Billig wie Dreck

Und wieder ein Skandal, der keiner ist:

In Deutschland arbeitet bereits mehr als jeder zweite jugendliche Vollzeit-Arbeitnehmer (zwischen 15 und 24 Jahre), nach einer statistischen Auswertung der Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit, im Niedriglohnsektor.

Da kann man sich schonmal empören. Wie zum Beispiel der große Vorsitzende des Zentralkomitees Klaus Ernst, der zu dem Schluss kommt, “die Arbeitsmarktreformen haben dazu geführt, dass Arbeit so billig geworden ist wie Dreck”.

Vielleicht sind es aber auch nur die Argumentationen der Linkspartei, die billig wie Dreck sind. Denn bei näherer Betrachtung entpuppt sich die vermeintliche Verelendung der deutschen Jugend als Ammenmärchen. Der Niedriglohnanteil bei Jugendlichen unterliegt einer Auswahlverzerrung: Wenn nur erwerbstätige Jugendliche bis 24 Jahre betrachtet werden, bleiben jene unberücksichtigt, die in dem fraglichen Alter noch gar nicht erwerbstätig sind, weil sie sich noch in der Ausbildung befinden - vor allem Studenten (Auszubildende wurden auch aus der Betrachtung ausgeschlossen). Genau diese sind es aber auch, die hohe Löhne erwarten können. In jungen Jahren erwerbstätig sind nur jene, die aufgrund geringer oder mittlerer Qualifikation in der Rangliste der Löhne vergleichsweise weit unten stehen.

Den Effekt kann man sich an einem Extrembeispiel gut klarmachen. Würde man nur die Erwerbstätigen im Alter von 15 Jahren betrachten und dabei auch noch die Auszubildenden ausschließen, hätte man nur Berufseinsteiger ohne Ausbildung mit maximal einem Hauptschulabschluss in seiner Stichprobe. Dass in dieser Gruppe die Löhne dann niedrig sind, braucht nun wirklich keinen wundern.

2 Kommentare zu “Billig wie Dreck”

  1. Muriel sagt:

    Wenn es doch nur jemanden gäbe, der solchen Behauptungen öffentlich widersprechen und auch auf die Meinungsbildung im Parlament Einfluss nehmen könnte.
    Eine liberale Partei, oder sowas.
    Hm… Darüber sollte man nachdenken.

  2. admin sagt:

    Gelegentlich gibt es diese Möglichkeit, Dinge gerade zu rücken - etwa in öffentlichen Ausschüssen. Und manchmal tritt dort auch eine liberale Partei hervor. Wie hieß sie denn noch gleich..

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