Bald nur noch Arme?

“Immer mehr Erwerbstätige trotz Job arm”, titelt heute die dpa in Bezug auf eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Und prompt hatten der DGB und die “Grünen” die Lösung parat: den Mindestlohn!

Komisch nur, dass die IAB-Untersuchung die dpa-Schlagzeile gar nicht stützt. Wie der Grafik auf Seite 5 zu entnehmen ist, blieb die Armutsquote der Vollerwerbstätigen 2005 konstant und fiel 2006 wieder auf den Stand von 2003 zurück. Auch langfristig scheint sich wenig zu tun. Der Wert von 2006 (rund 5 Prozent) unterscheidet sich kaum von dem von 1994 (rund 4 Prozent). Deutlich gestiegen ist vielmehr die Armutsquote der Nichterwerbstätigen - allerdings auch nur dann, wenn man geeignete Start- und Endzeitpunkte des Untersuchungszeitraumes wählt.

Aber selbst wenn die Schlagzeile der dpa nicht Phantasie wäre, sondern ein handfester empirischer Befund: Was würde uns das über die Einkommensentwicklung der Armen sagen? Recht wenig. Wenn es in den letzten Jahren gelungen wäre, Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte in (dann allerdings gering entlohnte) Arbeit zu bringen, würde man das wohl als arbeitsmarktpolitischen Erfolg werten. Die empirische Konsequenz ist aber, dass möglicherweise die Armutsquote unter den Erwerbstätigen steigt - einfach weil zu den zuvor schon Erwerbstätigen neue, aber armutsgefährdete Erwerbstätige hinzugekommen sind.

Andersherum könnte die Armutsquote der Erwerbstätigen auf null sinken, wenn alle Geringverdiener ihren Job verlieren würden und künftig arbeitslos werden. Mit dem Mindestlohn hat man dafür jedenfalls das geeignete Instrument in der Hand. Dann können sich Gewerkschaft und Grüne auf die Schulter klopfen und die erfolgreiche Bekämpfung des “working poor”-Phänomens feiern. Herzlichen Glückwunsch.

Einen Kommentar verfassen