Archiv der Kategorie ‘Globalisierung’

Nokia und der Bochumer Fenstersturz

Samstag, 5. April 2008

Nokia, so hat nunmer die Staatsanwaltschaft Bochum festgestellt, hat mit der Schließung des Bochumer Werkes keinen Subventionsbetrug begangen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da nicht einmal ein Anfangsverdacht gegeben war. Eine ziemlich eindeutige Sache also.

Da haben sich wohl einige zu weit aus dem Fenster gelehnt. Wollen wir hoffen, dass sie nicht hinausfallen:
Der CSU-Mittelstandsexperte Hans Michelbach warf Nokia Subventionsbetrug vor.

Sevim Dagdelen, nordrhein-westfälische Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE, fordert, dass “alle, die von dem Subventionsbetrug wussten und diesem Schauspiel zugesehen haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Trotz fehlender Zahlen erklärte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) [..], es erhärte sich der Verdacht, dass Nokia jahrelang zu Unrecht Subventionen eingestrichen habe.

Ingrid Demmers, arbeitsmarktpolitische Sprechering der Linken in NRW: Hinter der Schließung von Nokia stecke ein Subventionsbetrug allererster Güte.

Man muss Nokias Entscheidungen ja nicht gut finden, aber man sollte schon nochmal nachdenken, bevor man anderen Straftaten vorwirft. Insbesondere wenn man Politiker ist und zur Willensbildung beiträgt.

Globalisierungskritik

Montag, 7. Januar 2008

Im “Spiegel” von dieser Woche (2/2008, Seite 74) erschien ein interessanter Artikel von Gabor Steingart über die Globalisierung und deren Auswirkungen in den USA. Die Amerikaner, so Steingart, seien zunehmend kritisch gegenüber dem Freihandel eingestellt. Gut bezahlte Industriejobs werden nach Mexiko oder gleich nach China verlagert. Übrig bleiben nur schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs. Da es aber auch noch gut bezahlte Dienstleistungsjobs gebe, zeige sich nicht nur eine Gerechtigkeitslücke, sondern gleich ein ganzes Gerechtigkeitsloch. Der Autor kann sich des Beifalls notorischer Antiamerikaner und Attac-Jünger sicher sein: Wir haben es ja schon immer gewußt; nun erwischt es auch die Amis; nun sehen sie ja, was sie davon haben.

Hinter diesem offenkundig  modern gewordenen, verbrämten Plädoyer für mehr Einkommensumverteilung und weniger Freihandel verbirgt sich im Kern eine interessante Fragestellung. Die Chinesen - so der Eindruck, den man aus diesem und zahlreichen anderen Essays zum Thema gewinnen kann - sind kleine, wuselige gelbe Männer und Frauen, die die ganze Welt mit billigen Produkten beliefern und die Industriearbeiter in anderen Ländern arbeitslos machen. Die Frage, die mir dabei unbeantwortet scheint, lautet “warum sollten die Chinesen so etwas tun?”.

Das, was die Chinesen exportieren, können sie nicht selbst konsumieren. Sie arbeiten, ohne dass sie zunächst etwas davon haben. Nun würde kein vernünftiger Mensch einen großen Teil seiner erwirtschafteten Güter verschenken. Die Chinesen machen da keine Ausnahme. Für ihre Industrieprodukte erhalten sie Gegenleistungen, nämlich Rohstoffe, Industrieprodukte und Dienstleistungen, oder Guthaben, die für späteren Konsum verwendet werden können. Rohstoffe haben die meisten westlichen Industrieländer nicht zu bieten. Die Lieferung von Gütern und Dienstleistungen als Gegenleistung für die chinesischen Produkte wiederum bedeutet, dass etwas bei uns hergestellt werden muss, um es mit den Chinesen überhaupt tauschen zu können. Oder - die letzte Möglichkeit - die Chinesen hoffen darauf, dass wir später etwas zum Tauschen haben und verkaufen uns ihre Waren auf Kredit.

Die Chinesen wären schön blöd, wenn sie die ganze Welt mit Waren beliefern würden, ohne im Gegenzug Waren oder Dienstleistungen von uns zu beziehen. Sie würden das Ergebnis ihrer Bemühungen ja verschenken. Tun sie aber nicht. Daher sind auch die Befürchtungen gegenstandslos, dass uns die Chinesen alle arbeitslos machen werden. Dafür dass es Arbeitslosigkeit gibt, sind wir schon selbst verantwortlich. Und für diese simple Überlegung braucht man nicht einmal die Theorie der komparativen Kostenvorteile bemühen, die aus dem Handel einen Effizienzgewinn für alle Beteiligten in Aussicht stellt. Eines ist allerdings richtig: Durch Veränderungen wie die Globalisierung gibt es Strukturwandel, der Gewinner und Verlierer produziert. Die Herausforderung besteht darin, die Folgen für die Verlierer abzufedern. Andere vernünftige Optionen gibt es nicht.