Archiv der Kategorie ‘Arbeitsmarkt’

unfähig, ahnungslos, Süddeutsche-Redakteur

Freitag, 30. März 2012

Transfergesellschaften sind ja neuerdings das Instrument, mit dem die Welt zu retten ist. Den Eindruck erhält man jedenfalls, wenn man den unsäglich dummen Kommentar von Detlef Esslinger in der “Süddeutschen Zeitung” liest. Seine Argumentation lautet ungefähr so: Der Staat - aber eigentlich die FDP - weigert sich, mit einer Bürgschaft von 71 Millionen Euro die Arbeitsplätze der Schlecker-Verkäuferinnen zu retten. Dabei sei er selbst an der Misere Schuld, weil er Unternehmern wie Anton Schlecker erlaube, einfach so ohne staatliche Kontrolle ein Unternehmen zu führen. Die Schlecker-Angestellten könnten hingegen nichts dafür. Die kaltherzige FDP will ihnen nicht helfen, weil sie ja ohnehin keine FDP-Wählerinnen seien und die Firma im rot-grün regierten Baden-Württemberg sitze, also quasi im Feindesland. So ganz geheuer ist dem Autor seine abenteuerliche Argumentation dann aber scheinbar selbst nicht: “Vielleicht haben die FDP-Minister auch seriöse Gründe für ihre Verweigerung”.

Tja, vielleicht. Aber das herauszufinden, kann man einem Redakteur eines deutschen Qualitätspresseerzeugnisses ja offenkundig nicht zumuten. Das Recherchieren von Fakten stört nur beim Verfassen kerniger Kommentare. Sonst wäre womöglich herausgekommen, dass die Einrichtung einer Transfergesellschaft keineswegs die Arbeitsplätze der Beschäftigten rettet. Statt wie jeder andere, der seinen Job verloren hat, durch die Arbeitsagenturen betreut zu werden, können Mitarbeiter in Transfergesellschaften vorher noch 12 Monate durch andere Dienstleister betreut werden und dabei Transferkurzarbeitergeld in Höhe des Arbeitslosengeldes kassieren - mitunter auch noch aufgestockt vom Ex-Arbeitgeber. Das Arbeitslosengeld gibt es ungeschmälert hinterher. So kommen die Begünstigten auf 24 Monate Bezug von Lohnersatzleistungen. Arbeitnehmer ab 58 können sogar auf 3 Jahre lang Geld vom Amt hoffen.

Eine solch lange Bezugsdauer führt dazu, dass sich Arbeitsuchende Zeit lassen, wenn es um die Aufnahme einer neuen Beschäftigung geht, dazu kann die Arbeitsmarktforschung unzählige Studien vorweisen. Im schlechtesten Fall wird die Dauer der Lohnersatzleistungen voll ausgeschöpft. Nach einem Jahr Beschäftigungslosigkeit wird es dann allerdings sehr schwer, im Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Deshalb muss die Einrichtung - und erst Recht die staatliche Förderung - von Transfergesellschaften gut überlegt sein. Angesichts von über 2 Millionen Beschäftigten, die jedes Jahr ihren Job verlieren oder aufgeben, ist klar dass nicht jeder in eine Transfergesellschaft wechseln kann. Das wäre auch nicht sinnvoll. Für die Zahlung von Lohnersatzleistungen und die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gibt es bereits eine Institution, die auf diese Aufgabe hervorragend vorbereitet ist - die Bundesagentur für Arbeit.

Im Falle der Schlecker-Pleite gibt es keine Gründe, warum die Einrichtung einer Transfergesellschaft erforderlich sein sollte. Da sich die Schlecker-Läden über das ganze Land verteilen, wird kein regionaler Arbeitsmarkt über die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit hinaus belastet. Die allgemeine Arbeitsmarktlage ist gut, viele dürften auch ohne teure und langwierige Umschulungen einen neuen Job finden. Im vergangenen Jahr sind den Arbeitsagenturen knapp 130.000 offene Stellen für Verkaufsberufe gemeldet worden. Hinzu kommt noch einmal die gleiche Zahl Stellen, die nicht gemeldet werden. Die FDP hat endlich einmal liberale Politik gemacht und sich nicht von der Transfergesellschafts-Hysterie anstecken lassen. Dafür gebührt ihr Anerkennung.

