Der Berg kreißte und gebar noch nicht einmal eine Maus

Die Bundesregierung hat eine Reform der Regeln beschlossen, die bestimmen wie Erwerbseinkommen und Arbeitslosengeld II kombiniert werden können.  Diese Hinzuverdienstregeln sehen gegenwärtig vor, dass die ersten 100 Euro Erwerbseinkommen gar nicht auf das ALG II angerechnet werden. Darüber hinaus gehendes Einkommen wird - bis zu einem Bruttoeinkommen von 800 Euro - zu 80 Prozent vom ALG II-Anspruch abgezogen. Darüber hinaus gehendes Einkommen bis 1.200 Euro (Empfänger ohne Kinder) bzw. 1.500 Euro (Empfänger mit Kindern) wird sogar zu 90 Prozent angerechnet. Darüber hinaus wird Einkommen vollständig vom ALG II abgezogen.

Diese bisher geltenden Regeln waren suboptimal. Denn Beschäftigungen in geringem Umfang lohnten sich viel stärker als eine Beschäftigung mit höherer Stundenzahl. Wer arbeitslos war, ALG II bezog und einen Job für 100 Euro im Monat machte, musste keine Abzüge hinnehmen. Wenn z.B. der Stundenlohn 8 Euro beträgt, landeten auch 8 Euro netto in der Tasche pro zusätzliche Stunde Arbeit. Wer einen 400-Euro-Job annahm, dem blieben von 8 Euro brutto nur noch 3,20 Euro pro Stunde. Und wer einen Vollzeitjob für 1.200 Euro im Monat machte, dem blieben je Arbeitsstunde sogar nur 1,90 Euro. Noch drastischere Fehlanreize setzte die Regelung, wenn der ALG II-Empfänger schon einen 100-Euro-Job hatte. Der Wechsel in einen Vollzeitjob brachte pro Arbeitsstunde ganze 1,30 Euro an zusätzlichem verfügbaren Einkommen.

Diese verunglückte Regelung zeigte Wirkung: Mit 57 Prozent machen die meisten Aufstocker nur einen Mini-Job. 17 Prozent nutzen lediglich den Grundfreibetrag aus und verdienen weniger als 100 Euro im Monat. Der typische Aufstocker ist nicht ein Arbeitnehmer, der wegen geringer Löhne sein Einkommen aufstocken lassen muss. Der typische Aufstocker ist vielmehr ein ALG II-Empfänger, der sich in äußerst geringem Umfang etwas zu seiner Stütze hinzuverdient. Dieses Resultat entspricht nicht dem Ziel der Aufstockung. Die Aufstockung soll bewirken, dass Hilfeempfänger einen möglichst großen Teil ihres Bedarfes aus eigener Kraft erwirtschaften. Dies ist nur dann der Fall, wenn sie so viele Stunden arbeiten wie es ihnen möglich ist.

Das Problem ließe sich sich durchaus lösen. Die Hinzuverdienstregeln könnten so geändert werden, dass die Anrechnung niedriger Monatseinkommen erhöht wird. Dadurch würde es sich weniger lohnen, eine Beschäftigung in geringem Umfang anzunehmen. Der entstandene Spielraum könnte genutzt werden, um die Anrechnung bei höheren Einkommen - dort wo annähernd der Bereich von Vollzeitbeschäftigung liegt - zu verringern. Damit würde es sich mehr lohnen als bisher, die Arbeitszeit auszudehnen, mehr zu verdienen und weniger von staatlichen Transfers zu leben. Für eine solche Reform liegen verschiedene Vorschläge vor, unter anderem auch von der FDP.

Die “Reform” der Bundesregierung hat sich der Fehlsteuerung der geltenden Regelung aber überhaupt nicht angenommen. Stattdessen wurde lediglich die Einkommensgrenze, bis zu der die 80-Prozent-Anrechnung gilt, von 800 auf 1.000 Euro angehoben. Die Anreizwirkung dieser Änderung ist nahezu null. Aufstocker werden auch weiterhin überwiegend nur Mini-Jobs machen und die Gewerkschaften werden auch weiterhin von Armut trotz Arbeit fabulieren. Hier wurde eine große Chance zur Reform vollkommen unnötig vertan.

