Ein totes Pferd

.. wird von dem DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach unverdrossen weiter geritten: 1,3 Millionen Menschen seien zusätzlich auf Arbeitslosengeld II angewiesen, weil die Löhne nicht zum Leben reichen. Deshalb seien Mindeslöhne notwendig, “von denen man leben kann”. Was sich die Gewerkschaft darunter vorstellt, kann man hier erfahren.

Nun trifft zu, dass von den rund 4,9 Millionen Empfängern von Arbeitslosengeld II 1,3 Millionen erwerbstätig sind. Aber das Bild der Gewerkschaften, demzufolge es sich bei diesen Personen um ausgebeutete Akkordlöhner handele, die sich trotz 60 Wochenstunden Knochenarbeit nur trocken Brot und Wasser leisten können, ist so schief dass es kippt. Der Regelfall ist keineswegs, dass Arbeitnehmer ihren kargen Lohn mit ALG II aufstocken lassen müssen. Der Regelfall ist vielmehr, dass sich ALGII-Empfänger in geringem Umfang zu ihrer Stütze etwas hinzuverdienen.

Wer will, findet so etwas schnell anhand der Statistiken der Bundesagentur für Arbeit heraus. Von den 1,3 Millionen erwerbstätigen ALGII-Empfängern machen 771.000 - also mehr als die Hälfte - nur einen Mini-Job. Das liegt an den Fehlanreizen, die der Gesetzgeber festgelegt hat. Die ersten 100 Euro Erwerbseinkommen werden gar nicht auf den ALGII-Anspruch angerechnet, darüber hinaus gehendes Einkommen bis 800 Euro brutto aber zu 80 Prozent, darüber hinaus sogar zu 90 Prozent.

Im Ergebnis lohnt sich ein Mini-Job, aber eine Vollzeitbeschäftigung zahlt sich kaum aus. Wer 7 Euro Stundenlohn verdient, kommt als Alleinstehender mit 13 Wochenstunden und ergänzendem ALGII auf rund 850 Euro verfügbares Einkommen im Monat. Wer 39 Stunden arbeitet, erzielt (ohne Anspruch auf ergänzendes ALGII) 970 Euro. Ganze 120 Euro Mehrverdienst für 113 Stunden Mehrarbeit - keine sonderlich attraktive Aussicht. Incentives matter.

4 Kommentare zu “Ein totes Pferd”

  1. Rayson sagt:

    Soweit mir bekannt ist, handelt es sich bei einem großen Teil derer, die trotz Vollzeitjob noch ALG II beziehen, um Arbeitnehmer, die viele Kinder haben, was dann eher ein Hinweis auf die umfangreiche soziale Unterstützung großer Familien als auf zu geringe Löhne ist.

  2. Holger sagt:

    Das ist korrekt. Von den ca. 300.000, die trotz Vollzeitbeschäftigung ergänzend ALG II beziehen, leben die meisten in größeren Haushalten. In so einer Konstellation kann selbst bei recht hohen Löhnen noch ein Anspruch auf ergänzendes ALGII vorliegen. Ein Verheirateter hat selbst bei 11 Euro Stundenlohn und Vollzeit noch einen (allerdings kleinen) Restanspruch. Umgekehrt heißt das, dass die Notwendigkeit des Aufstockens in diesen Fällen nicht zwingend an (zu) geringen Löhnen liegt. Alleinstehende, die Vollzeit arbeiten und ergänzend ALGII beziehen, gibt es nur ein paar 10.000. Selbst wenn es 100.000 wären, entspräche dies gerade einmal 0,3 Prozent der Erwerbstätigen.

