 auf 10,1 Prozent. Der größte Teil dieses Anstiegs war jedoch nichts weiter als ein statistisches Artefakt. Insofern ist es auch unsinnig, Daten von 1991 mit denen von 2008 zu vergleichen. Würde man nur die zeitliche Entwicklung in den Phasen 1991 bis 2004 und 2005 bis 2008 betrachten, ergäbe sich allenfalls ein moderater Anstieg der Befristungsquote. Weitgehende Stabilität der Befristungsneigung zeigt sich auch, wenn man andere Datenquellen wie das Sozio-ökonomische Panel zu Rate zieht.

Benachteiligung gesucht

Montag, 8. März 2010

Wenn es keine Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt gibt, oder diese zu wenig spektakulär erscheinen, dann konstruiert man sich halt welche zurecht. Dachte sich die Partei der “Linken” und fand in der “Frankfurter Rundschau” wieder einmal einen dankbaren und gänzlich unkritischen Abnehmer für ihre kruden Thesen.

Da fragt die Linke Bundestagsfraktion die Bundesregierung, wie sich die Beschäftigung von Frauen in bestimmten Beschäftigungsformen entwickelt habe. Das könnte sie zwar auch problemlos diversen öffentlich verfügbaren Statistiken entnehmen. Aber schön - hier geht es ja um Propaganda, nicht um Erkenntnisgewinn. Jedenfalls zeigt die Statistik, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Vollzeit beschäftigten Frauen in den letzten 10 Jahren um 640.000 abgenommen habe. Woraus die Frankfurter Rundschau messerscharf schließt, dass der flexible Arbeitsmarkt Frauen benachteilige.

Nun ist der Rückgang der Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen in der Statistik der BA einwandfrei nachweisbar. Ebenso einwandfrei nachweisbar ist aber auch, dass die Zahl der vollzeitbeschäftigten Männer noch viel stärker abnahm, nämlich um 990.000. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Teilzeit beschäftigten Frauen um 1,1 Millionen, die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer aber nur um 400.000. Insgesamt also nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen um 490.000 zu. Demgegenüber gingen für Männer 590.000 Arbeitsplätze verloren. Das ist schon eine schlimme Benachteiligung..

Computerbildlogik

Samstag, 30. Januar 2010

Dass die “Computer-Bild” ein Käseblättchen ist, hat man irgendwie ja schon immer geahnt. Empfehlenswert ist die Ausgabe 3 dennoch, weil man für 2,70 Euro ein brauchbares Backupprogramm (True Image) erhält. Wie dem auch sei, in der fraglichen Ausgabe finden sich auf Seite 23 Tipps, wie man Telefonspam vermeidet. Darunter der gute Hinweis:

Rücken Sie nie die eigene Rufnummer heraus, und vermeiden Sie öffentliche Einträge und Angaben bei Preisausschreiben.

Und was findet sich auf Seite 36? Richtig, ein Preisausschreiben. Und was soll man angeben? Richtig, Mailadresse und die Telefonnummer. Und wofür?

Zur Gewinnbenachrichtigung und für weitere interessante Medienangebote der Axel Springer/Ullstein GmbH (Verlag) per Telefon, E-Mail, SMS.

Ah ja.

Zeitarbeit ist nicht gleich befristete Beschäftigung

Donnerstag, 14. Januar 2010

Dass Zeitarbeit etwas grundsätzlich anderes ist als befristete Beschäftigung, ist vielen nicht bekannt. Wie sollte es auch, wenn es nicht einmal Journalisten auf die Reihe kriegen. Welches Maß an Rechercheaversion man als Journalist an den Tag legen kann, wenn man nur ein politisch erwünschtes Ergebnis verbreiten will, demonstrieren eindruckvoll Markus Sievers und Jutta Maier von der “Frankfurter Rundschau”.

Sie behaupten, die OECD hätte ermittelt, dass der Kündigungsschutz für reguläre Beschäftigung in Deutschland vergleichsweise hoch sei, der für Zeitarbeitnehmer dagegen vergleichsweise niedrig. “Zeitarbeit - ein deutsches Drama”, folgert das Linksblättchen daraus.

Jeder, der sich mit Arbeitsmarktinstitutionen nur etwas auskennt, wird sogleich stutzig. Zeitarbeit oder Arbeitnehmerüberlassung bedeutet, dass ein Zeitarbeitsunternehmen seine Arbeitnehmer an Kundenunternehmen überlässt. Sie bleiben aber Angestellte des Zeitarbeitsunternehmens, dass die vollen Arbeitgeberpflichten übernimmt. Das kann jeder, der will, bei Wikipedia oder anderswo leicht herausfinden.

Das Zeitarbeitsunternehmen unterliegt in gleichem Maße wie Unternehmen anderer Branchen dem Kündigungsschutzgesetz oder dem Teilzeit- und Befristungsgesetz. Es gibt keine Sonderregeln für die Zeitarbeit. Das heißt, das Kündigungsschutzniveau der Zeitarbeitnehmer kann gar nicht schlechter sein als das von anderen Arbeitnehmern.

Ein Blick auf die Grafik, die den Artikel begleitet macht auch schnell deutlich, welchem Irrtum man aufgesessen ist. Die FR-Schreiberlinge haben Zeitarbeit und befristete Beschäftigung kurzerhand in einen Topf geworfen. Tatsächlich sind die meisten Zeitarbeitnehmer unbefristet beschäftigt. Auch dies ließe sich - wenn man denn will - leicht herausfinden. Wenn man allerdings einen Artikel schreiben will, in dem die Zeitarbeit möglichst schlecht wegkommt, dann braucht man sich auch gar nicht erst auf die Suche nach Informationen machen. Mit Journalismus hat das allerdings nicht mehr viel zu tun.

Eine Eloge auf Kreuzberg

Sonntag, 11. Oktober 2009

.. kann man im “Tagesspiegel” vom Samstag im Gastkommentar von Pascal Hugues lesen. Da radelt Christian Ströbele mit “im Wind flatterndem roten Schal” am Stau vorbei; die Globalisierung ging spurlos an ihm und dem Bezirk vorüber; am Heinrichplatz werden immer noch Tofu und Kaffee aus Nicaragua verkauft; am Paul-Lincke-Ufer brennt ein Mercedes; “auf diesem großen Basar der Esoterik sind alle Sekten vertreten: Reinkarnation, Systemische Aufstellung, Medialität und Lebensfreude, Tibetan Pulsing Yoga, Rituale, Meditationen, Räucherheilkunde”. Mit einem Wort: “Es ist wahr, hier ist das Leben friedlich”.

Außer natürlich, man fährt einen hochwertigen Wagen. Oder man parkt zufällig neben einem solchen. Oder man baut oder wohnt in einer Luxus-Loft. Oder man ist in der CDU und will einen Info-Stand betreiben. Also quasi immer dann, wenn man den angeblich vorherrschenden linksalternativen Lebensstil nicht teilen mag.  Dann kann das Leben schon mal gefährlich werden, im “friedlichen” Kreuzberg. Man könnte aber auch meinen, dass Gegenden, in denen ein abweichender Lebensstil von anderen nicht geduldet wird und man darauf mit Gewalt reagiert, nicht “friedlich”-pittoresk, sondern einfach nur Spießerparadiese sind.