Der böse Niedriglohnsektor

Fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor, so lautet das Ergebnis einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ). Das sei, so beeilte sich der DGB zu erklären, “besorgniserregend” und ein Signal für Mindestlöhne “auf breiter Front”. Die Ursache, so das DGB-Vorstandsmitglied Buntenbach, sei die “Geiz-ist-geil”-Mentalität in der Wirtschaft und die Hartz-Gesetze.

Da hat Frau Buntenbach wohl einiges nicht mitbekommen. Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist weniger in der Wirtschaft als vielmehr bei den Verbrauchern zu suchen. Überhaupt verstehe ich nicht, was daran zu kritisieren ist, wenn Individuen oder Unternehmen sich vollkommen rational verhalten und stets das günstigste kaufen. Das ist doch überhaupt die Grundlage der Marktwirtschaft. Ohne diese Rationalität gäbe es keine Innovationen, keinen Fortschritt und keinen steigenden Wohlstand. Wer die “Mentalität” der Menschen kritisiert, zeigt nur, dass er nicht in der Lage ist, die souveränen Entscheidungen mündiger Bürger zu akzeptieren. Er zeigt damit, dass er den Menschen gerne vorschreiben möchte, was sie gut zu finden haben.

Wie dem auch sei, die Höhe des Anteils der Niedriglohnbeschäftigung sollte man ohnehin nicht überinterpretieren. Jedenfalls nicht, ohne vorher zu schauen, was denn als Niedriglohnbeschäftigung definiert ist. In Westdeutschland ist das in der fraglichen Studie ein Bruttostundenlohn von knapp 10 Euro. Persönlich habe ich eine andere Auffassung von Niedriglohn, aber gut - da denkt ja auch jeder anders.

Dass die Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland gestiegen ist, kann wohl kaum in Abrede gestellt werden. Das haben auch schon andere Untersuchungen zu dem Thema ergeben. Berücksichtigt werde muss dann aber auch, dass die Beschäftigung in Deutschland gestiegen ist. In den letzten 10 Jahren sind hierzulande 2,8 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Darunter sind eben auch viele, die nicht besonders gut bezahlt werden. Das ist nicht zwingend eine schlechte Nachricht, eigentlich ist es ein beschäftigungspolitischer Erfolg. Es ist gelungen, niedrigproduktive Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Je mehr die Hartz IV-Arbeitslosigkeit sinkt, desto größer wird der Anteil des Niedriglohnsektors.

Das ist aber allemal besser als eine gleichbleibend hohe Arbeitslosigkeit. Die Gewerkschaft möchte gern alles auf einmal: sinkende Arbeitslosigkeit und hohe Löhne. Dabei ist es offenkundig, dass ein Arbeitnehmer nur so viel verdienen kann, wie er dem Unternehmen mit seiner Arbeit einbringt. Daran wird auch ein gesetzlicher Mindestlohn nichts ändern.

2 Kommentare zu “Der böse Niedriglohnsektor”

  1. Muriel sagt:

    Hach. Einerseits offensichtlich. Andererseits wärmt es jedes Mal mein Herz, wenn ich es irgendwo so deutlich lese. Danke!

  2. Holger sagt:

    Gern geschehen :-)

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