17 Kommentare zu “Der Berg kreißte und gebar noch nicht einmal eine Maus”

  1. Rudi sagt:

    Also, warum ‘darf’ denn überhaupt jemand etwas dazu verdienen, wenn ihm mit dem Regelsatz das Auskommen finanziert wir? Wir erinnern uns: ALG II bedeutet ja auch, dass die Wohnung in vollem Umfang bezahlt wird, oder etwa nicht? Sollte also nicht das Bestreben jedes Einzelnen ALG’lers sein, einen Vollzeitjob zu bekommen, mit dem er sein Leben finanzieren kann? Ab einer bestimmten Lohnuntergrenze komme ich ja noch klar damit, dass ‘aufgestockt’ wird, aber ansonsten sollten ALG’ler ihre freie Zeit mit der Jobsuche verbringen und nicht Jobs machen, von denen sie OHNE ALG nicht leben könnten…..

  2. Holger sagt:

    Na ja, es gibt ja auch Arbeitnehmer mit Familie. Wer zum Beispiel als Alleinverdiener 8 Euro die Stunde verdient, kann den Bedarf einer Familie mit 2 Kindern auch mit Vollzeit nicht aus eigener Kraft erwirtschaften, der braucht ergänzend ALG II. Um überhaupt einen Anreiz zu geben, eine Arbeit zu machen gibt es den Freibetrag, der die Betreffenden besser stellt als wenn sie gar nicht arbeiten würden und nur vom ALG II leben - sozusagen das Zuckerbrot. Die Peitsche ist dann die Maßgabe, dass er jeden angebotenen Job annehmen muss. Die Freibetragsregelung versetzt die Menschen somit in die Lage, wenigstens den Teil ihres Bedarfes aus eigener Kraft zu erwirtschaften, der ihnen möglich ist - auch wenn es zur Deckung des Bedarfes nicht reicht.

