Ein Drama in 4 Akten (mit Epilog)

1. Akt
Es begab sich in unserer schönen kleinen Stadt, dass der Geschäftsführer einer Immobilienfirma seinen Job verlor. Aber da er immer fleißig in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatte, musste er nicht darben - denn er hatte einen Ansspruch auf Arbeitslosengeld erworben.

2. Akt
Nun lag die ehemalige Firma des ehemaligen Geschäftsführers auf der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West. Das spielt für die Sozialversicherung eine Rolle, da sich die Beitragsbemessungsgrenze unterscheidet. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Erwerbseinkommen im Osten unter denen im Westen liegen. Entscheidend für die Zuordnung zu Ost oder West ist die Postanschrift. Die war im besagten Fall in der Ebertstr. im Bezirk Mitte im ehemaligen Osten. Somit galt die Bemessungsgrenze Ost, auch wenn ein großer Teil des Grundstücks der Firma im Bezirk Tiergarten, also im Westen lag.

3. Akt
Die Zuordnung zum Osten hat zur Folge, dass der Geschäftsführer, der offenkundig recht gut verdiente, den Ost-Höchstsatz des Arbeitslosengeldes erhielt. Im konkreten Fall ergäbe sich ein Höchstbetrag von 1.552 Euro im Monat. Der West-Höchstbetrag liegt hingegen bei 1.740 Euro (jeweils für unverheiratete Arbeitslose ohne Kinder). Da fühlte sich der Geschäftsführer bitterlich benachteiligt und klagte vor Gericht - und verlor.

4. Akt
Und das völlig zu Recht. Denn was in der ganzen Berichterstattung nicht erwähnt wird: Er bekommt zwar nur den niedrigeren Ost-Höchstsatz beim Arbeitslosengeld, hat aber auch in all den Jahren zuvor immer nur den Ost-Höchst-Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung gezahlt (worüber er sich scheinbar nie gewundert oder beschwert hat). Aufgrund der niedrigeren Bemessungsgrenze sind im Osten maximal 130,20 Euro monatlich nach Nürnberg zu zahlen, während es im Westen maximal 154 Euro sind. Weniger Beitrag - weniger Leistung. Das nennt man Leistungsäquivalenz und hat mit einer Benachteiligung des Ostens nicht die Bohne zu tun.

Epilog
Es gibt immer einen, der bis zum Schluss darauf beharrt, dass die Titanic unsinkbar ist. Der Preis geht diesmal [Tusch] an die Gewerkschaft verdi, deren Leiterin Sozialpolitik, Judith Kerschbaumer sich empörte: “20 Jahre nach der Einheit muss mal Schluss sein”. Wie recht sie doch hat.

Ein Kommentar zu “Ein Drama in 4 Akten (mit Epilog)”

  1. DerSP sagt:

    Verdi spart uebrigens auch ganz gehoerig, weil sie ihr Zentrale nach Ostberlin gelegt haben.

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