Unfreie deutsche Jugend, bau auf!

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit sich Politiker in Deutschland dafür stark machen, die Freiheit des Individuums mit staatlichen Zwängen einzuschränken. Da wird etwa vom saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller leichthin für junge Menschen Zwangsarbeit eingefordert:

Ist es nicht legitim, zu verlangen, dass sich junge Menschen auch für das Gemeinwesen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen?

Nein, ist es nicht. Weil es dafür keine vernünftige Begründung gibt, im Gegenteil. Da wird Schülern Großes abverlangt, damit sie in 12 Jahren statt wie bisher in 13 Jahren das Abitur machen. Da werden Studienordnungen reformiert und andere Anstrengungen unternommen, damit Studenten so schnell wie möglich ihren Abschluss machen können. Und dann kommt ein Herr Müller (oder auch ein Herr Koch) daher und verlangt mal eben, dass dieselben Schüler und Studenten Monate mit Zwangsarbeit verplempern, deren ökonomischer Wert gegen null tendiert. Das ist nicht nur die dümmste Idee seit der Forderung nach Nummernschildern für Fahrräder, das klingt auch gefährlich nach Sozialismus. Mit der Argumentation von Müller und Koch könnte man auch die FDJ wieder einführen.

Warum fordern diese Herren eigentlich keine Dienstpflicht für Rentner? Oder für zurückgetretene und abgewählte Ministerpräsidenten?

7 Kommentare zu “Unfreie deutsche Jugend, bau auf!”

  1. Boris Eichler sagt:

    Was ist denn an der Idee mit den Nummernschildern für Fahrräder so schlecht?

  2. Holger sagt:

    Viel zu inkonsequent. Nummernschilder haben nur dann einen Sinn, wenn sie mit einer Versicherungspflicht und Führerscheinzwang kombiniert werden. Und da Inline-Skater und Skateboard-Fahrer mindestens genauso gefährlich wie Radfahrer sind, müsste man denen per Gesetz auch noch ein Nummernschild an den Hinterkopf tackern.

  3. Rudi sagt:

    Ja, ja… wer die Wehrpflicht abschafft, schafft gleichzeitig die Zivis ab und DAS ist bei den Überlegungen des Herrn Müller wohl der einzige Zwang, solche Vorschläge zu machen! Gesundheit im Alter wird nämlich zunehmend teurer und so führt man eben den ehemaligen Wehrdienst durch die Hintertür wieder ein…..
    Um alles effektiv erscheinen zu lassen, sollen nun auch Mädchen ‘dienen’.
    Sie kapieren es eben nicht, unsere Politiker. Sie sind eben KEINE Manager, welche quasi ein Unternehmen führen, sondern Nichtskönner und Dummschwätzer! Von der Abschaffung der 100-Wattglühlampe bis zur Senkung der Hotelmehrwertsteuer machen sie ausschliesslich dummes Zeug und wundern sich über Politikverdrossenheit. Aber wenn nur dieses Wort existiert und sonst keinerlei Wirkung auf ihr Tun hat, machen sie eben weiter und produzieren beim Otto-Normalbürger nur noch Harnreissen und Darmkatarr :-)
    Allerdings: Wenn ich so manche Schüler und Studenten sehe, welche sich noch mit 30 durch lernen von der Arbeitswelt fern halten, kann ich an allgemein verkürzten Schul- und Studienzeiten nichts Absonderliches erkennen…………..
    Soviel zum Ausgleich für die nun gewonnene Zeit, die die Jungs nicht in Kasernen verdaddeln.
    Aber man muss auch ein Stück weit abgehärtet sein, um zu akzeptieren, dass Politiker gar nicht an Lösungen von Problemen interessiert sind; nähmen sie sich doch die Grundlage für den Erhalt dicker Diäten ;-)
    Die haben sich Deutschland eben untereinander aufgeteilt! DAS muss man schlicht zur Kenntnis nehmen!
    Über am Hinterkopf getackerte Nummernschilder musste ich aber dennoch lachen……
    Gruss Rudi

  4. Holger sagt:

    Den Eindruck, dass es bei der ganzen Debatte weniger um den Wehrdienst geht, als vielmehr um billige Zwangsarbeiter für die Kranken- und Altenpflege, drängt sich in der Tat auf. Gegen einen engagierten Feind könnte uns wohl weder eine Wehrplicht- noch eine Berufs-Bundeswehr verteidigen.

  5. Restebloggen zum Wochenende (54) « überschaubare Relevanz sagt:

    […] zur Verfügung stellen?“ fragt Peter Müller. Ich stimme dem sehr lesenswerten Blog „Neues aus Westsibirien“ vollständig zu in der Antwort: Nein, willkürlich verteilte Zwangsarbeit kann in einem […]

  6. Ela sagt:

    Ich kann da nur zustimmen. Klar gibt es viele Bereiche, in denen günstige oder kostenlose Mitarbeiter gebraucht werden, wie in Krankenhäusern. Die Frage ist warum? Wären die Sachen ordentlich und fair bezahlt, würde sie auch jemand machen. Und mit der immer moderner werdenden Waffentechnik hilft uns eine Bundeswehr eh nicht mehr.

    Warum nicht lieber mehr auf die Unterstützung von älteren Menschen zurückgreifen? Ich glaube viele freuen sich, wenn sie auch in ihrer Rente noch etwas vernünftiges tun dürfen, wenn auch keine schwere Arbeit oder so. Aber warum nicht mehr auf ehrenamtliche Kinderbetreuung setzen?

  7. Rudi sagt:

    @Ela.
    …..weil in dieser Bundesrepublik GENUG Geld da ist, dass jeder fair bezahlt werden könnte!
    Ehrenamt ist ehrenvoll, aber kann nur dann einen Sinn machen, wenn es kein Hauptamt ersetzen muss!!!
    Ehrenamt wird heute nämlich von unser aller Politversager so propagiert, wie damals der Volkssturm….:-(

    Es kann doch wohl nicht angehen, dass neben millionen Arbeitsloser eine, wenn überhaupt bezahlte (dann aber eher schlecht…) Zwangsarbeit eingeführt werden soll!
    Der bisherige Zwangsdienst bei der Bundeswehr machte ja noch einen, wenn auch zweifelhaften Sinn, aber nach dessen Abschaffung wieder nach Zivilrekruten zu rufen ist mit dem Dienst auf einer Galeere zu vergleichen!

    Aber sich darum zu kümmern, den Menschen nach der Schule mit einem VERNÜNFTIGEN Beruf einen Sinn für das Leben zu beschaffen ist wohl so viel abverlangt, dass man lieber das Volk gegeneinander aufhetzt, auf das es mit den dann entstehenden Diskussionen von der Existenz dieser überbezahlten Nieten in Armani abgelenkt ist.

    Wie soll es sonst sein, dass es hier niemandem auffällt, dass die scheidenden Politiker stets wieder als hochbezahlte Manager wie Phoenix aus der Asche auftauchen und das Volk weiter verarschen?

    Ihren viel zu hoch bezahlten Dienst als Politiker haben sie bis dahin bereits als EHRENAMT angesehen und ‘belohnen’ sich dann mit einem Job, den sie nach einer sonstigen schulischen Ausbildung wohl niemals erhalten hätten.

    Und die Wirtschaft macht bei diesem Menschen verachtenden Spiel mit!

    Tja, und wir unterhalten uns hier darüber, ob es in Krankenhäusern und Kindergärten genug Personal gibt!

    DAS ist die originäre Aufgabe der Politik!

    Gruss Rudi

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