Supersize me, Hartz!

Weil die Bundesregierung bis zum Ende des Jahres das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hinsichtlich der Berechnung der Regelsätze für das Arbeitslosengeld II umsetzen muss, scharren alle Interessenvertreter bereits mit den Hufen. Obwohl das Gericht zur Höhe der Regelleistung gar keine Auflagen gemacht hat, macht sich eine Allianz aus Linken und Wohlfahrtsverbänden für eine spürbare Erhöhung der Sätze stark. Einzelne fordern bis zu 680 Euro monatlich.

Allerdings sagen die Wenigsten, wofür genau sie denn das Geld haben möchten. Eine löbliche Ausnahme ist ein gewisser Lutz Hausstein, der meint, dass der Mensch mindestens 685 Euro im Monat brauche - und auch akribisch auflistet, wofür. Das Papier ist eine schöne Illustration dafür, wie sehr die Anspruchshaltung Mancher ins Absurde abgleitet.

Allein die Auflistung dessen, was ein Arbeitslosengeld II-Empfänger an Nahrungsmitteln benötige, ist atemberaubend. Für unverzichtbar wird da unter anderem gehalten:

  • jeden Tag ein Brötchen;
  • monatlich 1 Kilo Orangen plus 5 Grapefruits plus 1 Kilo Bananen plus 1,2 Kilo Äpfel plus 0,75 Kilo Birnen, 1 Schale Erdbeeren und 450 Gramm Weintrauben;
  • monatlich 10 Joghurts, 750 Gramm Speiseeis, über 5 Kilo Käse (!), 2 Kilo Margarine;
  • täglich 2,5 Liter Mineralwasser, plus 250 ml Saft plus 0,5 Liter Bier plus 0,1 Liter Wein plus Kaffee und Tee. Der Hilfeempfänger wird schon allein deshalb keine Arbeit annehmen können, weil er den halben Tag auf dem Klo verbringt;
  • Schnaps und Zigaretten für 28 Euro im Monat usw.

Angesichts dieser gewaltigen Mengen muss man sich um die gesundheitliche Verfassung des Herrn Hausstein Sorgen machen. Denn der Brennwert der Nahrungsmittel, die angeblich den Mindestbedarf darstellen, summiert sich auf 113.000 kcal im Monat oder 3.630 kcal pro Tag! Zum Vergleich: Ein erwachsener Mann benötigt nicht mehr als 2.500 kcal täglich.

Und dann gibt es ja auch noch jene, die der Meinung sind dass man auch mit 132 Euro im Monat hinkommen könne. Angesichts dieser Spannbreiten liegt der Gesetzgeber mit seinen 359 Euro vielleicht doch gar nicht so schlecht.

11 Kommentare zu “Supersize me, Hartz!”

  1. Boris Eichler sagt:

    Ausgerechnet bei Verhütungsmitteln wird Herr Hausstein schwammig und legt eine Pauschale mit 14 € an. Nun wissen wir, dass er drei Mal monatlich 150g Erdbeeren zu verspeisen pflegt und täglich 20g Ketchup. Er nutzt 62 x monatlich die Zahnbürste und 31 x Mundwasser. Aber wie oft kann man mit einem Kondom-Etat von 14 € den Beischlaf vollziehen? Nun, stattet er sich bei “Dildo-King” zum Discount-Preis von 3,95 € für 100 Kondome aus, könnte er seine Partnerin oder seinen Partner etwa 10 x täglich bespaßen. Mit Markenkondomen 5x. Drei Mal davon reicht’s laut Zuteilung für die Zigarette danach.

  2. Holger sagt:

    Tja, interessante Frage. Entweder, der Autor ist sehr … nun ja.. aktiv - oder er hat eine Gummiallergie. Für die Pille sind Kosten von 14 Euro im Monat erreichbar, jedenfalls in der Luxusvariante. Mit einer 6-Monatspackung käme man allerdings auch mit 5.50 Euro hin.

