AFP: Enten für Anfänger

Eine recht seltsame Meldung kam gestern von der Nachrichtenagentur AFP. Zitiert wurde eine obskure rumänische Zeitung, derzufolge es in Rumänien bereits jetzt mehr Rentner (5,3 Mio.) als “Menschen mit einer bezahlten Arbeit” (4,3 Mio.) gebe. Dass die Demographie in Osteuropa sogar noch problematischer ist als bei uns, ist zwar bekannt. Aber so schlimm? Das kann ja nur das Werk der neoliberalen Weltverschwörung sein:

Der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft kostete Millionen Menschen den Arbeitsplatz. In den beiden Jahren der Rezession in Folge der Finanzkrise, 2009 und 2010, wurden erneut hunderttausende Stellen gestrichen.

Herauszufinden wie es tatsächlich aussieht, hätte den AFP-Redakteur 5 Minuten Recherche gekostet - aber die waren wohl gerade nicht übrig: Laut Eurostat sank die Zahl der Erwerbstätigen in Rumänien von 1997 (älteste verfügbare Daten) bis 2012 gerade einmal von 11,0 auf 9,3 Millionen. Von denen sind 6,3 Millionen Arbeitnehmer. Die Zahl der Rentner ist nicht so leicht herauszubekommen. Aber da es nach Eurostat in Rumänien überhaupt nur 4,5 Millionen Personen im Alter von mehr als 60 Jahren gibt, erscheint es naheliegend, dass mit den Zahlen der rumänischen Zeitung etwas nicht stimmen kann.

Einen Kommentar verfassen