Mehr Arbeit

Dienstag, 24. Januar 2012

Es kann nicht sein was nicht sein darf, sagt sich die deutsche Linke und streitet jeglichen Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ab. Was von solchen Theorien zu halten ist, erscheint heute mal von mir fremdgebloggt auf dem Ökonomenblog.

Armes Europa? Armes Deutschland!

Dienstag, 10. Januar 2012

Deutschlands Arbeitslose sind die ärmsten. Zumindest ist ihre Armutsgefährdungsquote einiges höher als in anderen europäischen Ländern. Davon hat der DGB Wind bekommen und sogleich messerscharf geschlossen, dass es daran liegt, dass die Leistungen für Arbeitslose in Deutschland (zu) niedrig seien und überdies das Arbeitslosengeld nicht lang genug gezahlt wird. Dagegen hilft nur, die Bezugsdauer zu verlängern und natürlich - diese Erkenntnis verdanken wir der knallharten Recherche der “Frankfurter Rundschau” - der Mindestlohn.

Das klingt vielleicht plausibel, ist es aber nicht. Denn internationale Vergleiche zeigen, dass das Absicherungsniveau für Arbeitslose in Deutschland auf recht hohem Niveau liegt. Jedenfalls höher als beispielsweise in Großbritannien, wo gleichwohl die Armutsquote der Arbeitslosen mit 47 Prozent deutlich unter der in Deutschland (70 Prozent) liegt. Es muss also andere Erklärungen geben.

Eine naheliegende Erklärung liegt in der Struktur der Arbeitslosigkeit. In Deutschland ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen mit 47 Prozent wesentlich höher als in anderen europäischen Ländern. Großbritannien - um bei dem Beispiel zu bleiben - kommt nur auf 33 Prozent. Wer aber schon lange arbeitslos ist, der ist in der Regel auf die niedrigeren Leistungen der staatlichen Grundsicherung angewiesen und hat keinen Anspruch mehr auf die höheren Leistungen der Arbeitslosenversicherung.

Eine zweite Erklärung liegt in den unterschiedlichen Haushaltsstrukturen. Als arm gilt, wessen (mit der Haushaltsgröße gewichtetes) Haushaltsnettoeinkommen einen bestimmten Schwellenwert unterschreitet. Für das Haushaltsnettoeinkommen ist aber nicht nur das eigene Einkommen von Belang, sondern auch die Einkommen von Partnern. Deutschlands Arme weisen die Besonderheit auf, dass sie häufiger als ihre europäischen Leidensgenossen keine Partner haben, sondern alleinstehend sind. Während in Deutschland 38 Prozent der Armen Singles sind, beträgt der Anteil in Großbritannien nur 21 Prozent. Daraus lässt sich die These ableiten, dass Arbeitslose in anderen europäischen Ländern dank der Einkommen ihrer Partner über die Armutsschwelle hinwegkommen, während deutschen Arbeitslosen dieser Partner fehlt.

Die von der Gewerkschaft vorgeschlagene Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wäre so ziemlich das Schlimmste, was man machen könnte. Schon seit Jahrzehnten weiß die Arbeitsmarktforschung, dass eine lange Bezugsdauer von Leistungen eine Verlängerung der individuellen Dauer der Arbeitslosigkeit bewirkt. Der Langzeitarbeitslosigkeit wird somit Vorschub geleistet und damit jedes Problem befeuert, aufgrund dessen die Maßnahme eigentlich ergriffen worden ist.

