Die 3. Liga der Energiepolitik

Bisweilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die deutsche Energiepolitik stümperhaft und von Amateuren betrieben wird. Zum Beispiel wenn sich der Staatsseketär im Umweltministerium Michael Müller über die Gaspreise verbreitet.

Die Preisbindung von Gas an das Öl sei nicht mehr “zeitgemäß”, ist da zu lesen. Die EU solle an einer Strategie arbeiten, die eine “kostengerechte” Preisentwicklung garantiere, die “spekulative Überhöhungen” ausschließe.

Überhöhte Preise gibt es vor allem dann, wenn es keinen funktionierenden Markt gibt. Nun kann aber der Rohölmarkt eigentlich nicht als ineffizient bezeichnet werden. Wir haben zwar mit der OPEC ein Anbieterkartell, das hat aber erstens den Markt nicht vollständig im Griff und zweitens mit den jüngsten Preissteigerungen wenig zu tun. Im großen und ganzen funktioniert der Markt recht gut, steigende Nachfrage führt zu steigenden Preisen und umgekehrt, man kann Terminkontrakte handeln usw.

Hätten wir also einen besser funktionierenden Markt für Gas, wenn wir die Ölpreisbindung aufgäben? Wohl kaum! Denn der Gasmarkt wird von einem einzigen Anbieter beherrscht (den Russen), deren Monolstellung kurzfristig nicht umgangen werden kann. Warum um alles in der Welt meint denn der Staatssekretär Michael Müller, dass sich der Gaspreis für uns als Nachfrager günstiger entwickelt, wenn wir das Oligopol auf dem Rohölmarkt gegen ein Monopol auf dem Gasmarkt eintauschen?

Ein “kostengerechter” Preis ist der Traum aller Menschen, die nicht verstehen, dass Preise Knappheitssignale sind. Warum sollten die Russen ihr Gas für die Produktionskosten plus einen kleinen Gewinn verkaufen, wenn wir bereit oder gezwungen sind, ihnen auch mehr dafür zu bezahlen? Ein knappes und begehrtes Gut wird nun einmal teuer, das hat mit Produktionskosten nur bedingt etwas zu tun. Der Herr Staatssekretär stellt sich vielleicht vor, wie er höchstpersönlich in Moskau einen Rabatt aushandelt und in Berlin aus dem Flugzeug steigt und verkündet “Der Gaspreis ist gerettet”.

So wird es nicht kommen. Gerade das Fehlen der grundlegenden Strukturen für einen Gasmarkt war es, der die Orientierung des Gaspreises am Ölpreis sinnvoll machte und macht. Wenn man etwas gegen hohe Energiepreise tun will, muss man Strukturen für mehr Wettbewerb schaffen, z.B. indem man eine Infrastruktur für Flüssiggasimporte schafft, die dann von jeweils günstigsten Anbieter bezogen werden können.

Wenn man wirklich an niedrigeren Gaspreisen und nicht nur am Wählerstimmenfang interessiert ist, könnte man natürlich auch die Steuern senken, die rund 30 Prozent des Endpreises ausmachen. Aber genau das will ja das Umweltministerium nicht. Im Gegenteil, man versucht, durch die Besteuerung den Energieverbrauch zu senken. An dieser Stelle hat das Umweltministerium mit dem Knappheitssignal Preis offenkundig kein Verständnisproblem.

2 Kommentare zu “Die 3. Liga der Energiepolitik”

  1. Stromtarife, Stromanbieter Vergleich, Strompreise, Stromvergleich sagt:

    Gaspreiserhöhung um 40%?!…

    Wir haben an anderer Stelle ja schon über die Gaspreiserhöhung um bis zu 25% berichtet. “Damals” gab es schon einen riesen Aufschrei, doch was ich gestern im Radio hören musste, hat mir glatt die Sprache verschlagen: Laut dem Umweltminis…

  2. [zeitcollector] » Blog Archive » Gaspreis und Ölpreisbindung (2) sagt:

    […] Neues aus Westsibirien ein lesenswerter Artikel zur Ölpreisbindung. In diesem Artikel wird die Ölpreisbindung nicht so negativ gesehen. Hätten wir also […]

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