Armut überall

Jetzt wird es so richtig dramatisch. “Dem Osten geht es schlecht“, schreibt der “tagesblick” über die regionale Verteilung der Armut, zu der der Paritätische Wohlfahrtsverband unlängst eine Studie veröffentlichte. Aber, oh weh, auch links der Zonengrenze sieht es nicht besser aus: “Der Westen rutscht ab“, titelt die Berliner Morgenpost. Armut, wo man nur hinsieht.

Schon ein seltsamer Befund, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, wie Armut berechnet wird. Als arm (eigentlich: armutsgefährdet) gilt nämlich, wer ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens hat. Irgendwie klar, dass es welche geben muss, die auch unterhalb des Durchschnitts liegen. Es sei denn, alle verdienen gleich viel. Dann liegt die Armutsquote bei null.

Bezeichnenderweise ist es dabei vollkommen unerheblich, wie hoch das Durchschnittseinkommen ist. Wenn alle Deutschen nur über 500 Euro Einkommen verfügen würden, wäre die Armut dennoch null. Würden 51 Prozent der Deutschen 10.000 Euro verdienen und die restlichen 49 Prozent 5.000 Euro, läge die Armutsquote bei 49 Prozent. Die Armutsquote ist ausschließlich ein Maß der Einkommensverteilung. Eine niedrige Armut besagt nur, dass sich die Einkommen nicht sehr stark voneinander unterscheiden. Ob es dem Einzelnen dabei gut geht, ob er genug zu essen hat oder ein Dach über dem Kopf, ob er Chancen hat, in der Einkommenshierarchie aufzusteigen - all das bildet die Armutsquote nicht ab.

Und noch etwas kann die Armutsquote in der vom Paritätischen Wohlfahrtsverbans vorgenommenen regionalen Betrachtung nicht berücksichtigen: dass 1.000 Euro in Stuttgart etwas ganz anderes sind als 1.000 Euro in Anklam. Schon die Miete für ansonsten gleichen Wohnraum dürfte sich erheblich unterscheiden.

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