  3. Rudi sagt:

    Wir reden hier stets über ANREIZE, arbeiten zu gehen….
    Ist es denn so, dass die meisten ALG’ler gar nicht arbeiten wollen? Klar, der Lohn muss zum Leben reichen, aber für mich stellt es sich so dar, dass gerade ein relativ kleiner Satz ALG II OHNE die Möglichkeit des Hinzuverdienstes dazu anreizt, Arbeit zu suchen, von der man leben kann! Wie gesagt: aufstocken in Form von Wohngeld etc. sind ok. Aber wenn wir von jemadenm reden, der z.B. 1.400 Euro brutto verdient; sind netto um die 1000 Euro; DER muss seine Miete bezahlen und hat dann manchmal noch weniger, als den Regelsatz! Ich weiss nicht, ob sojemand dann aufstocken kann, aber die meisten wissen nichts davon, oder schämen sich, zum Amt zu gehen! Eine Bekannte (Frisörin) kommt mit diesem Geld aus; ist aber gefrustet, wenn sie Urlaub hat, denn dann bekommt sie kein Trinkgeld……. Sie ist aber mit ihrem Leben weitestgehend zufrieden und stolz darauf, sich ihren Unterhalt selber zu verdienen!
    Evtl. sind dann doch Mindestlöhne (von denen ich nur eingeschränkt begeistert bin) eine Art des staatlichen Eingriffes in die Wirtschaft, welche Anreize zur Arbeit geben. Es ist eben so, dass sich die Wirtschaft nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, etwas gegen Arbeitslosigkeit zu unternehmen, obwohl das auch zu ihren originären Aufgaben gehört! (jedenfalls in einer sozialen Marktwirtschaft!) So aber beisst sich die Katze immer weiter in den eigenen Schwanz und die Meinung, dass Unternehmen mit der Arbeitslosigkeit pokern verfestigt sich! Man sollte nämlich nicht vergessen, dass mittels Aufstockens und ALG I/II die Wirtschaft mittelbar subventioniert wird! D. h., dass in ‘guten Zeiten’ profitiert wird, während der Staat ausschliesslich für die schlechten Zeiten verantwortlich zeichnet….
    Immer schön nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren…
    Die Frage hierzu wäre, ob denn überhaupt die Firmen, welche solch schlechten Löhne zahlen davon wissen, dass ihre Angestellten aufstocken lassen. Und fragen die Argen überhaupt nach, ob nicht genug Geld verdient wurde, dass die Leute höher bezahlt werden könnten?
    Bei Kurzarbeit ist das doch gang und gäbe…..
    Zurück zum Eigentlichen:
    Wenn mir die Wohnung bezahlt werden würde und ich zu meinem ‘Taschengeld’ vom Amt noch Hundert Euro hinzu verdienen dürfte, würde ich es mir sehr genau überlegen, noch einen Vollzeitjob an zu nehmen. Um nämlich NETTO auf eine solche Summe zu kommen, müsste das schon ein sehr ordentlich bezahlter Job sein! Wenn ich also nicht besonders gut ausgebildet bin, was eine Arbeitslosigkeit nicht verhindert, aber deutlich verringert überhaupt arbeitslos zu werden, kann es sich nur um niedrig bezahlte Jobs handeln, über die wir hier ja gerade sprechen……. Und da ist sie wieder, die Katze………..
    Eine Beispielrechnung:
    2-Zimmerwohnung: 750 Euro warm (wenn das reicht)
    Strom: 30 Euro
    Telefon: 30 Euro
    Versicherungen: ca. 50 Euro
    Fahrkarte: 89 Euro (nicht im ABO!)
    Fernsehgebühren: ca. 20 Euro (ohne Kabelgebühr)
    Macht zusammen: 969 Euro
    (einiges werde ich vergessen haben)
    Nun habe ich noch nichts zu essen und zum anziehen…
    Aber:
    969 + 359 (ALG II) = 1.328 !
    zuzügl. 100 Euro Hinzuverdienstmöglichkeit = 1.428 Euro NETTO!
    Wenn ich richtig geschaut habe, entspricht das einem Bruttolohn von mind. 2.500 Euro für einen Alleinstehenden.
    So einen Job muss man erstmal finden…………….. Da ‘darf’ man dann schon ‘mal Lokführer, Dachdecker, Altenpfleger, Maurer, oder Elektriker sein!
    Wie sind also nun die ALG II - Empfänger ausgebildet?
    Und klagt die Wirtschaft nicht schon heute über Fachkräftemangel???
    Also nochmal:
    Wer einen Job hat, dessen Lohn soll sich (möglichst weit) vom ALG II unterscheiden und zwar nach OBEN!
    Liebe Grüsse Rudi

  4. Holger sagt:

    Ohne finanzielle Anreize gibt es nunmal wenige, die aus reiner Liebe zur Arbeit jeden Morgen aufstehen. Aber auch wenn man einmal davon absieht, hat das Aufstocken schon seinen Sinn: Derjenige, der es nicht schafft seinen Bedarf zu erwirtschaften, kann trotzdem wenigstens das beisteuern, was im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt. Klar wäre es schön,wenn jeder soviel verdient, dass er und seine Familie davon leben kann. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ein Job muss sich erst einmal wirtschaftlich tragen. Wer im Kiosk steht und 20 Euro Umsatz die Stunde macht, kann keinen Lohn von 10 Euro erwarten - egal ob man diese 10 Euro bräuchte, um seine Miete zu zahlen.

  5. Rudi sagt:

    ….ganz ehrlich Holger:
    Wer als Angestellter im Kiosk steht, in dem der Umsatz 20 Euro/Stunde ausmacht, dessen Chef hat nichts begriffen, oder er selber (als Chef) sollte sich nach etwas anderem umsehen….
    Im Leitartikel war ja gerade etwas davon zu lesen, dass sich Arbeit lohnen sollte, bzw., dass die Regelungen zum ABSTAND zwischen ALG, Lohn und Hinzuverdienst DEUTLICH unterschieden sein sollten; sollte denn ein Anreiz zur Arbeitsaufnahme überhaupt Fuss greifen können…..
    …..Zitat…..: Die Hinzuverdienstregeln könnten so geändert werden, dass die Anrechnung niedriger Monatseinkommen erhöht wird. Dadurch würde es sich weniger lohnen, eine Beschäftigung in geringem Umfang anzunehmen…..

