Archiv der Kategorie ‘Preise’

Mit Essen spekuliert man nicht! Oder?

Mittwoch, 9. Mai 2012

Zum wiederholten Male ist der Handel mit Derivaten auf landwirtschaftliche Erzeugnisse in die Kritik gekommen. Aktuell steht die Allianz in der Kritik der privaten Entwicklungshilfe-Organisation “Oxfam”, weil Allianz-Fonds an Warenterminbörsen mit Lebensmitteln handeln. Der konkrete Vorwurf lautet, dass durch die Spekulation die Preise in die Höhe getrieben werden und somit Hungersnöten Vorschub geleistet werde. Kann das sein?

Ein Warentermingeschäft ist eine Wette auf die zukünftige Preisentwicklung. So kann ich auf dem Warenterminmarkt eine Tonne Weizen kaufen, die mir erst in 12 Monaten geliefert wird. Sagen wir, für diese Tonne bezahle ich 250 Euro. Der gegenwärtige Weltmarktpreis liegt bei 220 Euro. Ich rechne also mit steigenden Preisen. Wenn der Preis über 250 steigt, habe ich Gewinn gemacht: Nehmen wir an, der Preis steigt auf 260. Dann könnte ich meine Tonne Weizen für 10 Euro mehr verkaufen, als ich sie eingekauft habe. Der Verkäufer der zukünftigen Tonne Weizen spekuliert in die Gegenrichtung. Mit solchen Warentermingeschäften können zum Beispiel Bauern ihre Ernte verkaufen, obwohl sie noch gar nicht eingefahren ist. Das sorgt für einen berechenbareren Einkommensstrom.

Nun hat nur ein Bruchteil der Warentermingeschäfte einen realwirtschaftlichen Hintergrund. Die meisten Kontrakte sind reine Spekulationen. Es wird keine Tonne Weizen geliefert, sondern lediglich der Unterschiedsbetrag zwischen dem Preis des Kontraktes und dem Weltmarktpreis ausgeglichen. In dem obigen Beispiel würde ich also 10 Euro vom Verkäufer des Weizenkontraktes erhalten. Somit steht jedem Marktteilnehmer, der auf steigende Preise spekuliert, ein anderer gegenüber, der auf sinkende Preise spekuliert.

Können solche Spekulationen den Preis in die Höhe treiben? Wenn mehr Menschen auf steigende Preise setzen als auf fallende Preise, wird der Preis für die Terminkontrakte steigen. Es wird teurer, in 12 Monaten über eine Tonne Weizen verfügen zu können. Wenn sich aber an den tatsächlichen Angebots- und Verbrauchsmengen nichts ändert, wird auch der jeweils geltende Weltmarktpreis konstant bleiben. In diesem Fall ginge meine Spekulation nicht auf. Ich habe 250 Euro für eine Tonne Weizen bezahlt, die der Verkäufer am Weltmarkt für 220 Euro einkaufen kann: 30 Euro Verlust.

Eine dauerhaft bestehende Preiserhöhung kann durch Spekulation nicht erzeugt werden, sondern immer nur durch das tatsächliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Termingeschäfte nehmen lediglich Preiserhöhungen (oder -senkungen) vorweg. Das kann sogar effizient sein. Wenn der Preis für Weizenkontrakte steigt, wird es für Bauern zunehmend interessant, mehr Weizen anzubauen. Damit werden zukünftige Preiserhöhungen vermieden. Die Spekulation bewirkt also nur Preiserhöhungen, die es ohnehin gegeben hätte. Wenn es hingegen keinen realwirtschaftlichen Grund für Preiserhöhungen gibt, wird die Spekulation auf steigende Preise auf Dauer fehlschlagen.

Für eine Übergangszeit ist es allerdings möglich, dass - etwa durch steten Zustrom neuer Marktteilnehmer, die ungeachtet der realwirtschaftlichen Verhältnisse auf steigende Preise setzen - eine Preisblase entsteht. Diese wird unweigerlich früher oder später platzen, aber in der Zwischenzeit sind Nachfrager dennoch mit höheren Preisen konfrontiert. Wer Hunger hat, kann ja schlecht abwarten, bis sich die Weizenpreisblase von selbst erledigt. Daher kann eine Regulierung des Marktes erforderlich sein, ein pauschales Verbot von Spekulation aber sicher nicht.

