Zeitarbeit ist nicht gleich befristete Beschäftigung

Dass Zeitarbeit etwas grundsätzlich anderes ist als befristete Beschäftigung, ist vielen nicht bekannt. Wie sollte es auch, wenn es nicht einmal Journalisten auf die Reihe kriegen. Welches Maß an Rechercheaversion man als Journalist an den Tag legen kann, wenn man nur ein politisch erwünschtes Ergebnis verbreiten will, demonstrieren eindruckvoll Markus Sievers und Jutta Maier von der “Frankfurter Rundschau”.

Sie behaupten, die OECD hätte ermittelt, dass der Kündigungsschutz für reguläre Beschäftigung in Deutschland vergleichsweise hoch sei, der für Zeitarbeitnehmer dagegen vergleichsweise niedrig. “Zeitarbeit - ein deutsches Drama”, folgert das Linksblättchen daraus.

Jeder, der sich mit Arbeitsmarktinstitutionen nur etwas auskennt, wird sogleich stutzig. Zeitarbeit oder Arbeitnehmerüberlassung bedeutet, dass ein Zeitarbeitsunternehmen seine Arbeitnehmer an Kundenunternehmen überlässt. Sie bleiben aber Angestellte des Zeitarbeitsunternehmens, dass die vollen Arbeitgeberpflichten übernimmt. Das kann jeder, der will, bei Wikipedia oder anderswo leicht herausfinden.

Das Zeitarbeitsunternehmen unterliegt in gleichem Maße wie Unternehmen anderer Branchen dem Kündigungsschutzgesetz oder dem Teilzeit- und Befristungsgesetz. Es gibt keine Sonderregeln für die Zeitarbeit. Das heißt, das Kündigungsschutzniveau der Zeitarbeitnehmer kann gar nicht schlechter sein als das von anderen Arbeitnehmern.

Ein Blick auf die Grafik, die den Artikel begleitet macht auch schnell deutlich, welchem Irrtum man aufgesessen ist. Die FR-Schreiberlinge haben Zeitarbeit und befristete Beschäftigung kurzerhand in einen Topf geworfen. Tatsächlich sind die meisten Zeitarbeitnehmer unbefristet beschäftigt. Auch dies ließe sich - wenn man denn will - leicht herausfinden. Wenn man allerdings einen Artikel schreiben will, in dem die Zeitarbeit möglichst schlecht wegkommt, dann braucht man sich auch gar nicht erst auf die Suche nach Informationen machen. Mit Journalismus hat das allerdings nicht mehr viel zu tun.

9 Kommentare zu “Zeitarbeit ist nicht gleich befristete Beschäftigung”

  1. Rudi sagt:

    Klar, Zeitarbeiter haben EINEN Arbeitgeber, es ist der ‘Überlasser’, aber das Problem ist denn doch die soziale Entwicklung, welche sich mit Sicht auf die Firmen, die sich mit Leiharbeit ihrer uralten sozialen Pflichten entziehen, verbreitern! Dabei war es schon immer so, dass sich solche Firmen (auch mit schwarz geschriebenen Zahlen!) gute Leiharbeiter immer wieder in ihr Unternehmen geholt haben und so schon vorher gegen Gesetze verstossen haben, indem sie einfach für eine Woche auf die Weiterbeschäftigung ‘verzichtet’ haben, um den gleichen Beschäftigten später wieder für ein halbes Jahr am gleichen Arbeitsplatz weiter zu beschäftigen!
    DIESE Gesetzeslücke hat man eben nun geschlossen, indem man die Befristung der Beschäftigung gänzlich aufhob! KEIN kluger, aber sozial unausgewogener Schachzug….. Man hat die Verantwortung nur jemand anderem übergeben und beim Zeitarbeitsunternehmen hat man eben DOCH die schlechteren Karten, wenn man die betriebsbedingte Kündigung erhält! SICHER; das wird in einem solchen Artikel wohl übersehen, dass man insofern den vollen Kündigungsschutz hat, aber die Problematik bleibt: Es werden eben NICHT Arbeitsspitzen mit Leiharbeit aufgefangen, sondern Stammbelegschaft auf ein Minimum reduziert! Vielleicht meinten ja DAS die von Ihnen beschriebenen Schreiberlinge…
    Jedenfalls hat man seitens der Firmen so das gewünschte Ergebnis, den Kündigungsschutz weiter zu lockern. Hire and Fire in VOLLEM Umfang!!! Und das gänzlich ohne Aufschrei der Gewerkschaften, die gegen eine solche Politik nichts ausrichten können!!! Ich bin Gewerkschaften gegenüber sehr skeptisch, da sie mir zu einseitig, einfach und eben nur dann am lautesten zu hören sind, wenn Tarifverträge gerade auslaufen, aber eine Waffengleichheit ist so kaum noch gegeben!
    Vielleicht sind die ja deswegen stets so aggressiv bei den neuerlichen Lohnforderungen trotz leerer Kassen…???
    Naja, war ein Versuch von mir, in den Artikel der Frankfurter Rundschau etwas Licht zu bringen :-) Ich bin übrigens KEIN Leser dieser Gazette! Und LINKS bin ich auch nicht! Nur gegen Gesetzesänderung durch die Hintertür bin ich allergisch! Das lässt sich bei mir vielleicht mit Sozialromantik beschreiben ;-) Schlechte Recherche ist aber auch nicht meins….. Und (nur) deswegen stimme ich Ihrer Kritik natürlich uneingeschränkt zu!

