Unterm Strich zähl ich..

.. so lautet der Werbespruch der Postbank. Gemeint ist aber wohl nicht der Kunde, sondern die Postbank selbst. Anders ist nicht zu erklären, warum ihr Vorstand Michael Meyer die Deutschen mit einer (weiteren) Zwangs-Altersversorgung beglücken will.

Ausgangspunkt ist eine Postbank-Studie, derzufolge die Deutschen zwar wissen, dass die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht, gleichzeitig aber kaum etwas für die private Vorsorge tun. Dies könne daran liegen, dass das Vetrauen der Bürger in den Staat dank steigender Steuereinnahmen gestiegen sei, oder daran, dass die Bürger einfach nichts von diesen Dingen wissen wollen. Dafür spreche, dass nur wenige eine diesbezügliche Beratung der Banken wahrnehmen. In der Konsequenz sei “eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge angezeigt”, so Postbank-Vorstand Meyer.

Ich fürchte, dass bei der Untersuchung einige alternative Erklärungen für das auf den ersten Blick widersprüchliche Verhalten der Bürger nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Möglicherweise fehlen den Bürgern ja einfach die Mittel für mehr private Vorsorge. Das wäre ja nicht unplausibel angesichts der Tatsache, dass bereits 20 Prozent dessen, was ein Arbeitnehmer erwirtschaftet, in die staatliche Zwangsaltersvorsorge fließt. Wobei diese bekanntlich nicht einmal eine echte Vorsorge ist, sondern eine verkappte Steuer, mit der die Bestandsrentner - mitunter durchaus üppig - versorgt werden. Und auch an anderer Stelle sind die Steuern und Abgaben nicht gerade gesunken. Die sprudelnden Einnahmen, die angeblich das Vertrauen in die staatliche Vorsorge stärken, kommen ja nicht von ungefähr.

Eine andere, aktuell in besonderem Maße einleuchtende Erklärung wäre, dass die Bürger den Banken nicht vertrauen, was das Management ihrer Altersvorsorge betrifft und deshalb ihr Vertrauen notgedrungen in den Staat setzen.

Welche Erklärung letztlich auch zutrifft - einen gesetzlichen Zwang zur privaten Vorsorge kann man daraus nicht ableiten. Die implizite Vermutung, die Erwerbstätigen würden ihr Geld verprassen, um im Alter von der Wohlfahrt zu leben, ist lächerlich. Gerade die Deutschen sind risikoaverse Wesen, die einen stetigen Einkommensstrom - auch wenn er das Einkommen schmälert - einem unregelmäßigem Einkommensstrom vorziehen. Darum gibt es breiten Zuspruch zu Elementen der sozialen Sicherung, selbst wenn diese deutlich auf Kosten der Effizienz gehen. Warum sollte diese Charaktereigenschaft im Alter plötzlich verloren gehen?

Ein gesetzlicher Zwang zur privaten Vorsorge nützt nur einem: Banken, deren Produkte zur Altersvorsorge wie Blei in den Regalen liegen. Genausogut könnte man einen Zwang zum Kauf von Bio-Gemüse einführen wollen (”ist ja gesund!”).

Ein Kommentar zu “Unterm Strich zähl ich..”

  1. zeitcollector sagt:

    Die derzeitige Krise am Finanzmarkt wird noch mehr Menschen davon abhalten, die Produkte der Banken und Versicherungen zu kaufen. Die Renditen der Lebens- und Rentenversicherungen werden auch davon betroffen. Das ist nur noch nicht publik geworden.

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