Teilzeitblues

Es ist ja wirklich schlimm. Teilzeit und geringfügige Beschäftigung verbreiten sich immer mehr, meint die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Teilzeit löse die traditionelle Struktur der Vollzeitarbeit ab und die Arbeitnehmer - hauptsächlich Frauen -  können ihren Lebensunterhalt daraus nicht bestreiten. Daher müsse unfreiwillige Teilzeit zurückgedrängt werden, Minijobs müssten sozialversicherungspflichtig werden. Außerdem braucht es - klar - einen Mindestlohn, um niedrige Löhne und künftige Altersarmut zu verhindern.

Tatsächlich steigt der Anteil der Teilzeitbeschäftigung an der gesamten Erwerbstätigkeit langfristig an. Unfreiwillige Teilzeitarbeit aus ökonomischen Gründen macht davon jedoch nur rund 22 Prozent aus, bei Frauen sogar nur 19 Prozent. Dieser Anteil ist seit 3 Jahren weitgehend konstant. Die meisten arbeiten Teilzeit wegen persönlicher und familiärer Verpflichtungen. Das kann zwar auch zum Teil unfreiwillige Teilzeit sein, nur ließe sich diese Variante nicht mit den vorgeschlagenen Mitteln des DGB zurückdrängen.

Die von den Gewerkschaften so verhassten Minijobs nehmen hingegen schon seit einigen Jahren nicht mehr nennenswert zu. Seit 2004 gab es einen Zuwachs der ausschließlich, also nicht im Nebenjob geringfügig Beschäftigten um rund 30.000. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten aber um 350.000 zu. Der Anteil der Minijobs an der gesamten Erwerbstätigkeit sank von 12,3 auf 12,0 Prozent. Für eine Umwandlung von Vollzeit- in Minijobs ergeben sich vor diesem Hintergrund keine Hinweise.

Das angebliche soziale Problem, das der DGB da an die Wand malt, ist keines. Es ist nur ein schlecht getarnter Vorwand, um alte Forderungen nach umfassender Sozialversicherungspflicht und Mindestlöhnen erneut auf den Tisch zu bringen.

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