Nachschub fürs Ghetto

Die Schulpolitik in Berlin ist eine ewige Baustelle. Praktisch jedes Jahr kommt eine größere Reform daher. Als nächstes beabsichtigt der Senat, Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu so genannten Sekundarschulen zusammenzulegen. Daneben bestehen dann nur noch Gymnasien und “Gemeinschaftsschulen”, ein mit vielen extra-Millionen gefördertes Bildungsexperiment der Linken.

Ob ein Kind auf das Gymnasium oder eine andere Schule ging, war bisher im Wesentlichen Sache der Eltern. Das passt der sozialistischen Schulpolitik Berlins nicht in den Kram. Da kommt die Sekundarschulreform wie gerufen. In deren Gefolge soll auch gleich der Zugang zum Gymnasium neu geregelt werden.

Worauf das hinausläuft, wurde in einer jüngst abgehaltenen Fachtagung schnell deutlich: In unheiliger Allianz treten Kommunisten, GEW und Schulrektoren für eine Erschwerung des Zugangs ein. Während Linke und die linksextreme Gewerkschaft mutmaßlich ideologische Vorbehalte gegen jedwede individuelle Differenzierung haben, erhoffen sich die Rektoren der Sekundarschulen eine verbesserte Schülerstruktur. Denn die bisherigen Wackelkandidaten, die bis dato auf Wunsch der Eltern zum Gymnasium gehen, würden dann künftig in den Sekundarschulen unfreiwillig zur Anhebung eines Niveaus missbraucht, das eine verfehlte Bildungspolitik zuvor heruntergezogen hat. Die Rektoren der Gymnasien wiederum haben nichts dagegen, künftig schwierigere Schüler abschieben zu können, die vielleicht etwas mehr Arbeit gemacht hätten, um sie zum Abitur zu bringen.

Was sich für die Beteiligten (mit Ausnahme den Eltern) so bequem darstellt, ist für die Humankapitalbildung der Volkswirtschaft katastrophal. Angesichts der demographischen Entwicklung, derzufolge das Erwerbspersonenpotential schon in den nächsten 15 Jahren recht deutlich abnimmt, ist die Kompensation durch ein größeres Humankapital pro Kopf umso wichtiger. Diesbezüglich weist Deutschland bereits gravierende Defizite auf.

Statt alles daran zu setzen, einen möglichst großen Teil der Bevölkerung einen möglichst hohen Bildungsstand zu ermöglichen, sorgen Partikularinteressen und ideologische Verblendung dafür, dass der Anteil der mittel- und halbgebildeten Personen zunimmt. Diese müssen dann mit chinesischen Arbeitnehmern konkurrieren, die auch nicht schlechter ausgebildet sind, aber nur einen Bruchteil des hiesigen Lohns erhalten. Im Ergebnis steht Lohndruck oder - falls dieser nicht durchdringen kann - Arbeitslosigkeit. Somit schafft sich Berlin schon einmal vorausschauend neuen Nachschub für seine umfangreichen Sozialghettos.

4 Kommentare zu “Nachschub fürs Ghetto”

  1. zeitcollector sagt:

    War denn eine Erkenntnis der PISA-Studie nicht die, das die Trennung in Haupt- und Realschule und Gymasium für schlechtere Ergebnisse mit verantwortlich ist (im Vergleich mit anderen Ländern)? Ist denn nicht wichtiger, das den Schülern das Richtige vermittelt wird - unabhängig vom Schultyp?

  2. Holger sagt:

    PISA hat lediglich festgestellt, dass einige Länder ohne Trennung besser abgeschnitten haben als Deutschland. Das kann aber viele Ursachen haben. Entscheidend ist, einem möglichst großen Anteil der Schüler einen möglichst hohen Bildungsabschluss zu ermöglichen. Das erreicht man aber nicht, indem man den Zugang zu der Schulform erschwert, die die höchsten Abschlüsse vergibt.

  3. zeitcollector sagt:

    Aber wenn ich alle Schulformen zusammen lege, ist der Zugang doch automatisch da, oder? Die Frage ist dann nur, wer es bis zum höchsten Abschluss schafft.

  4. Holger sagt:

    Tja, die Frage ist, ob eine Zusammenlegung eher zu einer Erhöhung oder einer Verminderung des Anteils Schüler führt, der den höchsten Abschluss erwirbt - unter gleichen qualitativen Anforderungen. Das könne wir ex ante natürlich nicht wissen. Allerdings sind die Berliner Sekundarschulen keine Gesamtschulen in klassischem Sinne, sondern zusammengelegte Haupt- und Realschulen (in seltenen Fällen auch Gesamtschulen), die “in Kooperation” mit Gymnasien den Schülern ermöglichen sollen, auch das Abitur zu machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in einer nennenswerten Anzahl von Fällen funktioniert.

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