Die Mär von den zunehmenden Befristungen

Es gibt Vorurteile, die sind nahezu unausrottbar. Wie beispielsweise die Überzeugung, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse immer mehr zunehmen und “normale” sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse immer seltener werden. Das trifft im großen und Ganzen zwar zu, liegt aber fast ausschließlich am Boom der Teilzeitarbeit.

Dennoch sind viele der Überzeugung, dass alle atypischen Erwerbsformen, so z.B. auch die Befristungen, beständig zunehmen. Tatsächlich ist der Anteil der befristeten Beschäftigung seit Jahrzehnten nahezu unverändert und liegt bei rund 8 bis 9 Prozent. Ab dem Jahr 2005 stieg er zwar auf über 10 Prozent an, dies hat jedoch rein statistisch-methodische Gründe: Bis 2004 wurde der Mikrozensus, auf dessen Grundlage die Befristungsquote errechnet werden kann, im Frühjahr erhoben. Seit 2005 wurde auf eine gleichförmige unterjährige Erhebungsweise umgestellt. Vorjahresvergleiche lassen sich demzufolge nicht anstellen. Wird die Befristungsquote auf Basis anderer Datenquellen wie dem Sozio-ökonomischen Panel errechnet, zeigt sich, dass sie in den letzten 20 Jahren weitgehend unverändert blieb.

Die meisten Befristungen gibt es im Übrigen bei jüngeren Akademikern im Sektor “öffentliche Verwaltung”. Insofern trifft es keine Benachteiligten, denn Hochschulabsolventen haben in der Regel keine größeren Arbeitsmarktprobleme. Bei Facharbeitern und Älteren sinkt die Befristungsquote auf deutlich unterdurchschnittliche Werte ab.

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