Ostgehälter

Wie das Statistische Landesamt Sachsen meldet, betrug das durchschnittliche Gehalt eines sächsischen Arbeitnehmers im Jahr 2006 2.069 Euro im Monat, wobei “marginale” Beschäftigung (Minijobs, 1-Euro-Jobs) herausgerechnet wurde. Im Bundesdurchschnitt seien es 2.618 Euro gewesen. Der Nachrichtenagentur ddp klang das alles wohl etwas zu unaufgeregt und titelte daher “Kaum noch Angleichung der Ost-Gehälter an West-Niveau“. Da dürfte es wohl nicht lange dauern, bis der nächste Linkspolitiker Gerechtigkeit fordert.

Nun können aber die Ergebnisse der sächsischen Statistiker die ddp-Schlagzeile gar nicht stützen. Im Gegenteil: Während in Sachsen der Verdienst im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent zunahm, stieg er in Gesamtdeutschland nur um 1,1 Prozent. Es hat also durchaus eine Angleichung stattgefunden.

Das Gehaltsniveau bietet auch keine Anhaltspunkte für eine Benachteiligung. Zwar liegt der Verdienst im Osten niedriger, dafür ist aber der Produktivitätsunterschied noch größer. Wie sich aus den Angaben hier und hier unschwer errechnen lässt, lag 2006 das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigenstunde in Sachsen bei 30,80 Euro. Das entsprach 74,3 Prozent des gesamtdeutschen Wertes von 41,47 Euro. Die sächsischen Gehälter dagegen erreichten 79 Prozent des gesamtdeutschen Niveaus.

Update: Da ist auch schon der erste, der eine Angleichung einfordert:

Arbeitsminister Thomas Jurk (SPD) appellierte angesichts der jüngsten Daten, die Arbeitgeber sollten bei den nächsten Tarifrunden die sich nur langsam schließende Ost-West-Schere im Blick haben. «Märkte und Kunden gewinnt man mit klugen Köpfen und nicht mit billigen Löhnen»

Ganz unrecht hat er ja nicht, aber manche Märkte gewinnt man eben nur mit  niedrigen Preisen. Da sind hohe Löhne nicht gerade hilfreich.

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