Kaum Chancen

3. Juni 2013

“Ältere Arbeitslose haben kaum Jobchancen”, titelt “Spiegel Online” und beruft sich auf einen Zeitungsartikel, der Zahlen des Arbeitsministeriums widergibt, die aufgrund einer Anfrage der Grünen ermittelt wurden. In der langen Kette der Informationsweitergabe ist aber wohl einiges verloren gegangen.

Denn das fragliche Programm “Perspektive 50plus”, dessen Daten ausgewertet wurden,  richtet sich keineswegs an ältere Arbeitslose im Allgemeinen, sondern an langzeitarbeitslose ältere Hartz IV-Empfänger. Das hätte man in 3 Minuten auf der Internetseite des Programms herausfinden können - wenn man denn will.

Die Jobchancen der älteren langzeitarbeitslosen Hartz IV-Empfänger sind in der Tat überschaubar. Aber ob das - wie uns Brigitte Pothmer von den Grünen weismachen will - wirklich allein daran liegt, dass Arbeitgeber die Arbeitslosen mutwilig links liegen lassen, erscheint doch fraglich. Über die Gründe, warum die mit dem Programm begründeten Beschäftigungsverhältnisse nicht nachhaltig sind, erfährt der Leser jedenfalls nichts außer substanzlose Vermutungen.

Autistische Redaktion

30. Mai 2013

Man muss ja den Eindruck bekommen, dass in der “Spiegel Online”-Redaktion keiner miteinander redet. Wie ist es anders zu erklären, dass SPON so gebetsmühlenhaft wie sachlich falsch immer wieder behauptet, in Südeuropa sei die Hälfte der Jugendlichen arbeitslos? Und währenddessen weiß Alexander Demling offenkundig als einziger, dass das überhaupt nicht stimmt. Aber anscheinend sagt er’s seinen Kollegen nicht. Warum nur?

Währenddessen entdeckt ein namenloser Redakteur von SPON sogar schon den arbeitslosen Arbeitnehmer(!)

Immer mehr .. Unwahrheiten

25. Februar 2013

Die “Saarbrücker Zeitung” mutiert immer mehr zum Zentralorgan der Linkspartei. Die beliebte Masche geht so: Es wird eine vollkommen aus dem Zusammenhang gerissene Zahl aus der Arbeitsmarktstatistik herangezogen, sinnentstellend skandalisiert und mit wohlfeilen Kommentaren von Linkspartei-Politikern versehen - fertig ist der Artikel. Der jüngste Vorfall ist exemplarisch: “Immer mehr” Empfänger von Arbeitslosengeld müssten zusätzlich Arbeitslosengeld II beziehen. Dazu die Linkspartei: Folge des Niedriglohnsektors!

Tatsächlich nimmt der Anteil des Niedriglohnsektors seit 2007 nicht mehr zu, sondern verharrt auf konstantem Niveau. Vor allem aber ist der angebliche steigende Trend bei den Arbeitslosengeld-Aufstockern eine Erfindung der Saarbrücker Zeitung. In Wahrheit liegt die Zahl zwar über der des Vorjahrs, davon abgesehen aber auf dem zweitniedrigsten Stand seit Einführung des Arbeitslosengeldes II. Von steigender Tendenz keine Spur.

Arbeitslosengeld II - Empfänger mit gleichzeitigem Bezug von Arbeitslosengeld (Sept.):
2012: 84.514
2011: 74.273
2010: 88.300
2009: 120.884
2008: 97.374
2007: 101.054
Für die Jahre 2006 und 2005 liegen nur Jahresdurchschnitte vor: 135.791 bzw. 146.815
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Skandal: Bundeswehr kauft Waffen!

25. Januar 2013

Spiegel Online” hat einen veritablen Skandal aufgedeckt, der bei den Linken auch sogleich für Empörung gesorgt hat: Schlimm genug, dass es die Bundeswehr überhaupt gibt, aber jetzt will sie auch noch Waffen kaufen, um damit den Gegner zu bekämpfen! So hat sich das der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko nicht vorgestellt. Er will der Absicht, bewaffnete Drohnen einzusetzen, “vehement” entgegentreten. Schon die bereits im Einsatz befindlichen Aufklärungsdrohnen sehe er kritisch.

Die Initiative kann man nur unterstützen. Das ist ja nun auch ein ganz schlechter Stil, den friedlichen Taliban einfach in den Vorgarten zu gucken. Aber dass nun auch noch Waffen eingesetzt werden sollen, schlägt dem Fass den Boden aus. Dafür ist die Bundeswehr doch nun wirklich nicht gedacht.

