Altersteilzeit: eine unvernünftige Subvention

Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln über eine Nachfolgeregelung zur Altersteilzeit. Die Gewerkschaften wollen, dass auch weiterhin Möglichkeiten bestehen, “frühzeitig und flexibel aus dem Beruf auszusteigen”. Dies eröffne Beschäftigungschancen für Jüngere. Unverzichtbar sei aber, dass der Bund die Altersteilzeit weiter fördere.

Nun ist nichts dagegen einzuwenden, dass Arbeitnehmer flexibel und gegebenenfalls auch frühzeitig aus dem Beruf aussteigen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es wäre unsinnig, da Regeln vorzugeben. Denn manch einer ist schon mit 55 Jahren reif für die Rente und der andere würde noch mit 70 gerne weiterarbeiten. Daher spricht vieles dafür, den Renteneintritt vollkommen unabhängig von einem fixen Rentenzugangsalter zu gestalten.

Allerdings: Mehr Beschäftigung für Jüngere schafft man nicht dadurch, dass man Ältere vom Arbeitsmarkt wegsubventioniert. Die Gewerkschaften unterliegen in dieser Frage abermals der irrigen Vorstellung, der Arbeitsmarkt hätte ein festes Arbeitsvolumen, dass es gerecht zu verteilen gelte. Ein dynamischer Arbeitsmarkt bietet Chancen für Alte und Junge gleichermaßen, wie man anhand eines Blicks auf andere Länder unschwer feststellen kann.

Wer früh aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden will, soll das tun können. Er muss dabei aber versicherungsmathematisch korrekt berechnete Abschläge bei seiner Rente hinnehmen. Keinesfalls sollte der frühe Renteneintritt auch noch staatlich gefördert werden - ob nun in Form der Altersteilzeit oder auf andere Weise. Für eine solche Förderung gibt es keinen Grund, im Gegenteil. Aufgrund der demographischen Entwicklung sind wir jetzt und künftig noch mehr darauf angewiesen, dass Ältere länger im Erwerbsleben bleiben. Ihr Humankapital lässt sich immer schwerer ersetzen.

Eine staatliche Förderung ist auch dann nicht effizient, wenn Arbeitnehmer körperlich anstrengende Tätigkeiten ab einem bestimmten Alter nicht mehr ausüben können. Es ist nicht Sache der Gesellschaft, dafür zu zahlen, dass ein Arbeitnehmer körperlich verschleißt. Es ist vielmehr Sache der Kunden, die solche Tätigkeiten in Anspruch nehmen.

Wenn ein Maurer nur bis 60 arbeiten kann, dann muss er während seines Erwerbslebens eben so bezahlt werden, dass er ab 60 in Rente gehen kann. Die Zahler müssen identisch sein mit den Nutznießern, also denen, die sich von dem Maurer ein Haus bauen lassen. Warum sollte der Bewohner einer Mietwohnung mit seinen Steuern und Sozialbeiträgen den frühzeitigen Renteneintritt des Maurers finanzieren, von dessen Tätigkeit nur sein Nachbar der frischgebackene Eigenheimbesitzer profitiert hat? Eine solche, die Lebensarbeitsleistung berücksichtigende Entlohnung kann aber nur entstehen, wenn es keine staatliche Einflußnahme gibt.

Ein Kommentar zu “Altersteilzeit: eine unvernünftige Subvention”

  1. zeitcollector sagt:

    Gute Vorschläge zu einer vernünftigen Regelung der flexiblen Altersgrenze. Aber wie Vieles, was vernünftig wäre, wird es wohl nicht Wirklichkeit werden.
    Jahrzehntelang wird über Alterspyramide etc. diskutiert, aber ein tragfähiges Konzept wird nicht entwickelt.

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