  2. Holger sagt:

    Linke sind in diesem Blog genauso willkommen wie Liberale und Rechte. Nur Rechtsextremes wird gelöscht.

    Aber zur Sache: Gegenwärtig gibt es rund 600.000 Zeitarbeitnehmer. Das sind 1,5 Prozent der Erwerbstätigen insgesamt. Angesichts dieser Dimensionen wäre es wohl übertrieben zu sagen, dass Unternehmen in großem Maßstab ihre Stammbelegschaften durch Zeitarbeit ersetzen. Im Grunde wertet man mit dieser Argumentation die Stammbelegschaften ab, denn man stellt ja die These in den Raum, dass sich langjährige, eingearbeitete und erfahrere Mitarbeiter ohne weiteres durch Zeitarbeitskräfte ersetzen ließen.

    Zeitarbeit ist meines Erachtens nicht mit “Hire and Fire” gleichzusetzen. Das Kundenunternehmen erwirbt zwar zusätzliche Flexibilität beim Faktoreinsatz, dies geht aber nicht auf Kosten der Arbeitnehmer, sondern auf Kosten der Zeitarbeitsunternehmen. Denn die Arbeitnehmer haben ja den gleichen Kündigungsschutz beim Zeitarbeitsunternehmen. Wenn man der Meinung ist, dass die Mitbestimmung oder die Löhne in den Zeitarbeitsunternehmen ungenügend sind, dann wäre es die ureigenste Aufgabe der Gewerkschaften, in diesen Unternehmen für Besserung zu sorgen, statt zu versuchen, diese Beschäftigungsform gesetzlich einzuschränken.