Sparmaßnahmen

24. Januar 2013

Im Zuge der Sparmaßnahmen, die wegen der drohenden Pleite bei der Nachrichtenagentur dapd ergriffen werden mussten, ist man offenkundig über das Ziel hinausgeschossen. Anscheinend hat man alle des Deutschen mächtige Redakteure aus Kostengründen gefeuert und dafür ein Rudel Grundschüler eingestellt, die die Agentur als Nachmittagsprojekt weiterbetreiben. Oder wie sind sonst solche Klopper zu erklären?

dapd-Meldung

und nein, das was kein Tippfehler, sondern Absicht:

dapd-Meldung 2

Prioritäten

21. Januar 2013

Da soll noch einer sagen, unsere Kommunalpolitker wären nicht in der Lage, Prioritäten zu setzen. Da mangelt es dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf so sehr an Mitarbeitern im Bafög-Amt, dass das Amt wochenlang geschlossen werden muss, um “Anträge abzuarbeiten”. Schüler und Studenten, die mitunter existenziell auf das Geld angewiesen sind, müssen halt sehen wo sie bleiben.

Während im Befög-Amt Mangel herrscht, gibt es an anderer Stelle offenkundig keine Personalprobleme: Laut Stadtrat Marc Schulte wird das Heizpilzverbot im Bezirk “relativ konsequent” durchgesetzt - was schon was heißt in einer Stadt, in der so gut wie nie irgendwelche Regeln durchgesetzt werden. Und des Klimaketzers auf dem Kurfürstendamm, der sich erdreistet bei Schnee und Eis den Bürgersteig zu beheizen, nimmt sich der SPD-Stadtrat Schulte sogar persönlich an. Er will den Fall “nochmals prüfen”. Da kann man schon verstehen, dass er keine Zeit und kein Geld mehr für die Bearbeitung von Bafög-Anträgen übrig hat.

Schlechte Demokraten

17. Dezember 2012

Christoph Neidhart erregt sich in seinem Kommentar in der “Süddeutschen Zeitung” über das Ergebnis der Parlamentswahl in Japan. Die wollen doch einfach nicht links wählen, die kleinen gelben Bastarde. Schlechte Demokraten, die Inselbewohner. Da muss ja - na klar - mindestens der CIA seine schmutzigen Finger im Spiel haben.

Müßig

13. September 2012

Stefan Kornelius kommentiert in der “Süddeutschen Zeitung” die - angeblich durch einen islamkritischen Film provozierten - Attacken fanatischer Muslime auf US-Botschaften, bei denen mehrere Botschaftsangehörige getötet wurden. Dabei entgleiten ihm derart die Maßstäbe, dass einem der Atem stockt. So behauptet er allen Ernstes:

Es ist müßig, hier nach Tätern und Opfern zu unterscheiden. Diesmal ging die Provokation von amerikanischen Extremisten aus, islamistische Fanatiker haben sie angenommen und nicht minder radikal zurückgezahlt.

Nein, Herr Kornelius. Es ist keineswegs müßig, Täter und Opfer ganz klar zu benennen. Wer von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch macht, ist kein Täter. Es ist vielmehr jedermanns gutes Recht, sich kritisch über Religionen zu äußern. Ob man die Kritik teilt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Wer meint, das nicht ertragen zu können und deshalb gewalttätig wird, der ist Täter. Wer Kritik an einer Religion auf die gleiche Stufe stellt wie das Wüten eines mörderischen Mobs, der macht sich die Sache der Täter zu eigen. Im vorliegenden Fall sind die Rollen klar verteilt. Ungeachtet dessen, was Herr Kornelius uns weismachen will, ist der Tod von vier Menschen nicht das gemeinsame Werk “jüdischer, christlicher und muslimischer Fanatiker”, sondern einzig und allein das Werk fanatischer Muslime. Es ist überhaupt nicht müßig, das einmal klar zu sagen.

Irrungen und Wirrungen: Was ist ein Niedriglohn?

31. Juli 2012

Der Niedriglohnsektor wird kontrovers diskutiert. Dabei wird häufig übersehen, dass mitunter ganz unterschiedliche Definitionen des Begriffs Niedriglohn in Gebrauch sind. Daraus erklären sich so einige Ungereimtheiten.

Eine Möglichkeit der Definition, von der das Statistische Bundesamt unlängst Gebrauch gemacht hat, ist die Festlegung einer festen Grenze - im fraglichen Fall von 8,50 Euro brutto pro Stunde. Demnach verdienen 11 Prozent der Beschäftigten unter dieser Grenze. Datenquelle ist die Verdienststrukturerhebung, eine Stichprobe von über 30.000 Betrieben.  Dabei konnte das Bundesamt nur Arbeitnehmer in Betrieben mit 10 und mehr Beschäftigten betrachten - eine nicht ganz unwesentliche Einschränkung.