    Genau DASS habe ich ja gerade ausgedrückt, nämlich, dass ALG II-Empfänger eigentlich GAR NICHTS hinzu verdienen dürften! Ein besserer ‘Anreiz’ zur Arbeitsaufnahme kann nicht bestehen, wenn es denn ‘bessere’ Aussichten auf ein leidlich luxuriöseres Leben geben würde…..

    Evtl.findet hier zwischen uns beiden ein Reden aneinander vorbei statt :-)

    Nichts für ungut, aber mein Posting sollte wohl von Dir kritisiert werden, dennoch schriebst Du exakt meiner mail nach eine quasi Buchbeschreibung….

    Gruss Rudi

  6. Holger sagt:

    Da ist aber schon ein Unterschied, ob man - wie Du es forderst - alles anrechnet, der ALG II-Empfänger also nichts hinzuverdienen darf, oder man - wie ich es versucht habe darzulegen - nur die niedrigen Einkommen stärker anrechnet, bei höheren aber einen höheren Freibetrag gewährt.

    Es gibt nunmal Jobs, da ist nicht mehr als 7 Euro brutto die Stunde drin - bei einigen vielleicht auch weniger (kommen ja auch noch Lohnnebenkosten hinzu). Da kann man ja durchaus der Meinung sein, dass der Chef da was falsch macht und sich nach was anderem umsehen sollte. Tatsache bleibt, wenn man solche Jobs nicht haben will, dann wird der Kioskverkäufer erst einmal arbeitslos, verdient nichts mehr selbst für seinen Lebensunterhalt und ist vollständig vom Arbeitslosengeld abhängig. Das kann man mit der Aufstockung verhindern.

  7. Sabine sagt:

    Ich war 2007/08 genau ein Jahr ALG II-Empfängerin und gerechnet wurde so:
    Regelleistung (heute gibt es mehr) 345,00 €
    Unterkunft und Heizung 302,00 = 642,00 € Bedarf

    Einkommen aus geringf. Beschäftg. 309,07 €
    abzügl. Freibetrag ./.115,00 €
    abzügl. Einkommensbereinigung ./. 30,00 € = 164,07 €

    Sicherung Lebensunterhalt 345,00 €
    ab zu berücksichtigendes Eink. ./. 164,07 € = 180,93 € errechn. Bedarf
    zuzügl. Unterkunftskosten 302,00 € = 482,93 €

    Ergab real - von der ARGE 482,93 €
    zuzügl. o. g. Abzüge v. Einkommen 145,00 € = 627,93 €

    1. Wer ein Einkommen erzielt und ALG II dazu bezieht, wird bei Freibeträgen und Einkommensbereinigung wie ein Arbeitnehmer gestellt, der durch Steuererklärung all das absetzen kann, was das Steuerrecht zulässt. Da ALG II-Empfänger mit geringen Einkommen keine Steuern zahlen (Steuerfreigrenze), aber erwerbstätig sind, stehen ihnen z. B. auch Werbungskosten zu. Macht aber der ehemalige “Hartzer”, weil er ohne ALG II steuerpflichtig wird, eine Steuererklärung, wozu er auch verpflichtet ist, wird das alles berücksichtigt und angerechnet.

    2. Es ist ein gern und weit verbreiteter Irrglaube, dass den ALG II-Empfängern die komplette Warmmiete bezahlt wird. Ich zahle warm monatlich 449,20 € wovon nur 302,00 € zugestanden wurden. Das deshalb, weil einem Single und ALG II-Empfänger nur 45 qm Wohnfläche zustehen und nach dem Mietpreis-Durchschnitt im unteren Mietsegment bei einfacher Ausstattung max. die Unterkunftskosten gezahlt werden. Abgesehen von den qm, die bundeseinheitlich sind, sind die Durchschnitts-Mietwerte in jeder Kommune unterschiedlich.