  3. Rudi sagt:

    …was hier aber gänzlich vergessen wird ist: Käse in seiner, sagen wir ‘mal teureren Variante, kostet so um 150 Euro/5 Kilo! …und ich habe schon bei der günstigen Sorte angesetzt!!! Vielleicht möchte Herr Hausstein aber auch nur zum Abbau des Käseberges (vgl. Milchsee) in der Union beitragen und wir alle wissen gar nicht, welchen Gefallen er uns allen mit seinen Vorschlägen macht…:-)
    Für die sexuelle Bedürfnisse mögen denn nun doch die neuesten Errungenschaften unser aller Juristen beitragen, welche nämlich aussagen, dass das Sorgerecht neu (er-) gefunden wurde! Vielleicht stosse ich da aber schon wieder auf frühere Postings von mir; doch ich will ja auch nicht quängeln:-)
    EHRLICH gesagt habe ich gar keinen Überblick von meinem Konsum, was das Essen angeht, aber ich komme so, oder so NICHT auf eine solche Summe!!!!! Und das INKL. essen gehen…..
    Aber ich muss meine Wohnung und ‘all’ das Zeugs nebenbei’ ja auch selber bezahlen…….
    NEIN, ich jammere nicht, denn mein Einkommen resultiert von meinem Einsatz. Und in unserer Gesellschaft resultiert ALLES von dem Einsatz, den jemand bereit ist zu leisten. Wer nicht adhoc in der Lage ist, seinen Einsatz zu bringen, dem soll auch geholfen werden! Wem solch ein Geschwafel des Herrn Hausstein hilft, dem ist NICHT geholfen, sondern der ist zwischen aller Stühle gesetzt! Nämlich den Stühlen, welche von denen aufgestellt sind, die Leute gegeneinander aufbringen möchten, um vom eigenen Versagen abzulenken.
    In diesem Sinne
    Gruss Rudi

  4. Holger sagt:

    Nun, schon ein einfacher Ziegenfrischkäse kostet 53,80 Euro das Kilo. Und für einen leckeren Elchkäse muss man locker das 10-fache hinblättern. Und um die fast 170 Gramm Käse täglich zu verdauen, braucht man vermutlich große Mengen Spirituosen. Da ist das eine Gläschen Schnaps alle 2 Tage verdammt knapp kalkuliert.

  5. Maus sagt:

    Haustein belegt eindruecklich, wie wichtig und richtig Hartz IV ist: wer solche Speisemassen vertilgt und dann noch (oder nebenbei?) sein Kopulationskontingent auszuschoepfen sich bemueht, kann seinen Lebensunterhalt schon aus Zeitgruenden nicht mehr durch schlichtes Arbeiten erwirtschaften.

  6. Holger sagt:

    tja, zumal die ganzen Sachen ja auch noch eingekauft werden müssen. Da ist es dann schon wichtig zu betonen, dass

    Die Verwendung des fiktiven „homo oeconomicus“, welcher über eine vollständige, allumfassende Marktkenntnis verfügt und darüber hinaus in der Lage wäre, diese Kenntnisse durch den Kauf eines einzelnen Produktes am jeweilig preisgünstigsten Standort zu realisieren, ist absurd.

    und daher

    Derselbe Grund führte dazu, dass Sonderangebote keine Berücksichtigung finden können. Diese regelmäßig lokalen und temporär gültigen Ermäßigungen erlauben es einem Großteil der Hilfeempfänger nicht, auf diese zurückzugreifen.

    oder im Klartext: Wir kaufen nicht zu Billigstpreisen ein, denn das wäre zu aufwendig. Und überhaupt ist der Lidl-Billigplunder Keinem zuzumuten, denn:

    Mit einem Preis eines Produktes korrespondiert regelmäßig dessen Qualität und Nutzungsdauer sowie auch dessen wirtschaftliche und, bei elektrischen Geräten, energetische Effizienz.

