Robin Laumann

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann hat eine neue Gruppe Arbeitnehmer gefunden, die er mit Regulierungen beglücken möchte: die Zeitarbeitnehmer. Diese müssten die ganze “Wucht der Flexibilisierung” aushalten. Und es könne ja nicht sein - so Laumann - dass hier mehrere Arbeitgeberverbände mit unterschiedlichen Gewerkschaften Tarifverträge schließen. Durch den Tarifzwang sei die Entlohnung schlechter geworden. Irgendwie müsse man doch was tun, er weiß nur noch nicht so genau, was.

Nun ist nicht ganz klar, was mit “Wucht der Flexibilisierung” gemeint sein könnte. Wenn er meint, es gebe einen verstärkten Trend zur Flexibilisierung, dann dürften die Zeitarbeitnehmer davon ja überdurchschnittlich profitieren, da ihre Erwerbsform flexibler ist als andere. Wenn er meint, dass diese Flexibilität die Zeitarbeitnehmer besonders belaste, dann müsste man genauer fragen, worin diese Belastung besteht. Sie könnte z.B. darin bestehen, dass im Zuge der Krise bislang rund 30 Prozent der Zeitarbeitnehmer ihren Job verloren haben. Dann wäre aber zu fragen, ob dies tatsächlich daran lag, dass es sich um Zeitarbeitnehmer handelt. Oder ob die große Fluktuation nicht auch damit zusammenhängt, dass die Branche weit überdurchschnittlich viele Hilfsarbeiter beschäftigt - die mangels Humankapital auch in anderen Branchen oft als erste gehen müssten, sofern sie dort überhaupt eine Beschäftigung finden.

Richtig ist, dass es in der Zeitarbeit einen faktischen Tarifzwang gibt. Denn in dem Fall, in dem keine Tarifverträge angewendet werden, gilt das “equal-pay”-Prinzip: der Zeitarbeitnehmer muss die gleiche Entlohnung wie Arbeitnehmer der Stammbelegschaft erhalten. Aber warum sollte aus einem faktischen Kontrahierungszwang der Arbeitgeber ein Lohndruck entstehen? Man würde eher das Gegenteil erwarten. Weil die Arbeitgeber abschließen müssen, sind sie auch bereit, hohe Lohnforderungen zu akzeptieren.

Dass es in der Zeitarbeit so nicht gekommen ist, liegt nicht zuletzt an der Konkurrenz durch verschiedene Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften. Das gefällt nicht Jedem. Dem lupenreinen Demokraten Laumann stößt anscheinend auf, dass der DGB kein Monopol auf gewerkschaftliche Vertretung hat. Dass eine andere Gewerkschaft dann auch noch Tarifverträge mit (leicht) niedrigeren Tarifen abschließt, ist “ein großes Ärgernis”.

Aber so ist das nunmal. Tarifautonomie heißt eben nicht, dass ein Minister Laumann vorgibt, was er für gerecht hält und eine DGB-Einheitsgewerkschaft das dann durchsetzt.

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