Kraft-los

Montag, 14. November 2011

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verteilt schonmal das Fell des Bären: Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro würde eine Entlastung der öffentlichen Kassen um 1,4 Milliarden bedeuten. So sei mit Steuermehreinnahmen und Minderausgaben bei Sozialleistungen zu rechnen.

Wenn sie sich da mal nicht verrechnet hat. Selbst wenn durch den Mindestlohn keiner seinen Arbeitsplatz verliert - was eine heroische Annahme ist - dann mindern sich doch in dem Maße, in dem die Arbeitnehmer mehr Geld verdienen die Gewinne der Unternehmen, die die höheren Löhne bezahlen sollen. Was wiederum zu sinkenden Steuerzahlungen der Unternehmen führen müsste.

Steuermehreinnahmen können allenfalls dann anfallen, wenn die Steuerbelastung der Arbeitnehmer höher ist als die der Unternehmen. Das erscheint mir aber extrem unwahrscheinlich, zumal ein Alleinstehender mit 8,50 Bruttostundenlohn und einer Vollzeitbeschäftigung ganze 72 Euro Lohnsteuer bezahlt - eine Durchschnittssteuerbelastung von gerade einmal 5 Prozent. Alleinerziehende zahlen noch weniger, Verheiratete sogar gar nichts. Schwer vorstellbar, dass Unternehmensgewinne niedriger besteuert werden.

Stille Post

Freitag, 4. November 2011

Bild-Online” berichtet über die Sendung “Anne Will” vom 2. November:

Lindner hielt dagegen, kritisierte seine CDU-Kollegen: 200 000 Arbeitsplätze seien bedroht, wenn der Mindestlohn komme. Doch Lindner hatte nicht mit Anne Will gerechnet. Die hatte nämlich vor der Sendung mit Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft telefoniert. Der Experte stütze Lindners These nicht, dass bei Mindestlöhnen Arbeitplätze verloren gingen.

Auch Frank Lüberding beschäftigt sich im Feuilleton der “Frankfurter Allgemeinen” mit der Sendung:

Anne Will hatte nämlich telefoniert – und zwar mit Michael Hüther, seines Zeichens Präsident des Arbeitgeber nahen „Instituts der deutschen Wirtschaft“ in Köln. Sie hatte ihn gefragt, ob bei der Einführung von Mindestlöhnen mit einem dramatischen Verlust an Arbeitsplätzen zu rechnen wäre. Hüther hat ihre Anfrage negativ beschieden: damit wäre nicht zu rechnen. Das sei das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums, die in den kommenden Tagen veröffentlicht wird und an der Hüthers Institut mitgewirkt habe.

Und das hat Anne Will bei “Anne Will” tatsächlich gesagt:

“Wir haben zum Beispiel mit Michael Hüther telefoniert, das ist das arbeitgebernahe, wirtschaftsnahe Institut der deutschen Wirtschaft. Herr Hüther - den hätten wir gerne eingeladen als einen derjenigen, der uns sagen könnte “Nein, Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze” und er sagt “Nein, ich bin davon nicht überzeugt”. In der Tat die Studie, die Frau Dagdelen angesprochen hat, die Frau von der Leyen als Bundesarbeitsministerin Freitag online stellen wird und dann Montag veröffentlicht wird, besagt eben auch, man hat 6 Institute beauftragt, die sich angeschaut haben, die jetzt geltenden Branchenmindestlöhne und sie kommen zu dem Ergebnis - das hat sie in Interviews auch schon vorab gesagt - es führt nicht zu Verwerfungen auf dem Arbeitsplatz.”

Und das sagt das Institut der deutschen Wirtschaft dazu:

Dieses Telefonat hat zu keiner Zeit stattgefunden;
auch hat sich Prof. Dr. Hüther nicht positiv zum allgemeinen Mindestlohn
geäußert. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln und sein Direktor
halten nach wie vor daran fest, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten.

Nachtrag: Die FAZ berichtigt sich selbst.