Eine gebräuchlichere Definition ist, einen Bruttostundenlohn von unter 2/3 des Medianstundenlohns als ein Niedriglohn anzusehen. Diese relative Grenze lag 2010 bei rund 9 Euro brutto pro Stunde, was zu einem Niedriglohnanteil von gut 20 Prozent führt. Diesen Schätzungen liegt das “Sozio-ökonomische Panel” zugrunde, eine jährliche Befragung von rund 20.000 Personen. Grundlage sind alle abhängig Erwerbstätigen (ohne Auszubildende), d.h. einschließlich der Mini-Jobber, die besonders häufig zu einem Niedriglohn arbeiten.

Die gleiche Definition, aber einen völlig anderen Berichtskreis wendet die Bundesagentur für Arbeit an. Sie verwendet als Datenquelle die Beschäftigtenstatistik, ein Register aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Das hat den Vorteil, dass man nicht mit einer Stichprobe rechnen muss. Die Beschäftigtenstatistik hat aber auch gewichtige Nachteile: Erstens umfasst sie nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, also keine Beamte und keine Mini-Jobber. Damit fällt ein wichtiges Niedriglohnsegment vollkommen aus der Betrachtung heraus.

Zweitens werden in der Beschäftigtenstatistik keine Arbeitszeiten erfasst. Die Arbeitgeber, auf deren Meldungen zur Sozialversicherung die Statistik basiert, unterscheiden nur grob zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Mangels Angaben über die Arbeitszeit lassen sich mit der Beschäftigtenstatistik keine Stundenlöhne berechnen. Damit ist sie für Analysen zum Niedriglohnsektor - dessen Definition auf einer Stundenlohngrenze beruht - weitgehend ungeeignet.

Forscher, die dennoch mit der Beschäftigtenstatistik rechnen wollen, behelfen sich mit einem Trick: Sie betrachten nur die Vollzeitbeschäftigten - unter der reichlich gewagten Annahme, dass diese ungefähr die gleichen Arbeitszeiten haben. Wenn man aber nur die sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten betrachtet, beschränkt man seinen Berichtskreis auf ein Segment, in dem typischerweise recht hohe Löhne gezahlt werden.

Dementsprechend hoch ist die Niedriglohngrenze von 2/3 des mittleren Lohns, wobei man sich mangels Informationen zum Stundenlohn auf den Bruttomonatslohn fokussiert. Die liegt nämlich bei 1.802 Euro brutto pro Monat. Da kann man schon mal hinterfragen, ob so ein Lohn noch mit Fug und Recht als Niedriglohn bezeichnet werden kann. Immerhin resultiert daraus bei einer 39-Stunden-Woche ein Stundenlohn von 10,70 Euro!

Entlarvend ist  in diesem Kontext die Ahnungslosigkeit des “Linken-Chefs” Bernd Riexinger, der reflexartig und beflissen über Ausbeutung und Mindestlohn fabulierte. Was er wohl nicht bemerkt hat: Selbst der von den Linken geforderte Mindestlohn von 10 Euro brutto in der Stunde würde nicht reichen, um die von der Bundesagentur nach oben gerechnete Niedriglohnschwelle zu überschreiten.

Immer mehr - oder immer weniger?

8. Juni 2012

“immer mehr Deutsche machen sich selbstständig”, meldet Spiegel Online. Stimmt aber gar nicht. Stattdessen hätte die Meldung lauten müssen: “Spiegel Online recherchiert immer weniger und schreibt immer mehr nur unreflektiert von Anderen ab” (na gut, manchmal wird auch etwas hinzugedichtet).

Denn der fragliche Artikel beruht auf einer Statistik des “Bundesverbandes der freien Berufe”, die Spiegel Online nicht einmal selbst vorliegt, sondern deren Angaben lediglich vom “Handelsblatt” abgeschrieben worden sind. Nun ist diese Verbandsstatistik aber gar keine verlässliche Quelle über die Anzahl der Selbstständigen in Deutschland, sondern lediglich eine Schätzung der Zahl der Freiberufler. Freiberufler sind - das hat sich offensichtlich noch nicht überall herumgesprochen - nur ein Teil der Selbstständigen insgesamt. Wer eine Frittenbude betreibt, ist zwar selbstständig, aber eben nicht als Freiberufler.

Die Zahl der Selbstständigen insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Von 2005 bis 2010 gab es eine Steigerung um 179.000. Damit war die Dynamik geringer als bei den abhängig Beschäftigten, deren Zahl erheblich stärker stieg. So sank denn auch der Selbstständigenanteil an allen Erwerbstätigen von 11,2 auf 10,9 Prozent. Und auch der Anteil der Selbstständigen ohne Beschäftigte ging von 6,3 auf 6,1 Prozent zurück.

“Immer weniger Erwerbstätige in Deutschland sind selbstständig”, hätte die Schlagzeile also korrekt lauten müssen. Aber die 5 Minuten Recherche, die erforderlich gewesen wären um das herauszufinden, waren wohl gerade nicht übrig.