Unseren Nachbarn geht es besser ..

.. schreibt “Focus Money Online” unter Berufung auf Befunde des Statistischen Bundesamtes zur Armut in Europa. Denn während hierzulande 15,6 Prozent arm sind, sind es zum Beispiel in Tschechien nur 9 Prozent. Der niedrigste Wert in Europa. Glückliches Tschechien!

Oder doch nicht? Denn der Focus-Redakteur hat nicht ein einziges Wort darüber verloren, dass die Einkommensunterschiede zwischen den europäischen Ländern ebenfalls erheblich sind. Luxemburg, die Schweiz und auch Deutschland haben höhere Armutsquoten als Tschechien. Aber geht es den Tschechen deswegen wirklich besser?

Aufschluss über diese Frage ergibt sich, wenn die Armutsgrenze umgerechnet in Dollar zu Kaufkraftparitäten betrachtet wird. Das Durchschnittseinkommen in Tschechien liegt bei 1.221 Dollar. Die Armutsgrenze in Luxemburg, der Schweiz und Deutschland liegt bei 1.878, 1.727 bzw. 1.194 Dollar. Der Luxemburger, Schweizer oder Deutsche, der unter der Armutsgrenze liegt, kann sich mit seinem Einkommen also Waren und Dienstleistungen in einem Umfang kaufen, der in Tschechien nur mit einem Durchschnittseinkommen möglich ist.

Einmal mehr zeigt sich: Die Armutsquote ist ein reines Maß der Einkommensverteilung. Über echte materielle Deprivation sagt sie überhaupt nichts aus. Einigen unserer Nachbarn geht es tatsächlich besser, nämlich Luxemburg oder der Schweiz. Tschechien hingegen nicht - trotz der Armutsquote.

2 Kommentare zu “Unseren Nachbarn geht es besser ..”

  1. Uwe Richard sagt:

    „… während hierzulande 15,6 Prozent arm sind, sind es zum Beispiel in Tschechien nur 9 Prozent.“

    In Nordkorea dürfte die Armutsquote sogar noch niedriger liegen.

    Mit freundlichem Gruß

  2. admin sagt:

    Gut möglich. Wenn alle Einwohner gleichermaßen nur 500 Euro im Jahr haben, ist die Armutsquote null.

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