Dichtung und Wahrheit

Freitag, 7. Oktober 2011

Wenn die Befunde einer Studie nicht so recht ins eigene Weltbild passen, werden sie halt entstellt wiedergegeben. So ähnlich muss es sich der Redakteur von “Zeit Online” gedacht haben, als er über eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zur Arbeitsmarktlage Älterer berichtete.

Zeit Online:

Besonders aussichtslos stelle sich die Lage der über 60-Jährigen dar: In dieser Gruppe habe nur noch knapp jeder vierte einen Arbeitsplatz. Allerdings habe sich die Lage älterer Arbeitsloser im Untersuchungszeitraum zwischen 1998 und 2010 leicht gebessert, betonen die Autoren der Studie

Die Studie im Original:

Our findings show that the labor market situation of older workers has significantly improved over time. In the last decade their unemployment rates went down und employment rates tend to adjust to the situation of younger age groups.

“significantly improved” übersetzt sich bei der “Zeit” also zu “leicht gebessert”.

Immer schwerer

Mittwoch, 24. August 2011

Wenn - wie der DGB glaubt, herausgefunden zu haben - Ältere Arbeitslose immer schwerer einen Job finden; wenn - wie Anneliese Buntenbach meint - Ältere extrem schlechte Chancen am Arbeitsmarkt haben; wenn ältere Arbeitslose kaum vom Aufschwung profitieren, wie kann es dann sein dass

  • die Zahl der Arbeitslosen im Alter von 55 Jahren und mehr in den letzten 10 Jahren um über 300.000 gesunken ist
  • der Anteil der älteren Arbeitslosen an allen Arbeitslosen von 22 auf 16 Prozent zurückging
  • die Arbeitslosenquote der Älteren binnen der letzten 12 Monate von 8,6 auf 8,3 Prozent gesunken ist?

Die Antwort liegt darin, dass sich für den DGB die Frage ganz anders stellt: Wie kann es bloß sein, dass einerseits eine schwarz-gelbe Bundesregierung fortlaufend das Gegenteil von dem tut, was man selbst für dringend erforderlich hält, andererseits aber der herbeigeredete Untergang des Abendlandes beharrlich ausbleibt und stattdessen der Arbeitsmarkt in einer vor wenigen Jahren für unmöglich gehaltenen gesunden Verfassung ist? Da muss man - wie es ein Kommentator hier einmal trefflich formulierte - eben das Haar in der Suppe eines Glatzköpfigen suchen.

Ohne Zukunft

Freitag, 12. August 2011

“Spiegel Online” mach sich Sorgen um die Zukunft der Jugend in Europa. Mehr als 20 Prozent der 15 bis 24jährigen hätten keinen Job, in Spanien sei sogar fast jeder Zweite arbeitslos. Das klingt in der Tat bedrohlich - stimmt aber gar nicht.

Bezugsgröße für die Jugendarbeitslosenquote ist nämlich nicht die Gesamtzahl der Jugendlichen, sondern die Zahl der Jugendlichen Erwerbspersonen, die sich wiederum aus Erwerbstätigen und Erwerbslosen zusammensetzen. Die Erwerbspersonen beziffern mithin das Arbeitskräfteangebot. Personen, die ihre Arbeitskraft nicht anbieten - zum Beispiel weil sie studieren - sind gar nicht erfasst.

Würde man tatsächlich den Anteil der arbeitslosen Jugendlichen an allen Jugendlichen errechnen, käme man für die Europäische Union nur auf rund 9 Prozent, in Spanien wären es rund 18 Prozent (siehe Tabelle). Das klingt schon weniger aufregend. Und dann hätte Frau El-Sharif von Spiegel Online, die den Artikel verbrochen hat, ja keine Alarmmeldung verbreiten können. Und das wäre doch schade.