    Einmal davon abgesehen, dass die Beantragung von ALG II bedeutet, sich richtig “nackig” zu machen und alles offen zu legen, ist Hartz IV nichts, das man freiwillig will. 627,93 € ./. 449,20 € Miete = 178,73 € davon Strom, Kabelgebühr, Lebensmittel. Das reicht hinten und vorne nicht, glücklich der, der der einen Dispo in Anspruch nehmen kann. Nur der hat eine Obergrenze.

    Warum ich nicht umgezogen bin? Weil ich alles was in meiner 55 qm-Wohnung ( zuzügl “Luxus” von 4 qm Balkon) steht, mein Eigentum ist und ich nicht, was ich mir selbst erarbeitet habe, verschenken wollte, das in einer 10 qm kleineren Wohnung nicht unterzubringen gewesen wäre, weil Gardinen und Jalousien in einer anderen Wohnung nicht gepasst hätten. Und weil ich kein Hartz IV-Empfänger bleiben wollte.

    Wie kam ich zu ALG II? Auf dem natürlichen Werdegang. Vollbeschäftigung, Stellenabbau, ALG I, ALG II und wenigstens geringfügige Beschäftigung, weil der Arbeits-Markt nicht mehr hergegeben hat. Im Anschluss wie ein Lottogewinn, selbst gesucht (von der ARGE wurde ich nur verwaltet) - Vollbeschäftigung für ein Jahr befristet, mit dem ich ohne Transferleistungen auskommen konnte. Seit dem suche ich - wie vorhin wieder im Internet, am Ort und wo es geht, nach Arbeit. Meine Perspektive ALG II und zwangsweiser Umzug.

    Zu faul zum Arbeiten? Nein! Ich habe drei Berufsabschlüsse, die besten Beurteilungen, habe also auch was für meine Qualifizierung und die “Lorbeeren” getan. Und warum finde ich nichts?
    Weil Arbeitgeber ihre eigene Personalpolitik machen. Entweder man passt nicht ins junge Team oder ist überqualifiziert und würde nach Meinung des Arbeitgebers daher sowieso, weil der Job unterfordern würde, bald wieder gehen, ober man hat nicht exakt die geforderte Ausbildung oder braucht einen PKW. Mein Auto ist dem “Überbrückungsgeld” aus dem Dispo, den ich wieder ausgleichen musste, zum Opfer gefallen. Oder die Bewerbungen kommen mit dem üblichen Pauschaltext und besten Wünschen für den weiteren Lebensweg oder gar nicht zurück.

    Wenn in diesem Staat nicht die Wirtschaft, sondern die Politik regieren würde, gäbe es mehr Arbeitsplätze und die ganze Hartz-Debatte wäre nicht notwendig. Wenn das Rentenalter nicht rauf
    Aber so lange sich das nicht ändert, werden sich die, die noch nie ALG II beziehen mussten, über die “Geschenke” an die ALG II-Empfänger aufregen. Nur - wer sich heute aufregt, ist, wenn er sich nicht sicher sein kann, dass sein Job bis zur Rente sicher ist, auch ein potenzieller ALG IIer und wird dankbar sein, wenn die Regelsätze raufgesetzt und die Zuverdienste bleiben.

    Hartz IV ist sozialer und gesellschaftlicher Abstieg. Im Übrigen, ich gehe auf die 60 zu und kann 37 Arbeitsjahre nachweisen. Würde ich mit 60 in Rente gehen, was ich als Frau könnte, hätte ich bis

  8. admin sagt:

    Bei einem Bedarf von 642 Euro und einem Bruttoeinkommen von 309,07 (das bei einem Mini-Job ja gleich dem Nettoeinkommen ist) komme ich auf einen Freibetrag von 100 + 0,2 * 209,07 = 141,81 Euro (siehe hier und hier). Das anzurechende Einkommen beträgt somit 309,07 - 141,81 = 167,26 Euro. Die ALG II-Leistung beläuft sich demnach auf 642 - 167,26 = 474,74 Euro. Das verfügbare Einkommen setzt sich zusammen aus ALG II-Leistung und Nettoeinkommen, das ergibt 474,74 + 309,07 = 783,81 Euro.

