Patriarchales Deutsch

Die Publizistin Luise Pusch veröffentlichte unlängst im “Tagesspiegel” einen Artikel, in dem sie die männliche Dominanz in der deutschen Sprache kritisierte. So sei nicht einzusehen, dass das Wort “Lehrer” immer auch gleich die Lehrerinnen mit meine, ohne sie aber ausdrücklich zu nennen. Vielmehr werde dadurch die Abhängigkeit der Frauen ausgedrückt und irgendwie wohl auch zementiert. Denn umgekehrt sei es nicht so. Das männliche Pendant zur Krankenschwester heißt nicht “Krankenbruder”, sondern “Krankenpfleger”. Selbst Frauen bezeichnen sich als “Ingenieur”. “Sprache soll gerecht sein”, fordert die Autorin und regt daher an, die weibliche Form zu verwenden, auch wenn Frauen und Männer gemeint seien.

Ob diese Diskussion wichtig, peinlich, überfällig oder überflüssig ist, soll hier gar nicht thematisiert werden. Ebensowenig die diskussionwürdige Frage, ob und inwieweit Sprache gerecht sein muss. Mir fällt bei solcherlei Lektüre nur immer auf, dass die vermeintliche Gleichberechtigung immer dort eingefordert wird, wo sie vorteilhaft erscheint. Frau Pusch regt sich zwar über männliche Worte wie “Gott”, “Schirmherr” oder “Arbeiter” auf. Nicht aber über “Mörder”, “Dieb”, “Lügner” oder “Müllmann”. Wobei es letztere in weiblicher Variante kaum gibt - was aber auch wieder bezeichnend für die ganze Diskussion ist. Warum wird (zu Recht!) bemängelt, dass Frauen nur 22 Prozent der Führungskräfte stellen, gleichzeitig aber kein Wort darüber verloren, dass ihr Anteil an den Abfallbeseitigern nur kümmerliche 3 Prozent beträgt. Hat eine Frauenrechtlerin schon jemals die Frauenquote für die Müllabfuhr gefordert? Warum eigentlich nicht?

2 Kommentare zu “Patriarchales Deutsch”

  1. Rayson sagt:

    Das Argument ist so alt wie treffend ;-)
    Übrigens: Interessante Beiträge. Meine Hochachtung.

  2. admin sagt:

    Merci.

    Schade, dass auch alte Argumente immer wieder ignoriert werden.

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