Gute Arbeit?

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland sind unzufrieden mit ihrem Job, schreibt heute die “Süddeutsche Zeitung” unter wie gewohnt vollkommen unkritischer Berufung auf eine Umfrage des DGB. Nur 15 Prozent beurteilen ihre Arbeit als “gute Arbeit”. Das lässt aufhorchen, weiß man doch aus Untersuchungen wie dem European Working Conditions Survey, dem International Social Survey Programme oder dem Sozio-ökonomischen Panel, dass die meisten Arbeitnehmer gerade in Deutschland in hohem Maße mit ihrer Arbeit zufrieden sind.

Das Rätsel klärt sich dann aber doch recht schnell: Erstens unterliegt die DGB-Befragung einem so genannten sample selection bias. Das heißt, an einer solchen nicht-repräsentativen Umfrage zum Thema Arbeitszufriedenheit nehmen vor allen diejenigen Arbeitnehmer teil, die ein besonderes Interesse daran haben. Und das sind nicht die Zufriedenen, sondern die Unzufriedenen, die ihren Ärger der Welt mitteilen möchten.

Zweitens ist der Arbeitszufriedenheitsindex, den der DGB aus den Antworten auf 31 Fragen zusammenbastelt, in höchsten Maße manipulativ. Wer will, kann das gerne selbst überprüfen. Auf Fragen wie “Können Sie Ihre Arbeit selbständig planen und einteilen?” kann man in vier Abstufungen antworten, von “in sehr hohem Maße” bis “gar nicht”. Teilweise muss man noch zusätzlich angeben, wie sehr etwas belastet. Am Ende bekommt man anhand eines Indexes, der von 0 bis 100 reicht angezeigt, wie “gut” man seine Arbeit einstuft.

Selbst wenn man bei allen Fragen konsequent die jeweils zweitbeste Antwort wählt (”in hohem Maße”) und jeweils angibt, dass einen etwas “mäßig” belastet, landet man bei einem Indexwert von 57, was nach DGB-Sichtweise so gerade noch eine mittelmäßige, aber fast schon eine schlechte Arbeit ist. “Gut” ist eine Arbeit nämlich erst ab einem Indexwert von 80, der aber äußerst schwer erreichbar ist.

Der Index und seine Berechnung ist ein einziger Treppenwitz. Es stellt sich die Frage, wer sich mehr schämen müsste - der DGB, der so ein Machwerk veröffentlicht, oder die “Süddeutsche Zeitung”, die die Ergebnisse ohne auch nur eine einzige kritische Nachfrage widergibt.

Ein Kommentar zu “Gute Arbeit?”

  1. Rudi sagt:

    Wer ist über die Jahre schon mit seinem Job zufrieden?
    Überall wird es Vorgesetzte geben, die einem den Tag versauen und Kollegen, die (wie jeder andere auch zwischen den Stühlen sitzend) mobben. Man muss in dieser schnellen Arbeitswelt schon sehr ‘abgebrüht’ sein, wenn es, entgegen der Meinung des Admin, eigentlich doch besser mit dem Wohlbefinden in der Arbeitswelt sein müsste, als in der Umfrage des DGB. Es wirft sich hier eigentlich die Frage auf, WARUM solche Umfragen gemacht werden und warum diese Umfragen (wahrscheinlich) seit Dunnerkeil schlecht ausfallen….
    Ist das Ergebnis Jammern auf hohem Niveau, oder gibt es sonst irgendwelche Anlässe, die solche Umfargen legitimieren?
    DGB, Personal- und Aufsichtsrät - sie alle haben es sich in unserer ach so sozialen Marktwirtschaft ‘gemütlich gemacht und so ist denn auch solch’ eine Umfrage schnell entlarvt:
    Sie soll die Arbeit des DGB selber schlicht legitimieren, denn ‘mal ehrlich: wer würde der Aussage glauben; ja überhaupt ohne Empörung zuhören, wenn der DGB davon reden würde, dass es den Arbeitnehmern z.Zt. an nichts mangelt und alles in bester (Gewerkschafts-) Ordnung ist….. :-)
    Was lernen wir also daraus? Propaganda ist ein für mich negativ besetztes Wort und als nichts anderes sollte man solche Ergebnisse von Umfragen werten. Hoffentlich werden nun aufgrund dieser Propaganda morgen nicht etliche Chefs aus den 12. Stock ihrer behaglichen Büros geworfen, oder sonstwie gelyncht :-)

    Aufgabe dieses und anderer Foren sollte es aber sein, die WIRKLICHEN Feinde eines angenehmen Arbeitslebens aus zu machen. M.E. sitzen die ÜBERWIEGEND in Berlin und nennen sich Volksvertreter!

    Der DGB ist doch nur ein verlängerter Arm dieser Volksverarscher!!!!!!!!!!

    Liebe Grüsse Rudi

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