Archiv der Kategorie ‘Rente’

Klare Kante

Samstag, 3. Oktober 2009

Kein Blatt vor den Mund nimmt die Präsidentin des Sozialverbandes “VdK”, Ulrike Mascher. Künftige Nullrunden für Rentner seien abzulehnen, im Bedarfsfall sollen halt die anderen zahlen: Der Beitragssatz der Rentenversicherung könne auch auf 21 oder 22 Prozent steigen. So klar hat man es von der Rentnerlobby schon lange nicht mehr gehört, was sie von anderen Generationen hält: Goldesel, die es zu melken gilt.

Da wird gern vergessen, dass die Bundesregierung die Rentenformel, nach der angesichts sinkender Reallöhne eigentlich auch die Renten zu sinken hätten, bereits still, leise und heimlich beerdigt hat. Da wird vergessen, dass ein ergeblicher Teil der Rentner Steuerhinterzieher sind, weil sie angeblich von einer Steuerpflicht ihrer Renten nichts gewusst haben. Und ausgeblendet wird auch immer gern das Los der Erwerbstätigen, die angesichts horrender Zahllasten für die Rentner keinen Spielraum mehr haben, für ihr eigenes Alter privat vorzusorgen.

Lamentiert wird dagegen gern über die Altersarmut, die sich im Vergleich zur Armut von Familien allerdings recht unbedeutend ausnimmt. Für eine Erkenntnis muss man daher Frau Mascher dankbar sein: Es war nicht die Erwerbstätigengeneration, die eine faire Verteilung der Lasten aus dem demographischen Wandel hintertrieben hat.

Altersteilzeit: eine unvernünftige Subvention

Montag, 23. Juni 2008

Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln über eine Nachfolgeregelung zur Altersteilzeit. Die Gewerkschaften wollen, dass auch weiterhin Möglichkeiten bestehen, “frühzeitig und flexibel aus dem Beruf auszusteigen”. Dies eröffne Beschäftigungschancen für Jüngere. Unverzichtbar sei aber, dass der Bund die Altersteilzeit weiter fördere.

Nun ist nichts dagegen einzuwenden, dass Arbeitnehmer flexibel und gegebenenfalls auch frühzeitig aus dem Beruf aussteigen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es wäre unsinnig, da Regeln vorzugeben. Denn manch einer ist schon mit 55 Jahren reif für die Rente und der andere würde noch mit 70 gerne weiterarbeiten. Daher spricht vieles dafür, den Renteneintritt vollkommen unabhängig von einem fixen Rentenzugangsalter zu gestalten.

Allerdings: Mehr Beschäftigung für Jüngere schafft man nicht dadurch, dass man Ältere vom Arbeitsmarkt wegsubventioniert. Die Gewerkschaften unterliegen in dieser Frage abermals der irrigen Vorstellung, der Arbeitsmarkt hätte ein festes Arbeitsvolumen, dass es gerecht zu verteilen gelte. Ein dynamischer Arbeitsmarkt bietet Chancen für Alte und Junge gleichermaßen, wie man anhand eines Blicks auf andere Länder unschwer feststellen kann.

Wer früh aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden will, soll das tun können. Er muss dabei aber versicherungsmathematisch korrekt berechnete Abschläge bei seiner Rente hinnehmen. Keinesfalls sollte der frühe Renteneintritt auch noch staatlich gefördert werden - ob nun in Form der Altersteilzeit oder auf andere Weise. Für eine solche Förderung gibt es keinen Grund, im Gegenteil. Aufgrund der demographischen Entwicklung sind wir jetzt und künftig noch mehr darauf angewiesen, dass Ältere länger im Erwerbsleben bleiben. Ihr Humankapital lässt sich immer schwerer ersetzen.

Eine staatliche Förderung ist auch dann nicht effizient, wenn Arbeitnehmer körperlich anstrengende Tätigkeiten ab einem bestimmten Alter nicht mehr ausüben können. Es ist nicht Sache der Gesellschaft, dafür zu zahlen, dass ein Arbeitnehmer körperlich verschleißt. Es ist vielmehr Sache der Kunden, die solche Tätigkeiten in Anspruch nehmen.

Wenn ein Maurer nur bis 60 arbeiten kann, dann muss er während seines Erwerbslebens eben so bezahlt werden, dass er ab 60 in Rente gehen kann. Die Zahler müssen identisch sein mit den Nutznießern, also denen, die sich von dem Maurer ein Haus bauen lassen. Warum sollte der Bewohner einer Mietwohnung mit seinen Steuern und Sozialbeiträgen den frühzeitigen Renteneintritt des Maurers finanzieren, von dessen Tätigkeit nur sein Nachbar der frischgebackene Eigenheimbesitzer profitiert hat? Eine solche, die Lebensarbeitsleistung berücksichtigende Entlohnung kann aber nur entstehen, wenn es keine staatliche Einflußnahme gibt.

Rente: Politik wider die Selbstverantwortung

Dienstag, 22. April 2008

Die sozialdemokratischen Kräfte holen zu einem weiteren Schlag gegen eine freie Gesellschaft aus. Ihnen ist ein Dorn im Auge, dass Selbständige keine Pflichtbeiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen müssen. “Da ist was zu holen”, denken sich Politiker von CDU und SPD sowie Sozialfunktionäre und Gewerkschaften. Sie fordern eine Einbeziehung der Selbständigen in die Versicherungspflicht und nennen das euphemistisch “Ausbau zu einer Erwerbstätigenversicherung”. Tatsächlich geht es aber allein darum, weiteres Umverteilungspotential zu heben und weitere Kreise der Bevölkerung unter die Herrschaft eines von Politikern administrierten und beherrschten Versorgungssystems zu zwingen.

Natürlich geschehe das alles nur zum Schutz der Selbständigen. Für den Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung Rische ist eine Einbeziehung notwendig, weil es mehr Selbständige gebe, denen Altersarmut drohe weil sie nicht gesetzlich versichert seien.

Selten war eine Argumentation mehr verdreht als diese. Altersarmut droht doch vor allem deswegen, weil die gesetzliche Rentenversicherung das Geld künftiger Rentnergenerationen mit beiden Händen zum Fenster hinauswirft. Die Demographie ist das Altersarmutsrisiko Nr. 1, nicht die Selbständigkeit. Wenn ich meine Pflichtbeiträge eigenverantwortlich anlegen könnte, könnte ich mit Mitte 50 aufhören zu arbeiten. Weil aber das Geld verwendet wird, um die Rentnern von heute zu finanzieren, muss ich bis 67 arbeiten, um dann eine Rente auf Hartz IV-Niveau zu erhalten.

Bei der Einbeziehung von Selbständigen geht es nicht um deren Altersarmut, sondern um deren Geld. Es geht darum, dass man sie schröpfen möchte, um vor Wahlen soziale Wohltaten an Rentner verteilen zu können. Es geht darum, dass man den Bürgern nicht zutraut, eigenverantwortlich eine Altersversorgung aufzubauen, sondern meint, sie zu ihrem “Glück” zwingen zu müssen. Es geht darum, dass man alle Bereiche der Gesellschaft im Würgegriff der Umverteilung haben möchte. Es geht darum, dass ein weiteres Stück Selbstverantwortung und Freiheit an den Staat delegiert werden soll.