Hellas’ Rettung: Der Mindestlohn! In Deutschland!

Ein origineller Beitrag zur Rettung Griechenlands aus der fiskalischen Misere kommt von Dirk Hierschel, Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Grund für die Probleme seien - neben bösen Spekulanten - die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Frankreichs. Dagegen hätten Spanier, Italiener und Griechen keine Chance. Die Griechen plagt das Problem, dass ihre Lohnstückkosten weit stärker gestiegen sind als die in Deutschland. Mithin würden griechische Waren immer weniger attraktiv. Schuld seien allerdings nicht die zu hohen Lohnsteigerungen insgesamt, sondern die “Lohnzuwächse weniger Spitzenverdiener”.

Wem diese Analyse irgendwie schräg erscheint, der warte ab, was der Gewerkschaftsökonom als Therapie empfiehlt: Um griechische Waren wieder wettbewerbsfähig zu machen, müssen in Deutschland Löhne und Staatsausgaben steigen. Dann könnten die Griechen auch wieder mehr nach Deutschland exportieren. Nach dieser Logik geht es dem Kranken gleich besser, wenn sein Nachbar auch krank wird. Oder anders: Wir müssen Deutschland nur noch nachhaltiger ruinieren als es die Griechen mit ihrem Land getan haben. Dann sind sie wieder wettbewerbsfähig.

Dann müssen wir ja nur noch den Rest der Welt davon überzeugen, es uns nachzutun und alles ist in Butter.

3 Kommentare zu “Hellas’ Rettung: Der Mindestlohn! In Deutschland!”

  1. Anon sagt:

    Wer Dierk Hirschel nicht traut, wird vielleicht Paul Krugman glauben. Der ist zwar auch böse und links und ein bisschen keynsianisch, aber hat einen Wirtschaftsnobelpreis und vielleicht stimmt es auch manch liberalen sanftmütiger. Ansonsten kann man auch einfach auf die Kraft der Argumente Vertrauen. Seine sind gar nicht so schlecht, z.B. hier

    http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/02/09/anatomy-of-a-euromess/

  2. Muriel sagt:

    Ob die Vertreter des DGB wohl auf Nachfrage ein Problem nennen könnten, das ihrer Meinung nach nicht durch Mindestlöhne gelöst würde?

  3. Holger sagt:

    Der Krugman-Artikel handelt von Spanien, nicht von Griechenland. Zudem ist Krugmans Analyse und Schlussfolgerung eine ganz andere als die von Hirschel. Ich sehe die Relevanz nicht - außer, dass ganz allgemein der Krugman-Beitrag auch von der Euro-Finanzkrise handelt.

Einen Kommentar verfassen