    Das ist vielleicht nicht üppig, aber man kann durchaus davon leben. Es handelt sich beim ALG II ja nicht um ein Gehalt oder eine Lohnersatzleistung, sondern um eine Fürsorgeleistung für Bedürftige, die sich in einer existenziellen Notlage befinden. In der Tat wird nicht jede Warmmiete bezahlt, sondern nur die angemessenen Kosten der Unterkunft. Das ist sinnvoll, denn andernfalls könnten sich Hilfeempfänger ja auf Staatskosten eine Villa im Grunewald anmieten. Was als angemessener Wohnraum gilt, bestimmt jede Gemeinde selbst.

    Das eigentliche Thema des Beitrags war aber, dass der finanzielle Anreiz, aus dem Mini-Job heraus eine Vollzeitbeschäftigung anzunehmen, sehr gering (und für manche zu gering) ist. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Nehmen wir mal an, der Stundenlohn betrug 8 Euro, dann haben Sie für Ihre 309,07 Euro knapp 39 Stunden im Monat gearbeitet. Würden Sie 170 Stunden arbeiten (=Vollzeit), kämen Sie auf ein verfügbares Einkommen von etwa 1.000 Euro. Das heißt für jede Stunde zusätzliche Arbeit haben Sie zusätzliches verfügbares Einkommen in Höhe von 1,28 Euro.

    Dass das für Sie genug Anreiz ist, trotzdem Vollzeit zu arbeiten, ehrt Sie. Es gibt aber genügend Menschen, denen dies nicht reicht.

  9. Sabine sagt:

    Sorry, ich habe mich vertan. Trotzdem waren es lt. ARGE-Bescheid 482,93 €, aber 309,07 € von mir, somit sogar 792 € insgesamt.
    Da ich auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet hatte und da nicht raus kam, waren es Brutto 325 € für 48 Std. im Monat.
    Ich habe mich wohl falsch ausgedrückt. Mit meinen Erklärungen wollte ich klar machen, dass durch den Hinzuverdienst durchaus der Umzug und Verlust an Eigentum erspart bleibt. Und dass, würde der nicht mehr möglich sein, alle die, die immer gearbeitet haben und wenigstens durch Minijobs im Arbeitsleben bleiben, gegenüber denen, die wirklich keinen Bock auf Arbeit haben, bestraft werden würden.
    Der Fehler ist doch, dass die ALG II-Empfänger nicht nachweisen müssen, dass sie sich beworben haben und es den Arbeitgebern möglich gemacht wurde, geringfügig zu beschäftigen, wodurch erst Vollbeschäftigung reduziert wurde.

  10. Sabine sagt:

    Noch ein Nachtrag zu gestern. Mal unterstellt, dass einem Minijobber weniger von seinem Einkommen bleibt, weil mehr als bisher angerechnet wird. Siehe oben mein Rechenbeispiel - es würden statt 180,93 € errechnetem Bedarf nur noch 80,93 € zustehen, dann wird doch eher das Gegenteil erreicht, weil sich mancher sagen wird, wenn er statt insgesamt 792 € nur noch 692 € hat, davon noch die Monatskarte für Fahrten zur Arbeit kauft - hier 38 €, bleiben 654 €, dann macht er eher gar nichts, weil Regelsatz 345 + 302 Miete = 647 €. Das sind 7 € weniger als mit Minijob und Fahrkarte.
    Dann würde es sich für manch einen nicht mehr lohnen, eine Beschäftigung in geringem Umfang anzunehmen und genau das Gegenteil wäre erreicht.
    Außerdem, es wird sogar vom Arbeitsamt für ein Jahr mindestens Zuschuss an den Arbeitgeber gezahlt, der einen Älteren einstellt und gerade mal 401,00 € Brutto bei 80 Std. im Monat bezahlt.
    Also wird sogar noch geringe Beschäftigung gefördert, um in Anbetracht der Arbeitsmarktlage Leute überhaupt in Arbeit zu bringen.

    In Deutschland gibt es 3,2 Mio. ALG I-Empfänger, 1,4 Mio. (aus ALG I und II-Bereich) in mehr oder weniger sinnvollen Weiterbildungsmaßnahmen, die natürlich auslaufen, also 4,6 Mio., die einen Job brauchen. Hier machen Firmen dicht, da machen Firmen neu auf, es wird sich nicht viel ändern. Die erwerbsfähigen ALG II-Empfänger, ca. 2,4 Mio., sollen auch arbeiten.