  3. Rudi sagt:

    Man fragt sich, ob die Gewerkschaften eigentlich schon mitbekommen haben, dass (OB?) es eine sog. Wirtschaftskrise gibt/gab….. Übrigens bezieht sich diese Frage auch auf die Menschen im Europäischen Parlament, welche eine Gehaltserhöhung herbei zwingen wollen! Hier geht es ja quasi auch um Mindestlöhne, welche sich an den erzielten Löhnen/Gehältern der übrigen Beamten messen lassen will. Tatsache ist, dass man an den Einkaufs-Kassen eben nicht einen MINDESTPREIS erzwingen kann und hier ist wohl dann auch der Hund begraben…. Vielleicht kümmern sich Gewerkschaften in Zukunft eben um eine soziale Geldpolitik, welche JEDEN Menschen am Produkt seiner Arbeit Teil haben lassen! Das schnöde und immer wieder kehrende Beharren auf Mindestlöhnen und Lohnerhöhungen jedenfalls ist langweilig und einfallslos!!!! Baustellen gibt es genug, aber solche Institutionen wie die Gewerkschaften haben es sich in den vergangen Jahrzehnten einfach zu bequem eingerichtet auf ihren Sesseln, welche kaum von Krisen unsicher geworden sind. Gewerkschaftler sitzen in Aufsichtsräten, unkündbaren Betriebsratsjobs und verdienen dabei nicht schlecht - MINDESTENS aber einen Mindestlohn…!!! Wobei man dann wieder dabei wäre, WER eigentlich Schuld an allem ist??? Eine Mitschuld tragen z. B. alle die, welche in zig Fons Abermilliarden Euro zusammen sammeln, um hier und dort ein paar Zinsen zu ergattern. Die Pleitiers unserer Welt zehren von diesen Fons und alle Menschen wundern sich darüber, dass dem so entstandenen Kapitalismus noch der Boden genährt wird und ein Erwachen aus dem Wirtschaftskrisen nicht statt findet! Im Gegenteil: Boni werden gerade wieder erhöht. Dass aus solchem Verhalten allerdings die Rufe nach Mindestlöhnen laut wird, ist wiederum nicht verwunderlich! Aber eben wie gesagt so einfalls- wie hilflos. Wacht auf, liebe Gewerkschaftler, denn im Rampenlicht dieser Gesellschaft gebt ihr neben unser aller Volksvertreter ein ebenso trauriges, wie überflüssiges Bild ab…!!! ;-)

  4. Karie sagt:

    Ich frage mich wer von Euch die Kosten ffcr die Verzf6gerung fcbernimmt?Denn wen ich als otto normal Bfcrger etwas anefchte muss ich auch die Kosten fcbernehmen aber alle. Und noch eine Frage wer fechtet eine Abstimmung fcber Die4tenerhf6hung an? Da ja alle Stadtratsabgeordneten in so einen Falle als befangen gelten ,sie stimmen fcber Ihr eigenes Gehalt ab! Die zwei Abgeordneten sind frei gewe4hlte Stadtre4te in Chemnitz! Wenn die Ratssitzung nicht nach aussen fcbertragen wurde he4tte ich den Sitzungssaal mal sehen wollen wenn so ein grodfes Interresse besteht.Aue oder Dresden das sind andere Ste4dte die sich nicht gegen diese Sportart stellen, aber das zeigt mir wieder das die Politik nur eine Plattform ffcr Schmierenteather mit Geld verdienen ist und weil Ihre Partei in Berlin so einen grodfen Erfolg hatte ist schf6n aber Chemnitz ist nicht Berlin! Auf jeden Fall haben Sie schon viele Fudfballanhe4nger vergrault.Wenn ich die Beitre4ge auf dieser Seite Lese dann sind Sie sich in Ihrer Partei noch nicht Mal einig.Wenn es noch geht wfcrde ich Ihnen Raten die Anfechtung zurfcck zuziehen. Es ist immer schf6n mit solchen Schlagwf6rten umzugehen wie Kita-gebfchrenerhf6hung ,aber das kommt doch trotzdem ich wfcrde lieber die Die4ten senken oder???Und noch eins von Bedrohung Halte ich gar nichts das ffchrt nicht zum Ziel. Ich sage nur Viel Spadf bei der ne4chten Wahl , ich fcberlege ob ich nicht gehe oder Rechts we4hle und so denken viele!!

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