Angebot und Nachfrage

Mittwoch, 31. März 2010

Das ständige Gejammer über die hohen Benzinpreise ist mir ein Rätsel. Wenn zu Ostern - oder ganz allgemein in den Ferien - die Nachfrage nach Benzin steigt, weil die Leute mehr Auto fahren, dann ist es doch das Normalste von der Welt, wenn bei gleichbleibendem Angebot der Preis steigt. Über solche Mechanismen regt sich doch sonst keiner auf. Oder hat ein Wirtschaftsminister schonmal der Tourismusbranche mit dem Kartellamt gedroht, weil Reisen in der Hauptsaison doppelt so teuer sind wie sonst? Oder beschwert sich jemand über Fluggesellschaften, die stark nachgefragte Flüge weit höher bepreisen als weniger stark nachgefragte?

Die 3. Liga der Energiepolitik

Montag, 9. Juni 2008

Bisweilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die deutsche Energiepolitik stümperhaft und von Amateuren betrieben wird. Zum Beispiel wenn sich der Staatsseketär im Umweltministerium Michael Müller über die Gaspreise verbreitet.

Die Preisbindung von Gas an das Öl sei nicht mehr “zeitgemäß”, ist da zu lesen. Die EU solle an einer Strategie arbeiten, die eine “kostengerechte” Preisentwicklung garantiere, die “spekulative Überhöhungen” ausschließe.

Überhöhte Preise gibt es vor allem dann, wenn es keinen funktionierenden Markt gibt. Nun kann aber der Rohölmarkt eigentlich nicht als ineffizient bezeichnet werden. Wir haben zwar mit der OPEC ein Anbieterkartell, das hat aber erstens den Markt nicht vollständig im Griff und zweitens mit den jüngsten Preissteigerungen wenig zu tun. Im großen und ganzen funktioniert der Markt recht gut, steigende Nachfrage führt zu steigenden Preisen und umgekehrt, man kann Terminkontrakte handeln usw.

Hätten wir also einen besser funktionierenden Markt für Gas, wenn wir die Ölpreisbindung aufgäben? Wohl kaum! Denn der Gasmarkt wird von einem einzigen Anbieter beherrscht (den Russen), deren Monolstellung kurzfristig nicht umgangen werden kann. Warum um alles in der Welt meint denn der Staatssekretär Michael Müller, dass sich der Gaspreis für uns als Nachfrager günstiger entwickelt, wenn wir das Oligopol auf dem Rohölmarkt gegen ein Monopol auf dem Gasmarkt eintauschen?

Ein “kostengerechter” Preis ist der Traum aller Menschen, die nicht verstehen, dass Preise Knappheitssignale sind. Warum sollten die Russen ihr Gas für die Produktionskosten plus einen kleinen Gewinn verkaufen, wenn wir bereit oder gezwungen sind, ihnen auch mehr dafür zu bezahlen? Ein knappes und begehrtes Gut wird nun einmal teuer, das hat mit Produktionskosten nur bedingt etwas zu tun. Der Herr Staatssekretär stellt sich vielleicht vor, wie er höchstpersönlich in Moskau einen Rabatt aushandelt und in Berlin aus dem Flugzeug steigt und verkündet “Der Gaspreis ist gerettet”.

So wird es nicht kommen. Gerade das Fehlen der grundlegenden Strukturen für einen Gasmarkt war es, der die Orientierung des Gaspreises am Ölpreis sinnvoll machte und macht. Wenn man etwas gegen hohe Energiepreise tun will, muss man Strukturen für mehr Wettbewerb schaffen, z.B. indem man eine Infrastruktur für Flüssiggasimporte schafft, die dann von jeweils günstigsten Anbieter bezogen werden können.

Wenn man wirklich an niedrigeren Gaspreisen und nicht nur am Wählerstimmenfang interessiert ist, könnte man natürlich auch die Steuern senken, die rund 30 Prozent des Endpreises ausmachen. Aber genau das will ja das Umweltministerium nicht. Im Gegenteil, man versucht, durch die Besteuerung den Energieverbrauch zu senken. An dieser Stelle hat das Umweltministerium mit dem Knappheitssignal Preis offenkundig kein Verständnisproblem.

Seehofers strategische Milchreserve

Donnerstag, 5. Juni 2008

Vom Agrarminister ist man ja so einiges gewöhnt, z.B. dass er Subventionen an die Landwirtschaft damit rechtfertigt, dass Bauern angeblich mehr Kinder haben. Aber es gibt keinen Schwachsinn, der nicht noch überboten werden könnte. Ein neuer Höhepunkt im Wirken des Ministers ist zweifellos seine Einlassung zum “Streik” der Milchbauern. Da behauptet er allen Ernstes, dass sich Deutschland nicht vom Milchimporten abhängig machen dürfe:

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer warnt angesichts der Proteste der Milchbauern vor einer Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland. “Wie problematisch solche Abhängigkeiten für eine Volkswirtschaft sein können, erleben wir bei der Energieversorgung”

Wie bitte? Was erleben wir denn bei der Energieversorgung? Doch nur, dass steigende Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot zu steigenden Preisen führt. Die Ölversorgung ist doch nicht deshalb gefährdet, weil wir keine eigenen Ölvorkommen haben.

