Brüsseler Spitzen

Dass die EU alles versucht, um ihre bankrotten Mitgliedsstaaten irgendwie vor den harten Wahrheiten der Märkte zu schützen, leuchtet mir ja ein. Selbst wenn es sich um einen so unsinnigen Versuch handelt, über den heute bei “Spiegel Online” berichtet wurde. Da heißt es, dass die Kommssion schlechte Ratings über notleidende Staaten “verbieten” will. Da fragt man sich schon, wie das gehen soll. Ist ja nicht so, dass die EU der Herrscher der Welt ist. Wenn ich ein schlechtes Rating über Griechenland in, sagen wir mal: Kanada publiziere, möchte ich mal sehen, was Brüssel dagegen machen will.

Was aber viel trauriger stimmt, ist die Reflexion dieses Schwachsinns in den Medien, hier vor allem Spiegel Online. Das ganze läuft schon unter der Überschrift “Kampf gegen Spekulanten”. Das ist ja eine ganz neue Erkenntnis, dass Käufer von Staatsanleihen als Spekulanten gelten. Da kann man nur hoffen, dass diese Spekulation ein baldiges Ende hat - dann wird es interessant zu sehen, wo der Finanzminister die Kredite hernehmen will, die er braucht um die Ausgabewünsche der Regierung zu befriedigen.

Womit wir auch beim zweiten Ammenmärchen wären, dass Spiegel Online verbreitet: “Rating-Agenturen stürzen mit ihren Bewertungen ganze Staaten in die Krise, treiben Zinsen in die Höhe”. Die Krise, liebe Spiegel-Redakteure, verursachen doch nicht diejenigen, die auf eine übermäßige Verschuldung hinweisen. Die Krise verursachen diejenigen, die die übermäßige Verschuldung herbeigeführt haben - also genau jene Regierungen, die jetzt auf dem Umweg über die Kommission die Verbreitung unangenehmer Wahrheiten verbieten möchten.

8 Kommentare zu “Brüsseler Spitzen”

  1. Muriel sagt:

    Typisch neoliberales Schutzgewäsch. Ich finde den Vorschlag toll.

  2. BHamilton sagt:

    Wenn man marode Papiere an den Mann bringen will und eine unabhängige Bewertung untersagt, dann ist und bleibt das Betrug - auch bei Anleihen, die der Staat ausgibt.
    Nur ist hier die Politik der Betrüger, und wer das sogar noch “toll” findet, ist wohl eher ein “typischer” Naivling.

  3. admin sagt:

    @BHamilton: Ich würde mal sagen, Muriel meinte das ironisch. Lies mal seinen Blogpost dazu, der ist sehr schön :-)

  4. BHamilton sagt:

    Den habe ich nicht gelesen.
    Ausdrücke wie “Typisch neoliberales Schutzgewäsch” wirken nicht unbedingt feinsinnig-ironisch, sondern eher Plattitüdenhaft - wie Floskeln aus der “occupy”-Bewegung oder SPON.

    Also dann - Triple-A für Alle und Greez to Muriel.

  5. Muriel sagt:

    BHamilton:

    Ausdrücke wie “Typisch neoliberales Schutzgewäsch” wirken nicht unbedingt feinsinnig-ironisch, sondern eher Plattitüdenhaft - wie Floskeln aus der “occupy”-Bewegung oder SPON.

    Dann habe ich doch genau das erreicht, was ich wollte.

    Also dann - Triple-A für Alle und Greez to Muriel.

    Besten Dank, auch so.

  6. BHamilton sagt:

    Immer gerne - mehr von solchem Feinsinn - BH.

  7. Marc sagt:

    Die Rating Argenturen haben genausoviel über Europa und dessen Staaten zu sagen wie umgekehrt. Was diese Argenturen sagen mag richtig sein aber das sie auch eigene Interessen verfolgen, lässt sich nicht leugnenn. Man muss nur mal schauen wen diese Argenturen gehören. Im Prinzip ist das ganze Finanzsystem für Allerwertesten, wenn man so will.

  8. Muriel sagt:

    Und Marc muss es ja wissen…

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