Alles Unsinn

Markus Sievers von der “Frankfurter Rundschau” erklärt das “deutsche Geschäftsmodell” für gescheitert. Er macht das daran fest, dass die Reallöhne sinken und Selbständige und Kapitalbesitzer immer besser verdienen. Dies sei dann auch gleich der wahre Grund für die Finanzkrise und gar das “Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft”. Huch! So schlimm?

Nun könnte man einwenden, dass die Lohnzurückhaltung zu mehr Jobs geführt hat. Den Einwand versucht Sievers, ohne weitere inhaltliche Untermauerung vom Tisch zu wischen (”alles Unsinn”). Ein Mindestmaß an fundierter Argumentation hätte man eigentlich schon erwartet. An den Tatsachen, lieber Herr Sievers, führt ohnehin kein Weg vorbei. Seit 2004 - die Zeitspanne, die Sievers zum Vergleich heranzog - ist die Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland um 1,2 Millionen angestiegen. Das ist genau die Entwicklung, die man von einem Markt erwarten würde: Preis sinkt, Nachfrage steigt.

Dass der deutsche Arbeitsmarkt im Wesentlichen so funktioniert, wie man es erwartet, lässt Böses ahnen für den Fall, dass man Sievers Empfehlungen (”höhere Löhne”) folgen würde. Lohnerhöhungen oberhalb des durch das Produktivitätswachstum definierten Verteilungsspielraums führen zu Beschäftigungsverlusten. Sievers’ Zielvorgaben würden freilich dennoch erreicht: Die Löhne der übrig gebliebenen Arbeitnehmer bleiben auf hohem Niveau. Ob das die aussortierten Arbeitnehmer freut, steht allerdings in einem anderen Blatt - nicht in der Frankfurter Rundschau.

Ein Kommentar zu “Alles Unsinn”

  1. Reinhard sagt:

    …schon einmal an anderer Stelle gefragt: ‘was wohl eher da war; hohe Preise, oder hohe Löhne…?’
    Bei hohem Lohnniveau können sich nur noch wenige verbliebene Arbeitnehmer überhaupt noch das Leben leisten, die anderen (Hartz IV) ‘überleben’ nur noch…..

    Was Herr Sievers allerdings noch vergass zu sagen ist: Selbständig bedeutet ’selbst’ und ’ständig’!

    Woher nimmt dieser Mann die Vermutung also, dass das verbleibende Kapital nicht auch (zu einem gewissen Teil) den Selbständigen zusteht?

    Aber vor allem sollte einmal (wieder) an die heutigen sehr hohen Lohnnebenkosten denken, welche noch vor zwanzig Jahren aus heutiger Sicht einen Bruttolohn darstellten!
    Ja, heute werden Abgaben geleistet, die damals meinem (einem) Bruttolohn entsprachen!
    Übrigens ähnlich den Betriebskosten für eine Wohnung, aber das muss wohl an anderer Stelle diskutiert werden.

    Die wenigen verbliebenen Arbeitgeber also, welche sich in diesen ‘blühenden Landschaften’ noch halten können, sollen also zu wenig zahlen??? Ungerechtigkeiten gibt und GAB es zu allen Zeiten, die derzeitige Arbeitslosigkeit aber schnöde mit Lohnerhöhungen bekämpfen zu wollen ist ignorant. Nein, Arbeitgeber wandern ab, weil sie sich Deutschland nicht mehr leisten können! Und verbliebene Arbeitnehmer können sich bei steigenden Preisen das Leben nicht mehr leisten!
    Und übrigens:
    Unsere Demographie (umgedrehter Tannenbaum) hat nicht erst seit der Erfindung der Pille Schaden erlitten. Zunehmend wird jungen, gebärfähigen Frauen das Leben in der Wirtschaft schmackhaft gemacht…. woher sollen also die zukünftigen Rentenzahler und die herkommen, welche eine florierende Wirtschaft erst möglich machen?
    Aber nein, da wird in Kitas gestreikt und Mütter müssen nun bei ihren, die Erzieher krank machenden Kindern zu Hause bleiben; wie furchtbar!
    Schon ‘mal daran gedacht, dass immer mehr Arbeitswillige (Frauen) sich um die verbliebenen Arbeitsplätze prügeln? Klar, heute ist eben alles so teuer, da MUSS die Frau mitarbeiten…! Und wieder beisst sich die Katze in den Schwanz!
    Die zeit der Trümmerfrauen aber ist vorbei und auch der letzte Kriegsgefangene ist wieder zu Hause :-)
    Wer also einmal TROTZ der Globalisierung und der vermeintlichen Gier der Arbeitgeber solche Dinge in seiner Argumentationskette einbaut, sollte dereinst auf andere Gründe stossen, als die, dass Arbeitnehmer stets nur ausgebeutet werden.

    PS.: auch die Wirtschaftskrise könnte man dann unter anderen Gesichtspunkten betrachten. Denn WER mit seinen vielen, vielen kleinen Aktienfonds usw. macht eine Verschiebung des (nun verlorenen) Kapitals möglich? Es sind DIE gierigen Leute, die mehr als fünf Prozent für ihr Geld haben wollen (wollten) und sich heute über Kursverluste beschweren, anstatt dass sie ihr Geld in die Wirtschaft gesteckt hätten und damit zum Wachstum beitragen (beigetragen hätten).

    Also, lieber Herr Sievers: es gibt viele Aspekte, die bedacht werden sollten, bevor man simpel eine Lohnzurückhaltung für die Arbeitslosigkeit verantwortlich macht! ….dann klappt es auch wieder mit der Sicht darauf, was wohl eher da war; hohe Löhne, oder hohe Arbeitslosigkeit….. In diesem Sinne :-)

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