Aber die Analogie ist natürlich auch sonst vollkommen abwegig. Schließlich ist Milch kein Rohstoff wie Öl, ohne den es zu einem Stillstand sämtlicher ökonomischer Aktivitäten kommen würde. Und überhaupt, was wäre denn an dem Import von Milch so schlimm? Würden wir von ausländischen Potentaten erpresst, die ein Monopol auf die weltweite Milchversorgung haben und uns bei politischen Differenzen die Milchpipelines abdrehen würden?

In diesem Fall wäre dringend die Bildung einer strategischen Milchreserve anzuraten. Seehofer könnte die protestierenden Milchbauern alle für ein Beamtengehalt in den Staatsdienst übernehmen und ihnen die Aufgabe übertragen, die strategische Milchreserve immer auf dem erforderlichen Stand zu halten. Damit würden vielleicht auch deren Klagen über den Verfall der Preise ein verdientes Ende finden.

Ich habe es schon einmal gesagt, wiederhole mich da aber gern: Wenn selbst Bundesminister so etwas von sich geben, muss man sich über Politikerverdrossenheit nicht mehr wundern.

Milchbauernlogik

Sonntag, 1. Juni 2008

Da bemüht sich der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM), einen Lieferstreik der Milchbauern zu organisieren, um höhere Preise durchzusetzen. Dagegen ist nichts zu sagen, wir können hier - wenn man mal die grotesk hohen Subventionen an die Landwirtschaft allgemein außen vor lässt - die Marktwirtschaft in Aktion sehen. Angebot und Nachfrage suchen ihren Ausgleich. Vorwürfe von politischer Seite sind fehl am Platze. So wenig, wie den Milchbauern vorgeschrieben werden kann, zu welchem Preis sie ihre Milch verkaufen, so wenig kann den Verbrauchern vorgeschrieben werden, zu welchem Preis sie Milch kaufen.

Also alles bestens? Nicht ganz. Offenkundig klappt es mit dem Lieferstreik nicht so recht. Zwar betont der BDM gebetsmühlenhaft, welch furchtbare Versorgungsengpässe auftauchen werden, doch bislang ist davon wenig zu sehen. Daher greift man zu anderen Mitteln, z.B. der Blockade von Molkereien, die scheinbar wenig Probleme haben, anderswo Milch anzukaufen. So eine Blockade mit Treckern hat aber mit marktwirtschaftlicher Preisfindung nicht mehr das geringste zu tun. Hier soll den Nachfragern die eigene Preisvorstellung mit Gewalt aufgenötigt werden.

Auch Milchbauern müssen sich an Gesetze halten. Man kann nur hoffen, dass die Staatsgewalt hier das Recht durchsetzt und nicht vor der Bauernlobby den Schwanz einzieht.

Der Speiseeispreis explodiert

Montag, 26. Mai 2008

Ein Ausflug zum Lieblingseislokal in Berlin-Schöneberg am Samstag offenbarte Erschreckendes: Eine normal große Kugel Eis kostet sage und schreibe 90 Cent! Das sind 1,80 DM. Für normales Pistazien- und Mangoeis. Kein Blattgold oder sonstige Extras.

Ich bin alt genug, dass ich mich noch erinnern kann dass eine Kugel Eis in der Eisdiele mal 30 Pfennig gekostet hat. Das war Anfang der 80er Jahre. Klar, es gibt Inflation und auch andere Preise und auch die Einkommen sind gestiegen. Aber so viel? Mal sehen.

Laut Statistischem Bundesamt ist von 1982 bis heute der Verbraucherpreisindex jahresdurchschnittlich 2,0 Prozent angestiegen. Wenn also der Preis für eine Kugel Eis im Durchschnitt aller Preise gestiegen wäre, müsste er im Jahr 2007 bei 49 Pfennig (=25 Cent) gelegen haben. Mithin steigt der Speiseeispreis um ein vielfaches schneller als andere Preise. Tatsächlich liegt die jahresdurchschnittliche Teuerung einer Kugel Eis bei sagenhaften 7,3 Prozent.

Ich wüßte gar nicht, wodurch dieser rasante Preisanstieg zu rechtfertigen wäre. Scheinbar bin ich aber der einzige, der sich daran stört, denn die Eisdiele war gut besucht wie immer. Bei so einer geringen Preiselastizität der Nachfrage ist ja noch Raum nach oben.