  3. Rudi sagt:

    Tja, aber wer die Frankfurter Rundschau als ‘Linksblättchen’ bezeichnet, dem darf ich unverholen äussern, dass ich eben nicht links bin…:-) In diesem Sinne möchte ich mich, der ich mich eher als Politatheisten bezeichne, von Ihnen eigentlich auch nur ungerne ‘belehren’ lassen, wer in Ihrem Forum das Wort haben darf und wer nicht… Mein Posting zu löschen, bleibt Ihnen dabei selbstredent unbenommen.
    Trotzdem kann ich aber den Grundgedanken der von Ihnen bezeichneten Schreiberlinge durchaus folgen! -Schlecker’ hat es vor gemacht und in DIESEM Sinne hat Zeitarbeit seinen Zweck verfehlt! Wir reden hier doch nur darüber, dass man den (hoffentlich) voraus eilenden Gedanken der Frankfurter Rundschau auf die Beine helfen muss. Und: Abwertung der Stammbelegschaft findet natürlich nicht statt, sondern wenn es ums Geld geht, ist nicht nur in diesem Sinne JEDER ersetzbar! Ausserdem sollte man m.E. die Zeitarbeit viel höher bewerten, denn dort sollten doch ABSOLUTE Spitzenleute ihren Dienst tun, die jederzeit an jedem Ort äusserst flexibel eingesetzt werden können. Tatsache aber ist, dass das nicht die tägliche Praxis ist! Es werden im gewerblichen Bereich z.B. Leute für die übelsten Arbeiten eingesetzt. Aus eigener Erfahrung darf ich hier nur von acht Stunden Kartons zusammen falten, oder Gasflaschen zuende lackieren, nachdem sie eine nicht perfekte Lackiermaschine durchlaufen sind, sprechen…….. Gerne wird man auch ‘mal zum Entladen von 40-Fusscontainern heran gezogen -alles mit der Hand- versteht sich, oder man bepackt Kartons mit Waren für den Export. Nicht falsch verstehen, aber DAS sind keine Arbeiten, mit denen man einen Leiharbeiter an den ersten Arbeitsmarkt bringt. Es ist nämlich wohl von den aller wenigsten unbedingt gewünscht, leih-zu-arbeiten, sondern sie bekommen sonst keine andere Festanstellung…!!! Das wird so forciert und die Löhne sind nicht selten sittenwidrig. Heute kann ich noch stolz darauf sein, auch ‘mal in diesen Arbeitsmarkt geschaut zu haben, aber wenn ich intensiver an die Zeit denke, wird mir regelmässig schlecht. Und wie soll das mit dem Grundgedanken der entleihenden Firmen überein stimmen, dass die Löhne der Leiharbeiter, oder die Mitbestimmung durch Gewerkschaften verbessert werden sollen; müsste dann nicht die Arbeitsstunde REGELMÄSSIG weit höher bezahlt sein, als die der Stammbelegschaft, denn die Zeitarbeitsfirma will ja auch verdienen…???!!! Allein aus diesem Grunde steht wohl so einiges dagegen, (heutige) Zeitarbeit zu bejubeln! Soll mir einer beweisen, dass Zeitarbeit teurer ist, als FEST ANGESTELLTE Mitarbeiter…… Und soll mir jemand sagen, dass es in Zeiten der Wirtschaftskrise 600.000 Zeitarbeiter bedarf, um Arbeitsspitzen ab zu bauen….. Ich sage schon jetzt: Jeder Versuch, das zu erklären, könnte von mir wohl mit beissender Häme verspottet werden :-)
    Zeitarbeit in der heutigen Form und der heutigen global-wirtschaftlichen Entwicklung ist und bleibt (vermeintlich freiwillige) Sklaverei. Und es stimmt mich schon sehr nachdenklich, dass ‘Leiharbeit’, oder die Mitarbeiterüberlassung (…wohl aus gutem Grunde…) bis Anfang der Neunzehnhundert-Siebziger in Deutschland VERBOTEN war……. In diesem Sinne wiederum habe ich die Frankfurter Rundschau, oder den Bericht der OECD sehr wohl verstanden. Nur trauen sich die dort Verantwortlichen wohl nicht, Tacheles zu reden…;-)
    Liebe Grüsse
    Rudi

  4. Holger sagt:

    Ich will ganz sicher niemanden belehren, wer welcher politischen Richtung angehört oder auch nicht, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich wollte lediglich deutlich machen, dass es mir um die Sache geht und die politische Richtung dabei egal ist.

    Zeitarbeitnehmer werden nach Tarif bezahlt. Für die überwiegende Anzahl der Zeitarbeitnehmer gelten Tarifverträge, die DGB-Gewerkschaften ausgehandelt haben. Der Tariflohn in der niedrigsten Tarifgruppe für Ungelernte beträgt rund 7 Euro. Das ist zwar weniger, als ein direkt in der Metallindustrie angestellter Hilfsarbeiter verdient, aber mehr als in vielen anderen Dienstleistungsbranchen. Das Kundenunternehmen bezahlt an das Zeitarbeitsunternehmen weit mehr als die 7 Euro. Denn das Zeitarbeitsunternehmen muss ja auch für seine Dienstleistung der bedarfsgerechten Bereitstellung von Personal entlohnt werden. Zudem muss es den Lohn des Zeitarbeitnehmers auch dann zahlen, wenn dieser nicht überlassen ist.

    Ich halte Zeitarbeit nicht für Sklaverei, sondern für eine Möglichkeit, überhaupt Arbeitsplätze für Geringqualifizierte anbieten zu können. Aber man muss ja auch nicht immer gleicher Meinung sein ;-)

  5. Sven sagt:

    Wenn man sich ansieht wie schnell die Geschäftsführer / Gründer von Zeitarbeitsfirmen zu Millionären aufgestiegen sind, drängt sich schon der Gedanke von Sklaverei auf. Eigentlich gehört es - zumindestens meiner Meinung nach - in das Aufgabengebiet der Arbeitsagentur (oder einem seiner jährlich wechselnden Namen) Arbeitslose zu vermitteln - und wenn auch nur für wenige Tage und nicht in die Hand von Agenturen.

