Einigermaßen anständig

9 Euro Bruttostundenlohn seien in Deutschland nötig, um davon “einigermaßen” leben zu können - meint der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Deshalb sei ein gesetzlicher Mindestlohn in dieser Höhe anzusetzen. Die Linkspartei setzt - wenig überraschend - noch einen drauf und fordert 10 Euro. Kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis der erste 12 Euro fordert.

9 Euro in der Stunde entspricht bei einer Vollzeitbeschäftigung mit 39 Stunden in der Woche einem Bruttomonatslohn von rund 1.500 Euro. Einem Alleinstehenden bleiben davon ca. 1.080 Euro netto. Der Gesetzgeber hält einen solchen Arbeitnehmer offenkundig für ausreichend leistungsfähig, denn er knöpft ihm 127 Euro Einkommensteuer ab. Ein Anspruch auf ergänzende Transfers besteht nicht.

Man wird den Eindruck nicht los, dass die Gewerkschaftsfunktionäre und Salonkommunisten sich so weit in ihrer Latte-Macchiato- und Krabbencocktail-Welt verloren haben, dass sie die Realitäten dort draußen nicht mehr wahrnehmen. Wie soll man mit 800 Euro netto anständig leben, wo doch der Cappu beim Starbucks schon 3 Euro kostet? Sie können es sich offenkundig nicht vorstellen, dass man sich durchaus für 3 Euro ein brauchbares Mittagessen kochen kann oder dass eine Tasse Tee für wenige Cent zu haben ist.

Vor allem aber scheinen sie jeden Sinn dafür verloren zu haben, dass die Löhne, die sie fordern, erst einmal erwirtschaftet werden müssen - und zwar vom Arbeitnehmer. Manche Friseurin, mancher Schuhverkäufer oder Verkäuferin im Kiosk wird schlicht und einfach gar nicht genug Umsatz erwirtschaften können, um damit die eigenen Lohnkosten - die sich noch um diverse Arbeitgeberbeiträge erhöhen - begleichen zu können. Diesen Menschen schlägt die Verachtung der edlen Linken kalt ins Gesicht: “Wir wollen nicht, dass ihr für so wenig Geld arbeitet - seid lieber arbeitslos!”

4 Kommentare zu “Einigermaßen anständig”

  1. Sisyphos sagt:

    Wenn jemand mit seiner Arbeit die Löhne nicht erwirtschaften kann, um damit halbwegs normal leben zu können (mit 800 EUR netto geht es nicht um Cappu für 3 EUR - wenn davon 400 EUR für die Wohnung weggehen, geht es um viel mehr als um einen Cappu), dann stellt sich die Frage, ob das Preisniveau allgemein zu hoch ist, um von 800 EUR leben zu können. Stell mal ein Budget für einen Monat auf Basis von 800 EUR auf - das wird selbst für einen Singlehaushalt an vielen Ecken knirschen.

  2. Holger sagt:

    Dass es knirscht, bestreitet niemand. Deshalb sollte man durchaus Maßnahmen ergreifen, damit Menschen mit solch geringen Löhnen ihren Verdienst steigern können. Das erreiche ich aber nicht mit Mindestlöhnen, sondern mit der Steigerung der individuellen Produktivität - vor allem durch Qualifizierung.

  3. Michael von Prollius sagt:

    Ein sehr schöner Artikel!
    @Sisiphos
    Es scheint so leicht zu sein, Löhne die sich auf einem Markt nicht bilden, einfach zu befehlen. Allerdings hat dieser Befehl Folgen:
    - Arbeitslosigkeit, für diejenigen, deren Arbeitsleistung den Arbeitgebern weniger als der Mindestlohn von beispielsweise 9 Euro wert ist.
    - Höhere Preise für die Kunden, falls der Arbeitgeber die höheren Kosten weitergeben kann.
    - Infolgedessen geht die Nachfrage zurück - mehr Menschen schneiden sich die Haare vielleicht selbst.
    - Infolgedessen ein vermindertes Angebot oder eine Verschiebung auf schwarze Märkte und damit Kriminalisierung der Marktteilnehmer.
    - Aber auch Stärkung von Monopolisten wie das Beispiel Post zeigt.
    Deshalb “Finger weg!” von der Politisierung der Tauschbeziehungen.

  4. Rudi sagt:

    …tja; Herr Sommer hat bei (EIGENE ANGABE IM INTERNET) 11.200,- Euro Gehalt gut lachen….. Von einem so hohen Ross aus könnte ich auch im vollen Galopp noch von 20,- Euro Mindestlohn tönen :-) ….. und wäre dann aber mit eben diesen 20,- Euro noch nicht in seinem Gehaltsbereich hinein ‘getrabt’…… So ignorant möchte ich einmal sein, dann sterbe ich dereinst mit dem Hirnvolumen eines Kleinkindes und bekomme meinen eigenen Tod vielleicht gar nicht mit…. Und bis dahin bin ich Reiter auf einem besonders hohen Pferd gewesen ;-) Mit einem Stundenlohn von knapp 67,- (!) Euro

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