Hilflos, konzeptlos, überfordert ..

diesen Eindruck hinterlässt die deutsche Politikerkaste in den Tagen nach dem Amoklauf von Winnenden. Man muss sich nur einmal genauer anschauen, wie über welche Themen diskutiert wird.

Da schlägt eine Ministerin von der Leyen vor, eine “Notruf-Nummer” für Chatrooms einzurichten. Ist mir nicht klar, wer da aus welchen Gründen anrufen sollte und was man daraufhin unternehmen sollte. Überhaupt bekommt man eher den Eindruck, dass sich Frau von der Leyen mit dem Internet nicht besonders gut auskennt. Was allein im Usenet an strafrechtlich relevanten Äußerungen fällt, würde deutsche Staatsanwaltschaften auf Jahre auslasten. Ganz zu schweigen von Äußerungen, die auf künftige Straftaten hindeuten könnten.

Ein Klassiker ist dagegen die Forderung nach der Verschärfung des Waffenrechts. Muss man ja nicht gut finden, dass jemand ein ganzes Arsenal zu Hause aufbewahrt. Aber hätte es diese Waffen nicht gegeben, hätte dies einen Amoklauf verhindert? Wenn jemand töten will, findet er einen Weg. Wenn keine Schusswaffe zur Hand ist, nimmt er halt das Küchenmesser oder fährt mit seinem Auto in eine Menschenmenge oder was weiß ich.

Eine ausführliche Diskussion wird darüber geführt, ob der Täter seine Tat vorher im Internet angekündigt hat oder ob es sich bei der Ankündigung um eine Fälschung handele. Als wenn das auch nur irgendeine Relevanz für den Fall hätte. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass dieser Aspekt nur dazu genutzt wird, den Fokus auf das böse Internet zu lenken, wo sich aus Sicht des unwissenden Betrachters offenkundig jeden Abend ein Dutzend potentielle Amokläufer über ihre Absichten austauschen.

Überhaupt die neuen Medien. Vom ersten Moment an war klar, dass der Amokläufer passionierter Ego-Shooter-Spieler war. Was möglicherweise aber auch nur daran liegt, dass der Prozentsatz der Spieler unter jungen Männern recht hoch ist. Müsste man mal untersuchen. Jedenfalls war genauso klar, dass die brutalen Computerspiele an der ganzen Geschichte irgendwie schuld sind, weswegen sie - klar - auch irgendwie verboten werden müssen. Auf dieses Ziel schießen sich konzeptlose Politiker besonders gern ein, da sie hier der Öffentlichkeit weismachen können, dass sie ja etwas unternehmen. Computerspiele gibt es erst seit 30 Jahren, da kann man noch auf Wählerstimmen von denen hoffen, denen diese ganze Computergeschichte schon immer unheimlich war. Gäbe es keine Spiele, würde die Diskussion um Filme geführt. Und gäbe es keine Filme, wären brutale Bücher Schuld. Hätte Wolfgang Bosbach im 19. Jahrhundert gelebt, wäre wohl Emile Zolas “La Bête humaine” nur unter dem Ladentisch erhältlich gewesen.

Halbgare Analysen und untaugliche, wenn nicht sogar gefährliche Konzepte dieser und ähnlicher Art hört man häufig in den letzten Tagen. Vielleicht aber sollte man auch den Gedanken nicht ganz von sich weisen, dass nicht alles nach einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen funktioniert. Dass manche Menschen nunmal einfach einen Sprung in der Schüssel haben und manche davon gefährlich werden. Dann müsste man allerdings auch akzeptieren, dass man gegen solche präventiv nichts unternehmen kann.

Update: Kurt Beck hat es eingesehen.

Ein Kommentar zu “Hilflos, konzeptlos, überfordert ..”

  1. Ulf - Mehr oder minder täglich Privatkram sagt:

    Keiner wird gewinnenenden…

    Tim K. hat es geschafft. Er ziert die Schlagzeilen der Zeitungen und Fernseh"nachrichten", ganz ohne dafür die Hilfe von Dieter "Tittificki" Bohlens sonderbarer Castingshow DSDS……

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