Seehofers strategische Milchreserve

Vom Agrarminister ist man ja so einiges gewöhnt, z.B. dass er Subventionen an die Landwirtschaft damit rechtfertigt, dass Bauern angeblich mehr Kinder haben. Aber es gibt keinen Schwachsinn, der nicht noch überboten werden könnte. Ein neuer Höhepunkt im Wirken des Ministers ist zweifellos seine Einlassung zum “Streik” der Milchbauern. Da behauptet er allen Ernstes, dass sich Deutschland nicht vom Milchimporten abhängig machen dürfe:

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer warnt angesichts der Proteste der Milchbauern vor einer Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland. “Wie problematisch solche Abhängigkeiten für eine Volkswirtschaft sein können, erleben wir bei der Energieversorgung”

Wie bitte? Was erleben wir denn bei der Energieversorgung? Doch nur, dass steigende Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot zu steigenden Preisen führt. Die Ölversorgung ist doch nicht deshalb gefährdet, weil wir keine eigenen Ölvorkommen haben.

Aber die Analogie ist natürlich auch sonst vollkommen abwegig. Schließlich ist Milch kein Rohstoff wie Öl, ohne den es zu einem Stillstand sämtlicher ökonomischer Aktivitäten kommen würde. Und überhaupt, was wäre denn an dem Import von Milch so schlimm? Würden wir von ausländischen Potentaten erpresst, die ein Monopol auf die weltweite Milchversorgung haben und uns bei politischen Differenzen die Milchpipelines abdrehen würden?

In diesem Fall wäre dringend die Bildung einer strategischen Milchreserve anzuraten. Seehofer könnte die protestierenden Milchbauern alle für ein Beamtengehalt in den Staatsdienst übernehmen und ihnen die Aufgabe übertragen, die strategische Milchreserve immer auf dem erforderlichen Stand zu halten. Damit würden vielleicht auch deren Klagen über den Verfall der Preise ein verdientes Ende finden.

Ich habe es schon einmal gesagt, wiederhole mich da aber gern: Wenn selbst Bundesminister so etwas von sich geben, muss man sich über Politikerverdrossenheit nicht mehr wundern.

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