Das Internet und die armen Kinder

Die “digitale Spaltung” der Gesellschaft ist längst Realität, so lautet eine These eines Artikels von Kurt Sagatz im “Tagesspiegel”. Menschen mit höherem Einkommen seien häufiger online als solche mit niedrigem Einkommen. Da zeige sich eine “strukturelle Benachteiligung”, insbesondere bei Kindern. Internetzugang bedeute Chancengleichheit. Arme Kinder ohne Internet bleiben dumm und damit auch arm, so etwa die Argumentation.

Um dem Missstand abzuhelfen, sollen Kindergärten, Jugendhilfe und Schulen Zugang zu “digitalen Medien” ermöglichen, wofür man - klar - finanzielle Förderung benötige.

Dass der finanzielle Aspekt aber gar nicht das Entscheidende ist, wird in dem Artikel auch gesagt, man muss es aber zwischen den Zeilen lesen. Zwischen der ganzen Benachteiligungsrhetorik findet sich die Information, dass Hauptschüler seltener als Gymnasiasten einen PC besitzen, dafür aber häufiger Spielkonsolen. Nun kostet eine Spielkonsole rund 200 bis 400 Euro. Dazu kommt das Geld für Spiele, die wohl auch nicht ganz billig sind. Einen internetfähigen PC bekommt man bei ebay auch für 200 Euro, für 400 Euro kriegt man schon etwas Ordentliches. Als Software kann man ein kostenloses Linux einsetzen und der DSL-Anschluss kostet auch nicht mehr die Welt. Insgesamt betrachtet dürfte Internet kaum teurer sein als eine Spielkonsole, was man auch schon daran merkt, wie viele Hartz IV-Empfänger sich im Internet bewegen.

Mehr Geld wird also kaum etwas bringen. Der Grund für Hauptschüler, lieber Playstation zu spielen statt im Internet zu surfen, dürfte eher an mangelndem Interesse liegen. Dieses Interesse weckt man aber nicht damit, den Kindern und Jugendlichen einen staatlich subventionierten PC hinzustellen. Und ich habe auch größte Zweifel, ob es etwas bringt, wenn Medienpädagogen versuchen, den Kindern den verantwortlichen Umgang mit dem Internet beizubringen.

Interesse am Internet als Informationsmedium entsteht nur, wenn überhaupt ein Interesse an den Informationen besteht, die es im Internet, aber in ähnlicher Form auch anderswo gibt. Wer sich nicht für Nachrichten interessiert, dessen Interessenlage ändert sich nicht, nur weil er die Nachrichten jetzt auch im Internet lesen kann. Und wer ein neues Interesse an Nachrichten entwickelt, der wird im Internet auch ohne medienpädagogische Begleitung schnell fündig. Persistente Armut ist ein Problem der Bildungsarmut. Am fehlenden Internet liegt es sicher nicht.

Ein Kommentar zu “Das Internet und die armen Kinder”

  1. zeitcollector sagt:

    Aus meiner Sicht zutreffend beschrieben! Ein subventionierter PC würde wahrscheinlich auch für Spiele eingesetzt und wenn er wg. einer nicht so schnellen Grafikkarte dafür nicht geeignet ist, wohl links liegen gelassen.
    In den meisten Haushalten gibt es PC’s, oft mehrere - es kommt darauf an, was man damit macht - wie bei vielen anderen Dingen auch. Ein Fernsehgerät führt auch nicht automatisch zu mehr Information - man muss auch die entsprechenden Sendungen sehen wollen.

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