    Letztendlich - Arbeitsplätze für Geringqualifizierte entstehen dann, wenn entsprechende Entlohnung und Kündigungsmöglichkeiten bestehen. Letzteres funktioniert bestens über die Zeitarbeit und nur deshalb wird es genutzt.

    Wozu Zeitarbeit führt sieht man bestens auch im journalistischen Bereich :p Unter Menge X von Zeit muss eine Menge Y an Wörtern getippt werden. Qualität in den Artikeln findet man daher selten. Beispielslos ganz vorne dabei ist auch die Welt, die zu jedem Thema 3 Meinungen hat, die innerhalb einer Woche veröffentlicht werden.

  6. Rudi sagt:

    Hallo Holger!
    Nun sind mir wohl die Gedanken voraus geeilt… Mimose, die ich nunmal auch sein kann, habe ich mich doch wirklich ‘angemacht’ gefühlt:-)

    Über die Zeitarbeit liesse sich hier wohl noch viel mehr sagen, aber das Thema war ja auch schlechte Recherche!
    Zeitarbeit ist ein wichtiges Instrument in der Arbeitswelt, wenn es denn nur richtig ‘gespielt’ werden würde! So kommen leider nur schräge Töne heraus und bei allem Missbrauch hängt dieser Arbeitsbeschaffungsmassnahme eben ein fäkaler Geruch an ;-)
    Also: nichts für Ungut - GUT aber ist ein solches Forum schon, da sogar ich :-) dazu lernen kann liebe Grüsse an Sie und schönen Sonntag noch

  7. Holger sagt:

    @Sven: Zeitarbeit ist ja nicht allein eine Form der Arbeitsvermittlung. Vielmehr übernimmt das Zeitarbeitsunternehmen die vollen Arbeitgeberpflichten. Es gibt nunmal Situationen, wo ein Betrieb für eine Woche 10 Helfer braucht. Die kann er ja deswegen nicht unbefristet einstellen, wenn er nach dieser Woche keine Verwendung mehr für sie hat. Da ist die Zeitarbeit ein gutes Instrument, da das Zeitarbeitsunternehmen dieses Personal bereitstellen kann.

    @Rudi: Es liegt mir fern, jemanden anzumachen. Schon gar nicht meine Leser. Es ist wohl auch einzuräumen, dass Zeitarbeit mitunter zu Zwecken verwendet wird, die so nicht vorgesehen waren - Du siehst, auch ich lerne dazu ;-)

  8. iGZ e.V. präsentiert von ZEITARBEITtransparent.de | ZEITARBEITtransparent.de sagt:

    […] Zeitarbeit ist nicht gleich befristete Beschäftigung | Neues aus … […]

  9. Politischandersdenkender sagt:

    Es ist allgemein bekannt das man in solchen Zeitarbeitsfirmen fast nur ausgenutzt wird. Im Fernsehen wurde über so etwas auch schon sehr häufig berichtet. Zwar hat so eine Firma vielleicht in der Nähe seinen Sitz, jedoch die schicken einen dann zu irgendwelchen Unternehmen die sich am Arsch der Welt befinden, egal ob man einen Führerschein hat oder nicht, genau wie es diesen Leuten auch egal ist ob die Arbeitsstelle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist oder nicht, wie etwa zur Nachtschicht, wo bekanntlich fast nie ein Bus fährt. Obendrein verdient man dort vielleicht nur die Hälfte wie die normalen Mitarbeiter für die gleiche Arbeit. Außerdem werden festeingestellte Kollegen zunehmend durch solche Billigkräfte verdrängt. Solche faulen Beamten vom Arbeitsamt würden so einen Arbeit selber niemals machen, (schon gar nicht in der Nacht) obwohl die einen zwingen so einen Mist anzunehmen um selber einen Erfolg bei der Vermittlung zu haben. Man hört zwar vom Hörensagen das es auch Leute gibt die damit glücklich sein sollen aber im Bekanntenkreis waren alle, die so etwas ausprobiert haben, massiv unzufrieden. Da braucht man sich nicht zu wundern wenn immer mehr Leute Demokratie ablehnen. So ähnlich haben sich jedenfalls Freunde geäußert die gezwungen wurden so eine Stelle anzunehmen.

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