Anteil der Arbeitslosen von 15 bis 24 Jahren an allen Personen von 15 bis 24 Jahren

Erwerbslose in Prozent der Bevölkerung

Europäische Union (25 Länder)

9,1%

Belgien

6,0%

Tschechische Republik

5,1%

Dänemark

9,4%

Deutschland

4,8%

Estland

7,8%

Irland

10,7%

Griechenland

11,6%

Spanien

18,4%

Frankreich

8,7%

Italien

8,3%

Zypern

8,2%

Lettland

11,0%

Litauen

10,1%

Luxemburg

4,1%

Ungarn

6,5%

Malta

7,0%

Niederlande

5,4%

Österreich

5,2%

Polen

8,6%

Portugal

10,8%

Slowenien

6,6%

Slowakei

10,1%

Finnland

10,2%

Schweden

12,5%

Vereinigtes Königreich

11,1%

Island

10,9%

Quelle: Eurostat, eigene Berechnungen

Billig wie Dreck

Donnerstag, 23. Juni 2011

Und wieder ein Skandal, der keiner ist:

In Deutschland arbeitet bereits mehr als jeder zweite jugendliche Vollzeit-Arbeitnehmer (zwischen 15 und 24 Jahre), nach einer statistischen Auswertung der Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit, im Niedriglohnsektor.

Da kann man sich schonmal empören. Wie zum Beispiel der große Vorsitzende des Zentralkomitees Klaus Ernst, der zu dem Schluss kommt, “die Arbeitsmarktreformen haben dazu geführt, dass Arbeit so billig geworden ist wie Dreck”.

Vielleicht sind es aber auch nur die Argumentationen der Linkspartei, die billig wie Dreck sind. Denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich die vermeintliche Verelendung der deutschen Jugend als Ammenmärchen. Der Niedriglohnanteil bei Jugendlichen unterliegt einer Auswahlverzerrung: Wenn nur erwerbstätige Jugendliche bis 24 Jahre betrachtet werden, bleiben jene unberücksichtigt, die in dem fraglichen Alter noch gar nicht erwerbstätig sind, weil sie sich noch in der Ausbildung befinden - vor allem Studenten (Auszubildende wurden auch aus der Betrachtung ausgeschlossen). Genau diese sind es aber auch, die hohe Löhne erwarten können. In jungen Jahren erwerbstätig sind nur jene, die aufgrund geringer oder mittlerer Qualifikation in der Rangliste der Löhne vergleichsweise weit unten stehen.

Den Effekt kann man sich an einem Extrembeispiel gut klarmachen. Würde man nur die Erwerbstätigen im Alter von 15 Jahren betrachten und dabei auch noch die Auszubildenden ausschließen, hätte man nur Berufseinsteiger ohne Ausbildung mit maximal einem Hauptschulabschluss in seiner Stichprobe. Dass in dieser Gruppe die Löhne dann niedrig sind, braucht nun wirklich keinen wundern.

Äpfel und Birnen

Mittwoch, 9. Februar 2011

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat eine bahnbrechende Erkenntnnis gewonnen und sogleich der Öffentlichkeit mitgeteilt: Zeitarbeitnehmer verdienen im Durchschnitt weniger als Beschäftigte in anderen Branchen. Skandal!

Oder vielleicht doch nicht? Dass in der Zeitarbeit weniger verdient wird, dürfte wohl in erster Linie an der charakteristischen Tätigkeitsstruktur liegen. Zeitarbeitnehmer sind zu 34 Prozent als Hilfsarbeiter beschäftigt, die eher in unteren Tarifgruppen eingeordnet werden und daher vergleichsweise wenig verdienen. In den anderen Branchen hingegen beträgt der Hilfsarbeiteranteil nur 1,2 Prozent.

Der DGB vergleicht mithin die Einkommen der Facharbeiter und Akademiker in der Metallindustrie mit den Hilfsarbeiterlöhnen in der Zeitarbeit. Da ist es vielleicht doch nicht ganz so überraschend, dass die Zeitarbeit schlecht abschneidet.