und der Gewinner ist: der Bund

Nun wird er wohl kommen, der Mindestlohn. Und damit stellt sich die Frage, wer davon profitieren wird. Wahrscheinlich ist, dass die Niedriglohnbezieher es nicht sind. So ist zu erwarten, dass einige von Ihnen künftig ohne Job dastehen werden. Doch selbst wenn jegliche negativen Beschäftigungseffekte beiseite gelassen werden, ist der Gewinner ein ganz Anderer.

Wer gegenwärtig eine Vollzeitbeschäftigung (169 Std./Monat) bei einem Stundenlohn von 6 Euro brutto ausübt, kommt als Alleinstehender auf ein Monatsbrutto von 1.014 Euro, was einem Netto von 795 Euro entspricht. Dank des Erwerbsfreibetrages hat er aber - in Abwesenheit weiterer Einkünfte - Anspruch auf 262 Euro zusätzliches Arbeitslosengeld 2. Im Ergebnis kommt er auf ein verfügbares Einkommen von 1.057 Euro. Nehmen wir nun an, sein Stundenlohn steigt dank des Mindestlohns auf 8,50 Euro. Das Brutto steigt auf 1437 Euro, das Netto auf 1.058 Euro. Allerdings sinkt das Arbeitslosengeld 2 auf einen Restbetrag von 17 Euro - von dem ich mir nicht mal sicher bin, ob er überhaupt ausbezahlt wird. Das verfügbare Einkommen unseres künftigen Mindestlohnempfängers steigt gerade einmal um knapp 20 Euro. Pro Stunde bleiben von der Bruttolohnerhöhung in Höhe von 2,50 netto gerade einmal 11 Cent übrig.

Die Lohnerhöhung wird von einer Reduzierung des Arbeitslosengeldes 2 wieder aufgefressen. Das Geld landet beim Job-Center und vorrangig bei dessen Finanzier, dem Bund. Zahlen müssen - sofern die Beschäftigung nicht sinkt - entweder die Konsumenten über  höhere Preise oder die Unternehmen, indem sie niedrigere Gewinne erzielen. Weniger Unternehmensgewinne bedeuten auch weniger Gewerbesteuern. Das kratzt den aber Bund wenig, denn das trifft ja lediglich die Kommunen.

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