kläglich versagt

Leiharbeit hat als Brücke in die Festanstellung kläglich versagt,

meint Thomas Öchsner, Kommentator der “Süddeutschen Zeitung”, aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ablesen zu können. Es mag ja sein, dass sich die Süddeutsche den Befund so wünscht, aber leider deckt sich das mit den Ergebnissen der Nürnberger Forscher nicht. Diese schreiben vielmehr:

Gerade für die Problemgruppe der Langzeitarbeitslosen stellt die Leiharbeit in Hinblick auf ihren künftigen Erwerbsverlauf die bessere Alternative zur Arbeitslosigkeit dar.

Langzeitarbeitslose, die eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufnehmen - so heißt es in dem Teil der Studie, der in der “Süddeutschen” und “Frankfurter Rundschau” unter den Tisch fiel gekehrt wurde, haben eine um 17 Prozentpunkte erhöhte Wahrscheinlichkeit, nach der Zeitarbeit außerhalb der Zeitarbeit beschäftigt zu sein als Langzeitarbeitslose, die weiterhin arbeitslos blieben. Mithin ist die Zeitarbeit ein effektives arbeitsmarktpolitisches Instrument - was man vom Lieblingsinstrument der Gewerkschaften, den Beschäftigung schaffenden Maßnahmen nun wahrlich nicht behaupten kann.

Schlimm genug, dass die Linkspresse die Resultate der Untersuchung schief darstellt. Aber auch der Ansatz der Studie an sich wirft Fragen auf. So untersuchen die IAB-Forscher den Werdegang von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wirtschaftszweig “Arbeitnehmerüberlassung”. Dabei bleiben einerseits alle Zeitarbeitnehmer unberücksichtigt, die in Betrieben arbeiten, deren wirtschaftlichen Schwerpunkt nicht die Arbeitnehmerüberlassung ist. Andererseits werden auch Beschäftigte betrachtet, die nicht überlassen werden, etwa die Disponenten und die Verwaltung der Zeitarbeitsunternehmen. Wer etwa als Arbeitsloser zu einem Zeitarbeitsunternehmen geht und dort als Buchhalter arbeitet, gilt in der Studie als jemand, der in der Zeitarbeit hängen geblieben ist - für die Gewerkschaften automatisch ein sozialer Problemfall.

Damit ist auch das implizite Wertesystem in Frage zu stellen. Der arbeitsmarktpolitische Erfolg bemisst sich in der Studie als Übergang in Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeitsbranche. Warum? Zeitarbeit ist eine überwiegend sozialversicherungspflichtige, unbefristete Vollzeitbeschäftigung mit einem sehr hohen Grad der Tarifbindung. Sie ist zwar stark konjunkturabhängig, aber das trifft für viele andere Branchen auch zu. Zeitarbeitnehmer unterliegen den gleichen Regelungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes sowie des Küpndigungsschutzgesetzes wie Arbeitnehmer anderer Branchen. Sie sind keineswegs Arbeitnehmer zweiter Klasse. Zeitarbeit ist in der Tat keine Brücke in Beschäftigung - sie ist Beschäftigung per se.

2 Kommentare zu “kläglich versagt”

  1. Muriel sagt:

    Zeitarbeit erfüllt vor allem für die Unternehmen, die sie in Anspruch nehmen, einen wichtigen Zweck. Ich könnte mich jedes Mal so über diese steindummen Sprüche ärgern, sie würde ja keine echten Arbeitsplätze schaffen oder sonstwas.
    Wer sagt eigentlich, dass es das höchtes Ziel allen menschlichen Strebens sein muss, Arbeitsplätze nach Vorstellung der Gewerkschaften zu schaffen?

  2. Holger sagt:

    Die Kampagne der IG Metall gegen die Zeitarbeit ist durchaus nicht irrational. Die Gewerkschaften haben erkannt, dass Arbeitnehmer außerhalb der schön geregelten Arbeitswelt der 70er Jahre seltener Gewerkschaftsmitglieder sind. Zeitarbeitnehmer sind meist nicht in der Gewerkschaft - und wenn, dann nicht in der IG Metall.

    Ansonsten ist der Hinweis richtig und wichtig: Ohne die Flexibilität, die aus der Nutzung von Zeitarbeit entsteht, könnten die Kundenunternehmen viele Aufträge gar nicht annehmen oder bearbeiten. Gäbe es die Zeitarbeit nicht, würde diese Wertschöpfung und die damit verbundenen Einkommen verloren gehen.

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