..und noch ein Mindestlohn

“Gewerkschaften wollen angeblich Mindestlohn für Bahn-Mitarbeiter”, titelte die Agentur ddp am Mittwoch in ungewohnter Unbestimmtheit. Vielleicht hielt man die Idee für so abwegig, dass man der Meldung in der FAZ keinen rechten Glauben schenken wollte. Kann ich verstehen. Wie es aussieht, ist es aber doch keine Ente: die Gewerkschaft Transnet bestätigt, dass es eine entsprechende Forderung gibt. Man will eine Aufnahme ins Entsendegesetz beantragen.

Kritik an dem Vorhaben wird von Transnet mit dem Argument abgebügelt, dass es ja 320 Eisenbahnunternehmen gebe und somit der Wettbewerb gesichert sei. Das ist ja wirklich ein ganz toller Wettbewerb, liebe Transnet, in dem die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben im Personenverkehr einen Marktanteil von 96 Prozent und im Güterverkehr von 84 Prozent hat. Das nennt man wohl eher ein Quasi-Monopol. In dem gleichen Wikipedia-Artikel kann man sich auch gleich noch über die Wirkungen informieren.

Viel plausibler als die wacklige These vom funktionierenden Wettbewerb ist die Vermutung, dass nach der Post auch die Bahn auf die Idee kommt, per Mindestlohn unerwünschte Konkurrenten schon im Vorfeld aus dem Rennen zu werfen. Dass eine Entsendeproblematik existiert, kann wohl nicht einmal eine Gewerkschaft wie Transnet ernsthaft behaupten. Ich habe jedenfalls noch nie von osteuropäischen Eisenbahnunternehmen gehört, die mit Hilfe von Dumpinglöhnen den deutschen Markt aufrollen.

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