Preisverdächtig

Das lawblog hat auf einen Artikel des Portals “nordbayern” aufmerksam gemacht, der einem fast die Tränen in die Augen treibt. Da hört eine 47-jährige Würzburgerin auf einer Versammlung rechtradikale Hetzparolen und verständigt daraufhin die Polizei, die sich des Problems annimmt. Dafür erhält sie einen Preis des ZDF für ihre Zivilcourage: 10.000 Euro. Soweit, so gut.

Weil aber die Würzburgerin Empfängerin von Arbeitslosengeld II ist, werden ihr die Leistungen gestrichen. Das ist soweit konsequent. Wer Einnahmen hat, mit denen der Lebensunterhalt bestritten werden kann, hat keinen Anspruch mehr darauf, dass andere den Lebensunterhalt doppelt finanzieren. Wäre ja noch schöner. Im Falle der fränkischen Preisträgerin aber gerät das gleich zum Drama.

Mit dem Geldpreis wollte Caroline Maas ihrem Sohn und ihrer Tochter ein Studium ermöglichen. “Ich fühle mich wie jemand, dem man den Lorbeerkranz wegnimmt”, sagte sie.

Das ist nun wirklich schlimm. Besonders wenn man bedenkt, dass ihre Einnahmen aus dem Preisgeld zunächst lediglich den ALG II-Anspruch für einen Monat aufheben. Sollte danach noch etwas übrig sein, gälte der Restbetrag als Vermögen. Hier wiederum gibt es großzügige Freibeträge. Die 47-jährige würde auf ein Schonvermögen von insgesamt 11.650 Euro kommen, d.h. das Preisgeld bliebe voll erhalten. Hinzu käme ggf. Vermögen zur Altersvorsorge sowie selbst genutztes Wohneigentum. Der Preisträgerin wird somit nicht der Lorbeerkranz genommen, allenfalls wird ihre monatliche Lorbeerblattration einmal ausgesetzt.

4 Kommentare zu “Preisverdächtig”

  1. Muriel sagt:

    Ich finde schon den ersten Absatz ein bisschen bedenklich, aber die werden schon wissen, was sie mit unserem Geld machen…

  2. Rudi sagt:

    Seit geraumer Zeit frage ich mich, woher all’ die öffentlich rechtlichen Anstalten die Chuzpe nehmen, überhaupt auf Kosten aller Rundfunkzahler solche Preise aus zu loben…?

    Wenn man sich so die Debatten im Parlament anschaut, würden bestimmt jeden Tag Preise für die Meldung von volksverdummenden Parolen zu gewinnen sein!

    Nur, wer soll das bezahlen…?

    Die Frage ist also nicht, ob man Hartz IV ist und den …den Rand nicht voll bekommend… aufschreit, sondern dass Preise vergeben werden, die von den Gebührenzahlern vorher eingetrieben wurden!

    Wenn Rechtsradikale hier dereinst das Sagen haben werden, wird es andere Preise geben…………

    Ich hoffe nur nicht, dass DIE das besser machen werden und es weder ‘Meldestellen’ für ‘anti-Rechts-Parolen’ gibt, noch dass es dann Preise für Denunziationen ‘hagelt’……

    Darüber hinaus finde ich es stets bemerkenswert, dass sich Leute nicht einfach die Ohren zuhalten können, wenn sie all’ zu rechte Polemik vernehmen.

    An den DEUTLICH rechtsstaatlichen Wahlergebnissen kann es also nicht liegen, dass es in Deutschland wohl eine Art Allergie gegen jeden Menschen gibt, der seine Meinung äussert…….

    JA, eine Demokratie muss auch solche Verblendete ‘ertragen’!!!!

    Und es täte nicht nur einer sog. Integration gut, wenn die Menschen hier in Deutschland sich ihrer Verantwortung für ihr Land bewusst werden würden und ENDLICH klare Fakten für sich und alle anderen Menschen auf der Welt schaffen würden!!!!!!!!!

    Aber davor steht natürlich, keine Angst vor der eigenen Courage zu haben!

    Wenn ich den Artikel übrigens richtig gelesen habe, dann kommt dort m.E. ein gewisser Spot auf, der diese Frau über den ‘Gewinn’ dieser Zivilcourage-Verlosung nun ausgesetzt ist.

    Der Anlass sollte uns also nachdenklich machen und ihr den ‘Gewinn’ gönnen!!!!!

    Ich bezweifel denn auch, dass diese Frau überhaupt über Mittel verfügt, welche ihr die Ausschöpfung jeglicher Freibeträge erlaubt!

    Schönes Wochenende
    Rudi

  3. Thorsten sagt:

    Die ArGe scheint die Zahlung im Einklang mit dem BSG, nachdem alle Zuflüsse nach Antragstellung grundsätzlich Einkommen sind, in der Weise zu berücksichtigen, dass das Preisgeld durch die bisher erhaltenen Zahlungen geteilt wird und für die sich hieraus ergebene Anzahl von Monaten Leistungen versagt werden.

    Im Übrigen wäre bei einer 47jährigen der Grundfreibetrag 47 * 150, dazu kommen 750 EUR für Anschaffungen. Die Regelungen über Altersvorsorgevermögen und Wohneigentum helfen hier nicht.

  4. Holger sagt:

    Ja, so wie sich das in der Meldung liest, klingt es tatsächlich ein bisschen wie eine (vom Gebührenzahler finanzierte) Belohnung einer Denunziation - also eher ein unschöner Vorgang. Aber man weiß ja nicht, was sich da konkret abgespielt hat.

    @Thorsten: Die Durchführungshinweise des BMAS besagen eindeutig, dass eine Einnahme nur dem jeweiligen Monat zuzurechnen ist. Die können das nicht einfach strecken, als ob sie 5 Monate je 2.000 Euro bekommen würde. Das würde ich ggf. gerichtlich klären lassen.

    Das Schonvermögen setzt sich zusammen aus
    Freibetrag 150 * 47 = 7.050
    Freibetrag für Anschaffungen 750 * 3 = 2.250
    Freibetrag für Kinder 3.100 * 2 = 6.200
    macht zusammen sogar 15.500, nicht wie ich irrtümlich schrieb 11.650 (ich hatte nur ein Kind auf der Rechnung, tatsächlich hat sie aber zwei).
    Die Altersvorsorgeregelung könnte schon helfen, wenn sie die Kohle in eine Renten- oder Lebensversicherung stecken würde, die erst im Rentenalter auszahlt.

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