Der Segen der staatlichen Finanzaufsicht

In den letzten Tagen werden wir ja geradezu überschwemmt mit Abgesängen auf den Kapitalismus im Allgemeinen und den “angelsächsischen Finanzkapitalismus” im Besonderen. Dabei scheinen sich alle Beobachter über eine Konsequenz aus dem staatlichen Rettungspaket einig zu sein: Der Staat müsse verstärkt Einfluß nehmen, um den “ungezügelten” Kapitalismus einzudämmen.

Ob der Einfluß des Staates allerdings so segensreich ist, wie in den wohlfeilen Kommentaren stillschweigend unterstellt wird, erscheint angesichts der Eigentümlichkeiten der Finanzkrise in Deutschland mehr als fraglich. Die einzigen Banken, die aufgrund unvorsichtiger Geschäftspolitik (”Gier”) in eine existentielle Krise gerieten, sind staatlich kontrollierte Institute wie die Landesbanken. Diese konnten ungehemmt Risiken eingehen, weil sie im Notfall durch den Staat aufgefangen werden. Die in Schwierigkeiten geratene Privatbank HRE hingegen hat keine faulen Kredite im Keller, sie fiel vielmehr einem Liquiditätsengpass zum Opfer.

Da ist es nur konsequent, wenn die ersten Interessenten für das staatliche Rettungspaket die Landesbanken sind. In bin nur gespannt, wie man dort den staatlichen Einfluß noch vergrößern will. Noch mehr bin ich gespannt, wie sich das auf künftige Fehlspekulationen auswirken wird. Die Geschäftsbanken jedenfalls sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zurückhaltend. Kein Wunder: Man braucht ja kein Prophet zu sein, um sich auszumalen, was mit dem Aktienkurs einer Bank passiert, die unter staatlichem Kuratel nicht nur Managergehälter, sondern auch noch Dividenden beschneidet.

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