  7. Richard sagt:

    Mag wohl sein dass die Rechnung überspitzt ist,
    gesellschaftlich halte ich es aber für bedenklich sich über
    Sozialhilfeempfänger und ihre bedürfnisse zu belustigen.

    Ich habe meine Partnerinn nun ein Paar monate unterstüzt da sie Aufstockerin war.

    Asozial ist es wenn man Arbeiten war und danach dann troz Arbeitslosengeld gerade mal auf Sozialhilfe niveau leben darf!

    Ich habe so um die 150 Euro monatlich aufgebracht und da iss dan kein Luxxus drinn! Essen kaufen etc und das nur damit sie sich nicht jeden Tag wie ein Mensch zweiter Klasse fühlen darf. Zum Glück hat sie jetzt wieder Arbeit!

    ach so neben bei, sicher gibt es irgendwo immer alles billiger, aber wie kommt man da hin wenn man Sozialhilfeempfänger ist ? klar man fäht mit seiner S-Klasse dem 5er den man sich dann noch leisten kann!

    Eure geistige Armut Kotzt mich an!

    sorgt lieber dafür das se kein Niedriglohnsegment mehr gibt und schafft die Zeitarbeit wieder ab!

  8. admin sagt:

    Hier macht sich keiner über Sozialhilfeempfänger lustig, sondern über die nicht überspitzten, sondern vollkommen überzogenen Ansprüche an eine Fürsorgeleistung, die von einigen formuliert werden. Dass man als Empfänger von ALGII nicht im Luxus lebt, ist völlig klar. Dafür ist das ALGII auch gar nicht gedacht, es handelt sich schließlich - man kann es gar nicht oft genug betonen - um eine Fürsorgeleistung.

    Warum man Sonderangebote vermeintlich nur dann wahrnehmen kann, wenn man in einer S-Klasse vorfährt, verstehe ich nicht. Man kann erstaunlich viele Wege zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

  9. Richard sagt:

    zugegeben, ich hab ja auch geschmunzelt :)

    aber mir ging es nicht um Sonderangebote, bist du mal zu fuß einkaufen gegangen? das sagt sich so leicht!

    Ich wollte nur mal zum Ausdruck bringen dass es auch ne andere Seite gibt, die aktuell nicht witzig ist.

    Solange man auf der Schkoladenseite des Lebens iss kann man über solche überspitzten forderungen beherzt lachen.

  10. Holger sagt:

    Ich gehe ausschließlich zu Fuß Einkaufen, wobei diese Frage natürlich auch von den Gegebenheiten vor Ort abhängt. Da die meisten Hilfeempfänger in Städten leben, sollte das zumindest für diese Gruppe kein Problem darstellen.

    Dass das Dasein als Hilfeempfänger in der Regel nicht besonders lustig ist, steht außer Frage. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb muss man eine überzogene Forderung auch als solche benennen dürfen. Das fällt ja nicht auf die Empfänger von Leistungen zurück, sondern auf denjenigen, der diese Forderungen stellt. Und wenn wir schon eine Diskussion um einen Warenkorb führen wollen, der das Existenzminimum definiert, dann muss man auch eine Diskussion um einzelne Posten aushalten. Wer etwas fordert, muss es auch begründen.

  11. Helmut sagt:

    Ich finde es einfahc erschreckend wie wenig man damit einkaufen kann. Klar kann man sich streiten ob die Leute nicht lieber arbeiten gehen können und ihre eigenen Brötchen verdienen. Aber ich finde es gibt zwei Sorten von Hartz 4..denn es gibt jene Faulen die nur zu Hause sitzen und einfach nichts tun und auhc nichts weiteres wollen und jene die meistens einen Unfall hatten oder lange nicht arbeiten gehen konnten und sich aber Bmühen in Sachen Bewerbungen etc.
    Gerade Dinge wie Tee oder Kaffee oder auch eine heiße Schokolade sollte jeder in den kalten Monaten trinken dürfen. :-)

Einen Kommentar verfassen