    Es braucht keinen Anreiz, sondern genügend Vollzeitarbeitsstellen, damit Hartz IV abgeschafft werden kann und alle die gar nichts mehr bekommen, die nicht arbeiten wollen.

  11. Holger sagt:

    Das ist schon ein Dilemma: Wenn ich Anreize setze, einen Mini-Job zu machen dann mindere ich die Attraktivität der Alternative Vollzeitarbeit. Wenn die Anreize für Mini-Jobs abschaffe, wird einerseits die Vollzeitarbeit attraktiver, andererseits entsteht aber auch ein Anreiz, einen Mini-Job aufzugeben. Dem sollte das Job-Center aber entgegensteuern. Schließlich ist jeder Hilfeempfänger verpflichtet, soweit wie möglich seinen Bedarf aus eigener Kraft zu erwirtschaften (§2 SGB II).

    Es gibt im Übrigen nicht 3,2 Millionen ALG I-Empfänger, sondern “nur” 900.000. Gemeinsam mit etwas über 2 Millionen arbeitslosen ALG II-Empfängern bilden sie die 3 Millionen Arbeitslosen, zu denen - wie Sie völlig richtig feststellen - noch die nicht-arbeitslosen ALG II-Empfänger sowie Personen in Maßnahmen hinzukommen.

    Hinsichtlich Ihrer Schlussfolgerung erlaube ich mir eine abweichende Meinung. Ich bin der Auffassung, dass vernünftige Anreize vielleicht keine hinreichende, auf jeden Fall eine notwendige Bedingung dafür sind, dass ein Arbeitsplatz entsteht und auch besetzt werden kann.

  12. Rudi sagt:

    Mir fällt gerade noch ein, dass mit solchen Minijobs doch GAR NICHTS für die Rente getan wird…..
    Überhaupt: Sozialversicherungsleistungen werden doch SO wohl kaum für den Erhalt einer Volkswirtschaft ‘beigesteuert’, oder?
    Was ist eigentlich, wenn sich ALG-Empfänger bis zum Rentenalter so durchs Leben lavieren?
    Etliche tausend (Mini) Jobs ersetzen doch so nur einige tausend Vollzeitjobs und damit nicht genug, denn Zeitarbeit, Überstunden und ‘Einfuhr’ von Dumpinglöhnen machen den Rest!
    Vermeintlich DEN Rest, der hierzulande eine Vollbeschäftigung und das ganze Gerede und den Dissenz zwischen ALG-Empfängern und (vollzeit) Berufstätigen ausmacht!
    @Sabine:
    Eine Villa im Grunewald kann es natürlich nicht sein, und da finde ich den ‘Witz’ des admin auch nicht besonders ‘aufmunternd’, aber wer (nicht nur) in dieser Gesellschaft lebt, muss seinen Standard an seine Leistungsfähigkeit anpassen! Wer könnte schon versprechen, dass er baldigst einen neuen Job bekommt, welcher ihm/ihr eine Wohnung nach seinen Glückseeligkeiten beschert? Gewisse Grenzen muss es also geben und so ist ergo ein Umzug in kleinere Gefilde zumutbar!
    Zumal man doch wohl nicht SOFORT dazu gezwungen wird, sich eine neue, kleinere Bleibe zu suchen, oder?
    Wenn aber dann nicht alles vom Amt anerkannt wird, bleibt es wie es ist: Trotzhandlungen werden in diesem Staat nicht anerkannt!
    Die Verbitterung bleibt, aber wir alle zahlen nunmal nicht in einen Sparfonds ein, sondern beteiligen uns an den anfallenden Kosten……………

    Ich wünsche mir für Sie dennoch, dass Sie sich all das erkämpfen, was Ihnen zusteht und dass Sie mit Ihren knapp sechzig Lenzen etwas dazu gelernt haben, nämlich dass sich Arbeit zunächst für sich selber lohnen sollte und wenn sie das nicht tut, dann macht man es den vermeintlich Reichen gleich.

