Die Not des DGB

Der Deutsche Gewerkschaftsbund steht dem Wettbewerb - und ganz besonders dem internationalen Wettbewerb - mit großem Misstrauen gegenüber. Groß ist die Furcht, dass wuselige kleine gelbe Männer in China unverschämterweise einfach härter arbeiten als wir und uns die gutbezahlten Arbeitsplätze wegnehmen. Dagegen muss man etwa tun, z.B. Standards setzen mit denen die dreisten Chinesen zur Räson gebracht werden und am deutschen Sozialwesen genesen können.

Nun gibt es aber Dinge, die wir im Ausland kaufen müssen, weil sie bei uns nicht vorhanden sind. Erdöl zum Beispiel. Und der Markt für Erdöl ist ein Markt - wenig reguliert, so dass der Preis mal steigt mal fällt. Und weil Deutschland im Allgemeinen und die Gewerkschaften im Besonderen nur ein winziges Rad im Getriebe der Weltwirtschaft sind, haben sie überhaupt keinen Einfluss auf die Erdölpreise. Das Einzige, was sie erreichen können, ist eine lokale Verteuerung des Erdöls und dessen Derivaten durch Steuern und Regulierungen.

Daher ist die Hilflosigkeit ganz besonders drollig, wenn der Ölpreis für zu hoch gehalten wird und man eigentlich nichts dagegen tun kann. Gut, man könnte natürlich die künstliche Verteuerung durch Steuern und Abgaben reduzieren, aber auf die Umverteilungsmasse will der DGB am allerwenigsten verzichten. Das Resultat sind Programme wie dieses, das mit dem dem “Auto Club Europa” (ACE) ausgearbeitet wurde. ACE? Ist das so etwas wie der ADAC? “1965 von Gewerkschaften im DGB gegründet, ist der ACE ein vergleichsweise junger Verkehrsbund“. Ach so.

Da soll(en)

  • mit Kartell- und Wettbewerbsrecht gegen die “Marktmacht der Ölkonzerne” vorgangen werden. Gute Idee. Seit 30 Jahren wird der Verdacht geäußert, dass die Ölkonzerne Preisabsprachen machen. Einen Beweis gab es nie. Dürfte, selbst wenn es sie gäbe, mit den Ölpreissteigerungen der letzten Monate auch nichts zu tun haben.
  • flächendeckende Stellen eingerichtet werden, bei denen sich Bürger kostenlos Mobilitätsberatung holen können. Besten Dank, lieber DGB. Aber ich finde meinen Weg zur Arbeit auch ohne Beratung von verbeamteten Mobilitätsberatern, deren mutmaßliche Öffnungszeiten von 9 bis 14 Uhr (Montags bis Donnerstag, Freitags geschlossen) ohnehin nur Rentnern, Lehrern und Arbeitslosen etwas nützen. Ich bin sogar in der Lage auszurechnen, ob Auto oder U-Bahn teurer ist. Dafür reichen Grundschul-Mathematikkenntnisse.
  • Car-Sharing-Modelle und Fahrgemeinschaften gefördert werden. Hm. Wenn der Benzinpreis wirklich so hoch ist, dass man das Übel in Kauf nimmt, mit seinem Nachbarn in die Staedt zur Arbeit zu fahren, warum braucht es dafür eine Förderung? Das kann doch jeder für sich selbst entscheiden, wo seine persönliche Schmerzgrenze liegt.
  • die Anschaffung “schadstoffarmer” Autos für “finanziell Schwache” mit günstigen Darlehen erleichtert werden, damit diese nicht mehr soviel Benzin verbrauchen müssen. Wo habe ich diese vollkommen irrwitzige Idee denn schonmal gesehen? Ach ja, hier. Ist natürlich Blödsinn, wenn man so wenig Geld hat, dass der Benzinpreis zu einem Problem wird, wird man sich bestimmt kein neues Auto kaufen, auch nicht auf Staatskredit. Im Gegenteil, da muss die alte Gurke eben noch länger halten.

Und so geht es noch weiter, ich erspare mir die Aufzählung weiterer Nonsensideen. Keine einzige davon wird in der Lage sein, etwas an der Entwicklung des Öl- oder Benzinpreises zu ändern. Die einzige Möglichkeit, die man hat, wenn der Preis eines Gutes steigt, ist weniger oder gar nichts mehr davon zu kaufen. Das hat jeder in der Hand, z.B. bei der Wahl seines Autos oder der Wahl seines Wohnortes. Die DGB-Vorschläge führen lediglich zu einer Ausweitung absurder Staatsbürokratie, die nichts bewirkt, aber viel Geld kostet. Immerhin springt für den DGB noch etwas dabei heraus, denn Staatsdiener sind überdurchschnittlich häufig Gewerkschaftsmitglieder.

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