Männer, Frauen, Singles und das Statistische Bundesamt

“Junge Frauen leben häufiger in Partnerschaften”, titelt unter anderem stern.de unter Berufung auf eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Das lässt aufhorchen - ist doch vom gleichen Amt errechnet worden, dass sich die Zahl junger Männer und Frauen in Deutschland nur geringfügig unterscheidet.

Es stellt sich somit die Frage, mit wem denn die jungen Frauen da in einer Partnerschaft leben, wenn es schon nicht die jungen Männer sind. Schön, es könnte ja sein dass junge Frauen ältere Männer bevorzugen. Doch auch hier klärt sich das Mysterium nicht, denn auch die Männer im mittleren Alter sind weitaus häufiger Singles als Frauen mittleren Alters. Nun wäre es noch möglich,

  • dass die Frauen mittleren Alters bevorzugt mit Männern im Greisenalter in Partnerschaften leben (glaube ich nicht),
  • die Frauen häufiger mit Frauen eine Partnerschaft bilden (glaube ich auch nicht),
  • oder viele Frauen glauben, in einer Partnerschaft zu leben, ihre vermeintlichen Partner das aber anders sehen (wer weiss).

Meine Vermutung ist aber eher, dass das Statische Bundesamt hier die Begriffe “Single” und “Alleinlebender”  durcheinanderwirft und die abschreibende Presse es nicht merkt. Die einzige sinnvolle Erklärung für den vermeintlichen Partnerschaftsüberschuss der Frauen ist, dass Alleinerziehende nicht als Singles klassifiziert wurden - auch wenn sie keinen Partner haben.

3 Kommentare zu “Männer, Frauen, Singles und das Statistische Bundesamt”

  1. Felix sagt:

    Wahrlich ein Mysterium. Aber wie wäre es mit diesem Ansatz: Junge Frauen richten sich vermehrt an die Männer mittleren Alters, während sich die Frauen mittleren Alters vermehrt an Männer im Greisenalter richten…? O.o Das würde wiederum heißen das Frauen im Alter dann wieder allein gelassen werden.

    Letztere Erklärung (Alleinerziehende) scheint mir aber dann doch am plausibelsten. Wie so etwas unkommentiert veröffentlicht werden kann frage ich mich aber trotzdem…

  2. Holger sagt:

    Vermutlich trifft es sogar zu, dass Frauen im Greisenalter überdurchschnittlich häufig Singles sind - was aber auch daran liegen könnte, dass Männer früher sterben.

  3. Bernhard Hamilton sagt:

    Tim Smith (University of Utah - Salt Lake City) untersucht die Interaktion zwischen Verheirateten, und insbesondere dabei die cardiovaskulären Krankheiten und deren Zusammenhänge mit psychosozialen Risikofakoren.
    Seine Befunde sind, dass die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten der bei Männern stark verbreiteten Koronarerkrankungen, Verkalkungen der Herzkranzgefäße, extrem ansteigt, wenn deren Ehe von psychologischen Risikofaktoren wie Dominanz und Kontrolle belastet wird – glücklicherweise ein eher seltenes Verhalten bei Frauen.

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