    ICH für meine Person weiss, dass ich anfangs in den schlimmsten Situationen (auch) gejammert habe, aber es bot sich keinerlei Hilfe….. Nur ICH also kann/konnte mich beim Schopfe packen und aus einer, wie immer auch gearteten Scheisse, wieder herausziehen!

    Es ist erbärmlich, was hier in diesem Land passiert, aber manchmal fühle ich mich dabei ertappt, dass Leute ein kleinwenig Recht damit haben, wenn in Deutschland auf hohem Niveau gejammert wird……..

    Übrigens:
    Warum ‘versuchen’ Sie es mit Ihren drei Abschlüssen nicht nochmal, sich selbständig zu machen?
    Da müsste doch etwas gehen, oder?

    Die Arge zahlt sogar nicht schlecht für ‘Neueinsteiger’……………

    Liebe Grüsse
    Rudi

  13. Holger sagt:

    Wenn es in einer Erwerbsbiographie bei Mini-Jobs oder kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen bleibt, dann wird zur Finanzierung der Sozialversicherung auch so gut wie nichts beigetragen. Die Kosten fallen natürlich trotzdem an, die müssen dann von den anderen getragen werden.

    Hinsichtlich der Rente würde allerdings auch eine weniger gur bezahlte Vollzeitbeschäftigung kaum mehr als den Satz der Grundsicherung einbringen. Das liegt allerdings nicht so sehr am Job an sich, sondern an dem demographischen Problem, das auf die Rentenversicherung zukommt.

  14. Rudi sagt:

    …ich kann es nicht lassen :-)
    Also:
    Bei einem Minijob werden zwar Gelder in die Sozialversicherung gezahlt, diese Beiträge aber machen sich später nur in Centbeträgen in der Rente bemerkbar; wenn überhaupt!
    Für ALG II-Empfänger wurde übrigens zuletzt der Zuschuss zur Rentenversicherung gänzlich eingespart……..
    Jemand also, der sich neben ALG II für einen Minijob einsetzt, erlangt WEDER Rentenansprüche (in nennenswerten Beträgen) noch trägt dieser zur Sozialversicherung in ebenso nennenswerten Beiträgen bei.
    Um also zum Ursprung dieses Beitrages zurück zu kommen (und zu meinen Äusserungen hierzu) bleibt es, wie es scheinbar ist:
    Eine Taschengeldaufbesserung für ALG II Empfänger ist kontraproduktiv!
    Und zwar in JEDER Hinsicht!
    Die ARGEN streichen Geld ein, was ihnen nicht zusteht (durch Kürzung des ALG II), die Rente, Knappschaft, Bahn, See bekommt einen nicht unerheblichen Teil dazu (Vierhundert-Euro Jobs) und die empfangenden Kassen zahlen später kaum etwas wieder aus!
    Der Angeschmierte ist der ALG II-Mensch!
    Und KEINER dieser Leute kapiert, was hier geschieht!!!!!!!!!!!!!
    Nämlich, dass sich die ‘Alleinverdiener’ ihres Unterhaltes über ALG beschweren und dass die ALG-Leute sich über’s Ohr gehauen fühlen (nach z.B. 30 Berufsjahren)
    Die Verarsche ist doch wohl so offensichtlich, dass man hier nur vom ‘Wald nicht vor lauter Bäumen erkennen können’ reden kann.
    In anderen Foren lese ich schon, dass sich die derzeitige Regierung ‘warm anziehen’ muss, wenn es zur nächsten Wahl geht.
    Neben der Islamdebatte und solchem Unfug allerdings bin ich nicht wirklich darauf erpicht, durch solche Politik einen neuen ADOLF produziert zu sehen……

    Schönes Wochenende noch
    Gruss Rudi

  15. Holger sagt:

    Der Mini-Jobber mit ergänzendem ALG II hat doch durchaus etwas von seinen Bemühungen. Wer 400 Euro brutto verdient, behält 160, wer 100 Euro brutto (=netto) verdient, behält sogar alles - ihm wird der ALG II-Anspruch nicht um einen Euro gekürzt.

  16. mackage sale sagt:

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