Tempelhof nervt

Wenn es etwas gibt, was noch nervtötender ist als die Flugzeuge, die täglich im Anflug auf Berlin-Tempelhof in gefühlten 50 Meter Höhe mit Riesenkrach über den Südwesten der Stadt anfliegen, dann ist es die politische Debatte um das Für und Wider der Schließung des Flughafens.

Den Flughafenbefürwortern fehlt jegliches vernünftige Argument. Sie behaupten:

  • Der Flughafen sei verkehrsgünstig gelegen.
    Das ist ja das Problem! Deshalb fliegen die Flugzeuge ja auch direkt über die Dächer von Steglitz an. Im Übrigen mag Tempelhof ja zentral liegen, aber günstig ist es noch lange nicht. Denn zum U-Bahnhof muss man einen Kilometer unter freiem Himmel laufen. Kein Vergnügen im Winter mit 2 schweren Koffern. Tegel, das man nur per Bus erreicht und Schönefeld, wo man auch einen Kilometer marschieren muss, sehen da allerdings auch nicht viel besser aus.
  • Der Flughafen funktioniert.
    Super. Die Dampfloks der Reichsbahn haben auch noch funktioniert, da hat auch keiner verstanden warum man sie damals ausgemustert hat.
  • Der Flughafen wird akzeptiert, der Fluglärm sei keine Belastung der Anwohner.
    Nun, wie das mit der Akzeptanz ist wird sich ja beim Volksentscheid zeigen. Die Leute, die da neben der Startbahn wohnen, wissen die billigen Mieten zu schätzen, die Hausbesitzer eher nicht. Dass der Lärm überhaupt nicht stört, halte ich für ein Gerücht. Das spräche gegen jede Lebenserfahrung.
  • Man könne Tempelhof behalten und Schönefeld trotzdem ausbauen.
    Ja und?
  • Schönefeld fehle es bereits bei Eröffnung an Kapazitäten.
    Das mag sein, aber was hilft da der winzige Flughafen Tempelhof? Dann soll doch Tegel offenbleiben, dessen Kapazität ist doch viel höher.
  • Tempelhof kann wirtschaftlich betrieben werden.
    Das will ich wohl gleuben, aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass so eine Anlage nicht mitten in dichtbesiedeltes Gebiet gehört. Tempelhof Flughafen ist so groß wie ein ganzes Stadtviertel, ein riesiges Loch mitten in der Stadt. Die Stadt muss dieses Gelände zurückgewinnen. Dazu muss ja nicht gleich alles bebaut werden und man muss auch kein “Wiesenmeer” oder Ähnliches planieren.

Kaum weniger bescheuert sind allerdings die Argumente der Tempelhof-Gegner, die an jeder Ecke plakatiert werden. “Ick zahl doch nicht für’n VIP-Flughafen”, erzählt einem da ein Bauarbeiter in peinlich-anbiederndem Pseudo-Dialekt. Als wenn er das müsste. Dass Tempelhof Verluste macht, liegt mutmaßlich nur an dem typischen Berliner Mißmanagement. Nicht weniger peinlich das Plakat einer älteren Frau, die mich irgendwie an Inge Meisel erinnert (die konnte ich noch nie ausstehen): “Ick fliege uff Berlin. Aba nich’ von Temepelhof”. Welcher kranke Werbefuzzi hat sich so etwas bloss ausgedacht?

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