Befristungen, wohin man sieht

.. so jedenfalls ist der Eindruck, den man aus der Lektüre der Titelseite der “Süddeutschen Zeitung” mitnimmt (leider nur in der Printausgabe, Zusammenfassung hier). Da wird unter Berufung auf eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes behauptet, dass die Zahl der Arbeitnehmer mit Zeitverträge im Vergleich zu 1991 deutlich zugenommen habe. Doch vielleicht hätte man den Artikel des Bundesamtes mal etwas genauer lesen sollen. Wer sich die Mühe macht, findet nämlich schnell heraus, dass die aktuellen Daten mit denen aus dem Jahr 1991 gar nicht vergleichbar sind. Warum ist das so?

Grundlage der Daten zur befristeten Beschäftigung ist der Mikrozensus, eine Befragung von einem Prozent aller bundesdeutschen Haushalte, die vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird. Bis zum Jahr 2004 wurde diese Befragung einmal jährlich im Frühjahr durchgeführt. Im Jahr 2005 wurde die Erfassungsweise jedoch umgestellt. Nunmehr wird die Befragung über das ganze Jahr verteilt und ein Jahresdurchschnitt errechnet.

Die Umstellung hatte einen dramatischen Effekt auf die Erfassung befristeter Beschäftigung. Da Zeitverträge in starkem Maße saisonal auftreten - etwa in Form von Arbeitnehmern beim Ernteeinsatz im Herbst oder in der Gastwirtschaft im Sommer - wurde bis 2004 ein Teil der Befristungen gar nicht erfasst, da nur die Berichtswoche im Mai ausschlaggebend war. Ab 2005 konnten demgegenüber auch Befristungen erfasst werden, die im Juli oder im Oktober stattfanden.

In der Folge der Umstellung der Erfassungsmethode stieg die Zahl der Befristungen stark an, nämlich von 2,5 Millionen im Jahr 2004 auf 3,1 Millionen im Jahr 2005. Die Befristungsquote stieg von 8,3 auf 10,1 Prozent. Der größte Teil dieses Anstiegs war jedoch nichts weiter als ein statistisches Artefakt. Insofern ist es auch unsinnig, Daten von 1991 mit denen von 2008 zu vergleichen. Würde man nur die zeitliche Entwicklung in den Phasen 1991 bis 2004 und 2005 bis 2008 betrachten, ergäbe sich allenfalls ein moderater Anstieg der Befristungsquote. Weitgehende Stabilität der Befristungsneigung zeigt sich auch, wenn man andere Datenquellen wie das Sozio-ökonomische Panel zu Rate zieht.

Ein Kommentar zu “Befristungen, wohin man sieht”

  1. hans im glück sagt:

    Lieber Gott! Vielen Dank für diese Umstellung! Ich wusste doch, dass Zeitarbeit und Befristungen in der letzten Zeit abgenommen haben. War doch eh klar!

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